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Outletcity
Metzingen/Bad Urach / Alexander Thomys  Uhr
Vor allem in den Outlets in Metzingen versuchen Diebe immer wieder, an Markenware zu gelangen, ohne zu bezahlen. Nun kam es vor dem Amtsgericht Bad Urach zu zwei Anklagen gegen fünf Personen.

Am vergangenen Brückentag lockte die Outletcity rund 50 000 Besucher nach Metzingen (wir berichteten). Dabei kommen nicht nur redliche Einkaufswillige in die Sieben-Keltern-Stadt. Das zeigte sich jüngst wieder vor dem Bad Uracher Amtsgericht, als mehrere Diebstähle in der Outletcity angeklagt wurden.

Die beiden dem Namen nach aus Osteuropa stammenden Angeklagten, für die eigens eine Dolmetscherin geladen worden war, verzichteten auf ein persönliches Erscheinen vor Gericht. Nun liegt der Fall wieder bei den Ermittlungsbehörden, die den beiden Männern vorwarfen, in acht verschiedenen Geschäften in der Outletcity, Waren im Gesamtwert von rund 1000 Euro gestohlen zu haben. Die Übersetzerin ging unverrichteter Dinge nach Hause, für Richterin Dr. Katja Rieger und Amtsanwältin Anja Schmid von der Staatsanwaltschaft Tübingen sollte dies allerdings nicht der einzige Outlet-Diebstahl-Fall an diesem Tag bleiben.

Trio auf Diebestour

Eine weitere Diebstahl-Serie wurde verhandelt. Im August 2017 war eine Syrerin aus Freudenstadt mit zwei ihrer Landmänner unterwegs. Mit ihrem Auto steuerte das Trio zunächst die Universitätsstadt Tübingen an, anschließend ging es in die Outletcity nach Metzingen. In insgesamt zwölf Geschäften ließ das Trio verschiedenste Artikel mitgehen, von Markenkleidung über Schmuck bis hin zu Markenschuhen. Eine Herrenuhr für 99 Euro wanderte ebenso in das Handgepäck des Trios wie ein Polo-Shirt für 70 Euro und zwei Paar Stiefel. Freilich blieb der Diebeszug nicht unbeobachtet: Ladendetektive der Outletcity hatten das Trio in den Blick genommen, beobachteten mehrere Diebstähle und stellten das Trio zur Rede. Die Polizei kam hinzu, fand den Autoschlüssel der Syrerin, welche die Polizeibeamten anschließend bereitwillig zu ihrem Fahrzeug führte. Dort fanden die Beamten dann auch die in der Universitätsstadt gestohlenen Artikel.

Ein Angeklagter fehlt

Vor dem Uracher Amtsgericht erschienen die 32-Jährige Syrerin, Mutter einer zwölfjährigen Tochter, und ihr 35-jähriger Landsmann. Der Dritte aus dem Trio ist flüchtig, der Aufenthaltsort unbekannt. Überaus praktisch war dies für die beiden Angeklagten: sie gaben jede Schuld für die Diebstähle dem verschwundenen Dritten. Dieser habe eine Liebesbeziehung mit ihr gehabt, erzählte die 32-Jährige vor Gericht. An jenem verhängnisvollen 1. August habe er ihr versprochen, sie neu einzukleiden. „Er hat mir das blaue vom Himmel versprochen“, berichtete die Syrerin über einen geladenen Dolmetscher.

In Metzingen hätte sie dann mit den beiden Männern die Geschäfte betreten, und sich einen Teil der Dinge ausgesucht, die anschließend von dem Flüchtigen gestohlen worden seien. Sie habe Angst gehabt, aber ihr damaliger Freund sei „ein Künstler im Entwenden gewesen“, schilderte die Angeklagte. Zwar habe sie aufgepasst, dass niemand die Diebstähle bemerken würde, doch sei ihr nicht bewusst gewesen, dass sie damit an den Diebstählen beteiligt sei. „Ich habe selbst nichts gestohlen“, betonte die 32-Jährige immer wieder.

