Ob der Pyramidenbau, König Hammurabi in Babylonien, Martin Luther oder Benjamin Franklin: Seit Jahrtausenden spielt Bier eine kulturgeschichtliche Rolle. Dem Gerstengetränk widmete die Initiative Kulturach zu ihrem 15-jährigen Bestehen einen ganzen Abend.

Unter dem Titel „Da braut sich was zusammen“ erlebten am Freitag die Gäste in der gänzlich gefüllten Dürnitz des Bad Uracher Schlosses eine heitere Eigenproduktion. Seit 2004 organisieren die Kulturacher jeden zweiten Freitag im Monat eine Veranstaltung fürs „Mittelalter“.

Ein Programm für Menschen in der Lebensmitte

Die Bandbreite reicht dabei von Konzerten über Lesungen bis zum Kabarett, wobei sich die Anfangsidee, Kultur in leerstehenden Geschäften stattfinden zu lassen, weiterentwickelt hat. Inzwischen gibt es die Events auch in ungewöhnlichen Räumen, wie etwa in Autohäusern oder in der Schulmensa.

Die Säulen des Gewölberaums waren mit „Skál“ oder „Kippis“ geschmückt, dem Wort „Prost“ aus vielen Ländern. Zünftige Bierhumpen und Trinkhörner bildeten die Deko. Mittendrin Deftiges und natürlich viele Biersorten, die man in der Pause probieren konnte. Doch was gehört überhaupt ins Bier?

Das versuchte das fidele Ensemble unter Oberleitung der Professoren „Blume“ und „Besserwiss“ zu klären. In originellen Kostümen bewarben sich Wasser, Mais, Gerste, Hopfen und Hefe („Da wo ich bin, geht was.“). Bis auf den Mais wurden alle durchgewunken, denn die Pflanze sei laut Experten erst deutlich nach dem Deutschen Reinheitsgebot 1516 ins Land gekommen.

Die Ägypter versorgen ihre Arbeiter beim Pyramidenbau mit Bier

Nach so viel Wissenschaftlichkeit brauchte es Frohsinn. „Bier her“, „Ein Prosit“ oder „Es gibt kein Bier auf Hawai“ wurden zusammen mit dem Publikum gesungen. Erfunden wurde das Bier durch die Sumerer im heutigen Irak, per Zufall beim Brotbacken. Die Ägypter versorgten ihre Arbeiter beim Pyramidenbau mit dem Getränk, in Deutschland datieren die ersten Bierspuren auf das 8. Jahrhundert vor Christus.

„Die Germanen hofften auf ewig fließendes Bier im Jenseits“, erfuhr das Publikum. Bei vielen Völkern sei Bierbrauen ein Teil der Hauswirtschaft und deshalb reine Frauensache gewesen. Luther selbst habe das Getränk seiner Ehefrau als „Leibgetränk“ beschrieben.

Es ist immer gern gepanscht worden

Freilich, erzählten die Experten, sei auch immer gerne und viel gepanscht worden. Hammurabi habe das Problem gelöst, indem er solche Frevler gleich in ihren eigenen Bierfässern ertränkt habe. Als hervorragende Bierbrauer erwiesen sich seit dem Mittelalter die Mönche.

Mit Hilfe der Kulturacher blickten die Gäste auch in der Ortsgeschichte zurück. „Bad Urach hat eine lange Brautradition und war lange Zeit vor allem durch das Brauhaus von Eberhard III. von Württemberg 1651 geprägt.“ Das flotte, mitreißende Spiel und die frechen Sprüche sorgten für viele Lacher.

So hieß es auf die Bemerkung, nur weibliche Blütendolden des Hopfens seien wegen der Bitterstoffe zum Bierbrauen geeignet: „Frauen sind eben generell für die Bitterkeit zuständig.“ Jede Menge kleine Erzählungen, Gedichte und Zitate zeigten, dass Bier über Jahrhunderte auch für „Dichter und Denker“ ein Thema war.

Benjamin Franklin gar, Gründervater der Vereinigten Staaten, sah im Biergenuss den „Beweis für die Liebe Gottes“.

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Jahre besteht die Kulturinitiative „Kulturach“, die sich vorgenommen hat, Programm für das mittlere Lebensalter zu bieten. Seit 2004 tun die Ehrenamtlichen das erfolgreich.