OTTO PAUL BURKHARDT  Uhr
Gerade mal sechs Wochen ist es her, dass Reutlingen wieder über ein Programmkino verfügt. Nach nur knapp zwei Jahren der Planung, Finanzierung und baulichen Vorbereitung war es am 17. September endlich soweit: Kamino, das neue Lichtspielhaus im Wendler-Areal, nahm seinen Betrieb auf.

Gerade mal sechs Wochen ist es her, dass Reutlingen wieder über ein Programmkino verfügt. Nach nur knapp zwei Jahren der Planung, Finanzierung und baulichen Vorbereitung war es am 17. September endlich soweit: Kamino, das neue Lichtspielhaus im Wendler-Areal, nahm seinen Betrieb auf. Damit war der Traum einiger Kinoethusiasten, aus denen inzwischen eine 780 Mitglieder starke Genossenschaft geworden ist, wahr geworden. Und nun begann das, was man "die Mühen der Ebene" nennt. Der Kinoalltag.

Nach sechs Wochen Spielzeit zieht das neue Reutlinger Programmkino nun erstmals Bilanz. Es ist eine Erfolgsbilanz geworden. Von der Premiere am 17. September bis Ende Oktober besuchten mehr als 3300 Kinofreunde das Kamino.

Das Programmkino, schreibt Pressemann Stefan Marschall, "schließt eine Lücke im Kulturprogramm der Stadt". Nur so lasse sich der große Besucherstrom ins kleine, 92 Sitzplätze zählende Kino erklären. Andreas Kissel, im Programmkino-Vorstand verantwortlich für die Filmauswahl, formuliert es so: "Der anspruchsvolle Film hat mit dem Kamino einen festen Platz in unserer Stadt erobert." Und dies werde "von mehr Kino-Freunden geschätzt, als wir erwartet haben".

Schon die September-Zahlen mit über 1100 Besuchern ließen einen vielversprechenden Trend erkennen. Weil zunächst der Bonus der Neueröffnung galt, wurde dies noch mit Vorsicht gewertet. Die jüngsten Zahlen für Oktober bestätigen aber diesen Trend. Demnach besuchten rund 2200 Kinogänger das Kamino. Nach den ersten anderthalb Monaten Kinobetrieb ergibt das eine Besucherzahl von über 3300. Das heißt: Pro Tag werden durchschnittlich 75 Kinokarten verkauft.

Zudem wertete das Team auch aus, welche Streifen besonders gut ankamen. Als beliebtesten Film in dieser Zeit kürten die Kamino-Gänger "Taxi Teheran" - per Abstimmung mit den Füßen. Denn dieser Film lockte 610 Besucher ins Kino. Auf Platz zwei folgt dann "Learning to drive" mit 471 Besuchern.

Hinzu kommt: Der Bekanntheitsgrad des Kamino konnte durch die Reutlinger Kulturnacht am 24. September "nochmals deutlich gesteigert" werden, heißt es. Klaus Kupke, im Vorstand verantwortlich für den Kino-Bau, sagt dazu: "Das Interesse an unserem Kino war außergewöhnlich groß. Bei den halbstündigen Kurzfilm-Vorstellungen war stets jeder Kinosessel besetzt, und draußen im Foyer drängten gleichzeitig die wartenden Besucher auf den nächsten Einlass. An diesem Abend zählten wir insgesamt 644 Besucher, die wir in unserer Besucherbilanz aber nicht berücksichtigt haben."

Mit der bisher erzielten Auslastung von 75 Besuchern pro Tag sind die Kamino-Macher sehr zufrieden. "Schon 41 Besucher würden pro Tag genügen, um keine roten Zahlen zu schreiben", sagt Karin Zäh, im Vorstand verantwortlich für Finanzen und Mitgliederverwaltung.Doch sie warnt auch vor übertriebener Euphorie: "Der aktuelle Besucherüberschuss garantiert uns noch keine finanzielle Sicherheit über die Spielzeit von einem kompletten Jahr. Dieser Überschuss kann in den kino-schwachen Monaten Juni bis August schnell abschmelzen."

Die Kamino-Leute haben das Ganze so durchkalkuliert: Rund 15 000 Besucher müssen jährlich ins Programmkino kommen, damit der Wirtschaftsplan passt, die Kosten für den täglichen Betrieb eingespielt und die Baukosten von rund 380 000 Euro bezahlt werden können. "Großes Vertrauen" setzt der gesamte Vorstand dabei in die mittlerweile 780 Mitglieder starke Programmkino-Genossenschaft. Wenn nur jedes Mitglied zweimal pro Monat ins Kino käme, läge die Besucherzahl schon bei über 18 000 pro Jahr.