Kulturelle und bauliche Leerstände kreativ auszufüllen, das war und ist der Anspruch von Kulturach. Im Jahr 2004 an den Start gegangen, feiert die Bad Uracher Kulturinitiative in diesem Jahr das 15-jährige Bestehen und sie wird nicht müde, das kulturelle Leben der Stadt auch weiterhin zu bereichern und zu beleben. „Niemand hätte erwartet, dass es uns nach 15 Jahren immer noch so aktiv gibt“, sagt Kirsten Oechsner fast schon trotzig. Sie zählt mit Marlene Eggert und Sabine Seckinger zu den Frauen der ersten Stunde, als sich unter dem Dach der Lokalen Agenda eine Kulturwerkstatt gründete und man danach sann, wie das städtische Leben abseits etablierter Pfade auch für jüngere Semester attraktiv werden könnte.

Abwechslungsreiche Kultur für das „Mittelalter“

Einige Ideen kamen damals auf den Tisch, die dauerhafteste war Kulturach, wie sich heute zeigt. Der Ansatz von damals ist für die heute zwölf Aktiven dabei noch immer der gleiche geblieben: facettenreiche Kultur für das „Mittelalter“ zu bieten. Zunächst nur in leerstehenden Läden der Innenstadt, bald aber – wegen des großen Zuspruchs – auch an besonderen Orten, etwa in Lagerhallen, im Pumpspeicherwerk oder im Gewächshaus. In bester Erinnerung ist den Kulturach-Machern auch die Veranstaltung im leerstehenden Aquadrom, als die Gäste im Jahr 2008 ihre Stühle selbst mitbrachten.

Der Fantasie und Kreativität keine Grenzen gesetzt

So abwechslungsreich die Veranstaltungsorte waren und sind, so breit gefächert sind auch die Programme, immer am zweiten Freitag des Monats. Musik, Lesungen, Themenabende oder Theater: Der Fantasie und Kreativität sind seit jeher keine Grenzen gesetzt. Erhalten hat man sich aus den Anfangsjahren auch eine gewisse Spontanität und Ungezwungenheit. Statt von einem Ehrenamt, das man bekleidet, sprechen die Kulturmacher lieber von einem Spaßamt.

Näschen für Publikumserfolge

Der Spaß für die Gäste soll dabei genauso wenig zu kurz kommen, wie für die Organisatoren selbst. Kurze Entscheidungswege, ein familiäres und gut gelauntes Umfeld, gepaart mit einem gewissen Näschen für Publikumserfolge: Kulturach hat sich in den vergangenen Jahren einen klingenden Namen weit über die Stadtgrenzen hinaus gemacht. Bei Gästen ebenso wie bei Künstlern. Die Traufgängerinnen, die Liedermacherin Sarah Lesch oder das Leonard-Cohen-Project: Bevor es mit ihren Karrieren steil bergauf ging und sie höchstens als Geheimtipp gehandelt wurden, machten sie auf Einladung von Kulturach in der Stadt Station. Selbst die Tübinger Theatergröße Heiner Kondschak ließ sich nicht lange bitten.

150 Veranstaltungen geschultert

Das was die Kulturinitiative aus dem Nichts heraus erschaffen und durch inzwischen 150 Veranstaltungen etabliert hat, sucht nicht nur in der Region lange und vergeblich nach Vergleichen. Auch mit der Idee, Kulturveranstaltungen durch überraschende Orte nahbar zu machen, hat Kulturach eine Vorreiterrolle eingenommen. Und das, lange bevor es schließlich auch in Großstädten Mode wurde. Aus den Anfangsjahren geblieben ist der Anspruch, den Gästen ein niederschwelliges Angebot zu machen. Für eine handvoll Euro soll ein jeder teilhaben können. Die Summe der Eintrittsgelder ist gleichzeitig die Gage für die Künstler. Fördergelder erhält die Kulturinitiative übrigens keine, sie finanziert sich alleine durch den Getränkeverkauf.

Treues Stammpublikum

Damals wie heute sei Bad Urach ein schwieriges Pflaster für Kulturschaffende, ist man sich bei Kulturach gleichwohl einig. Durch den Zuwachs an Konkurrenz sei es derweil nicht leichter geworden. Doch auch dank zahlreicher Kooperationen hat sich die Initiative längst ein treues Stammpublikum erworben und sie erfindet sich, wie etwa durch die Lagerfeuerabende an den Bauwägen, immer wieder neu. Die Ideen dürften also ausreichen für die kommenden 15 Jahre.

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Kulturach feiert am 8. November im Schloss


Aus Veranstaltern werden am Freitag, 8. November, Akteure, wenn Kulturach im Residenzschloss Jubiläum feiert. Damals wie heute heißt die Devise: „Da braut sich etwas zusammen“. Das ist auch der Titel des selbst gestalteten und präsentierten Programms rund ums Thema Bier und Brauen, das dem Publikum zum 15-jährigen Bestehen präsentiert wird. Karten im Vorverkauf gibt es im Residenzschloss zu dessen Öffnungszeiten und bei der Buchhandlung am Markt, im Eintrittspreis enthalten ist ein Imbiss und ein zum Thema passendes Begrüßungsgetränk. Die Anzahl der Gäste ist auf 140 limitiert.