Sommerausstellung Kunst der Zärtlichkeit

Ein Teil der involvierten Künstler (von links): Klaus Dieterich, Wolfgang Jäger, Rudolf Teuffel, Axel Tuor mit Kind, Inge Dieterich und Clemens Fischer.
Ein Teil der involvierten Künstler (von links): Klaus Dieterich, Wolfgang Jäger, Rudolf Teuffel, Axel Tuor mit Kind, Inge Dieterich und Clemens Fischer. © Foto: Nadine Wilmanns
Bleichstetten / Nadine Wilmanns 04.07.2018

Die Sommerausstellung des Kunstforums St. Johann hat sich einem zeitlosen Thema gewidmet. ,,Frau-Mann, Mann-Frau: Der große/kleine Unterschied“ lautet das Motto der Ausstellung. ,,Es ist ja allgemein bekannt, dass darüber auf der Schwäbischen Alb seit 40 000 Jahren scharf nachgedacht wird“, sagt der Vorsitzende des Kunstforums Peter Fischer zum Thema seiner Ausstellung, der Frau-Mann-Beziehung und verweist auf die Venus vom Hohlefels. Auch aktuell haben kreative Älbler scharf über Mann und Frau nachgedacht und was dabei herausgekommen ist, ist jetzt in Bleichstetten anzuschauen.

Zwei Ausstellungsorte

Gleich an zwei Ausstellungsorten kann die ,,Kunst der Zärtlichkeit“, so Freia Fischer vom Kunstforum, besichtigt werden: Skulpturen und Objekte stehen auf der Labyrinth-Wiese am Ortsausgang in Richtung Bad Urach. Außerdem ist das idyllische Turmatelier in der Waldstraße voll mit Malereien, Fotografien und Objekten zum Thema. Mehr als fünfzehn Künstler, die zum Großteil auf der Schwäbischen Alb zu Hause sind, haben ihre Werke beigesteuert. ,,Sehr zufrieden“, ist Peter Fischer mit seiner Ausstellung. ,,Das Niveau hat sich noch einmal gesteigert.“

Die Ausstellung soll die Beziehung zwischen Mann und Frau in den Fokus stellen. Angeregt worden sei das Thema durch die große internationale Debatte um den Hashtag ,,me too“, der auf das Thema sexuelle Belästigung aufmerksam machen soll. Die Ausstellung sei ein Plädoyer für die Zärtlichkeit. Freia Fischer sagt: ,,Ohne erotische Spannung passiert überhaupt nichts auf der Welt, dann gibt es nur noch Gewalt.“

Sohn Clemens Fischer hat auch Spannungen entdeckt, allerdings im Ich des Menschen: „Unzugänglicher, stacheliger Draht, ein Spiegel und der Hinweis ,,Free Hugs“ stellen Fragen wie: Sind wir stachelig und sind wir bereit, damit umzugehen“? Sein Betonabguss einer Schaufensterpuppe beschäftigt sich mit dem Bild der Frau.

Die Kleinskulpturen von Werner Bystrich sind oft nicht so ganz eindeutig: Eine kräftige Figur könnte Frau oder Mann sein. ,,Stereotypen gelten nicht“, so Bystrich. Der Frau, die emotional stark die Familie zusammen halte, könne ebenso Stärke und Kraft zugeordnet werden, wie dem Mann. Vom Ungleichgewicht in der Partnerschaft handeln die gesägten Kunstwerke von Wolfgang Jäger. Klaus Dieterich hat seine Holzschwarten ,,auf das Allerwesentlichste, auf den kleinen Unterschied zwischen Mann und Frau reduziert“. Die Mann-Frau-Beziehung sei für ihn ,,Lebensthema“: ,,Ohne Partnerschaft wäre das Leben ja arm“, so Dieterich. ,,Es ist ein Weltthema – die Menschheit, die Literatur und die Kultur leben davon“, pflichtet Rudolf Teuffel bei. Künstler und Schulleiter der Münsinger Gustav-Heinemann-Schule, bei.

Axel Tuor hat ein erlebtes Beispiel von Partnerschaftsproblematik beobachtet, auf das er mit seiner Holzskulptur eines sehr vertrauten Paares hinweisen möchte: ,,Ich sehe Paare im Café mit Kopfhörern im Ohr und Handy in der Hand – ist das die neue Zuneigung?“, fragt er. ,,Wenn ich nach Hause komme und meine Frau in den Arm nehme, dann sind das Augenblicke, die für mich wichtig sind.“ Doch aus der schnelllebigen Zeit würden solche Augenblicke immer mehr verschwinden. Auch seine Frau Marina Tuor hat ein sich innig umarmendes Liebespaar mit Baby aus Ton beigesteuert, das aus einem Baumstamm zu wachsen scheint.

Turmatelier hat am Sonntag geöffnet

Die Objekte auf der Labyrinth-Wiese können noch bis einschließlich Oktober dort bestaunt werden. Die Ausstellung im Turmatelier wird am kommenden Sonntag im Rahmen einer Dichter-Lesung geöffnet sein, außerdem am Samstag, 4. August. Bei Interesse könne darüber hinaus auch gerne ein Besichtigungstermin mit dem Kunstforum vereinbart werden.

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