Von Unschuld überzeugt

Noch unschuldiger präsentierte sich der 35-Jährige, der derzeit eine Ausbildung zum Busfahrer absolviert und dessen Aufenthaltsgenehmigung in Kürze ausläuft. Er habe sich spontan dazu entschieden, mit seinen Bekannten zu fahren, und habe sich noch extra Geld bei seiner Mutter geholt, um sich neue Schuhe zu kaufen. Die seien dann freilich zu teuer gewesen, weshalb er vom Kauf Abstand nahm und ein Eis essen ging. Von den Diebstählen will er nicht gewusst haben. „Ich habe nicht selbst geklaut und hätte auch nicht weglaufen können“, schilderte der 35-Jährige, der damals nach einer Verletzung auf einen Rollstuhl angewiesen war, an jenem Augusttag dann aber wieder gehen konnte.

Von den gestohlenen Artikeln sei nichts für ihn bestimmt gewesen, betonte der Syrer und verwies auf seine Schuhgröße – die gestohlenen Schuhe hätten ihm nicht gepasst. Die Überwachungskameras machten diese Aussage indes wenig glaubhaft: demnach ist auf den Videos zu erkennen, wie der Angeklagte ein Paar Sportschuhe anprobierte und sie sich aussuchte, ehe er den Verkaufsraum verließ. Die Angeklagte zeigte die Schuhe daraufhin ihrem Landsmann und half ihm dabei, die Sicherungen mit einem Magneten unbrauchbar zu machen.

Professionelles Vorgehen

Ein Ladendetektiv, der als Zeuge aussagte, beschrieb eine professionelle Vorgehensweise des Trios: „Die wussten zu 100 Prozent, was sie in dem Laden machten. Das war kein Zufall, sie haben auch per Zeichensprache miteinander kommuniziert.

Amtsanwältin Schmid war sich daher sicher, dass sich die Angeklagte des gewerbsmäßigen Diebstahls schuldig gemacht hatte – wenn auch nur in den Fällen, in denen Waren offenkundig für sie bestimmt gewesen seien. Sie sei aber des gewerbsmäßigen Diebstahls in neun Fällen überführt, hinzu käme gemeinschaftlicher Diebstahl und Beihilfe zum gewerbsmäßigen Diebstahl.

„Man hat gesehen, dass die drei Menschen in Metzingen zusammen agiert haben. Es gibt Tatbeiträge von allen drei Personen“, betonte Schmid. Hierfür forderte die Amtsanwältin in ihrem Plädoyer eine einjährige Haftstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, sowie das Ableisten von 100 Arbeitsstunden. Dem 35-jährigen Mann hätte sich dagegen nur in einem Fall ein gemeinschaftlicher Diebstahl nachweisen lassen, sowie die Beihilfe zum Diebstahl in weiteren Fällen. Für den 35-Jährigen forderte die Amtsanwältin eine Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen à 15 Euro.

Rechtsanwalt Achim Unde erinnerte dagegen an ein „beeindruckendes Geständnis“ seiner Mandantin, die sichtbar den Eindruck hinterlassen habe, einen Schlussstrich ziehen zu wollen. Auch die Gewerbsmäßigkeit der Diebstähle sah der Verteidiger nicht als gegeben an: „Alle Diebstähle geschahen an einem Tag – es war ein singuläres Ereignis und nicht ihre Idee.“ Eine Geldstrafe sei daher ausreichend, zumal den bestohlenen Unternehmen kein Schaden entstanden sei. Rechtsanwalt Ralf Stierlen forderte für seinen Mandaten ebenfalls nur eine Geldstrafe – „unterhalb des Antrags der Staatsanwaltschaft“. Sein Mandant sei in die Diebstähle „hineingezogen worden“.

Das Urteil

Richterin Dr. Katja Rieger folgte in ihrem Urteil hauptsächlich der Argumentation der beiden Verteidiger und verurteilte die Angeklagte wegen einfachen Diebstahls und Beihilfe zu einer Geldstrafe in Höhe von 180 Tagessätzen à 15 Euro. Der 35-Jährige wurde mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 15 Euro bedacht. Richterin Rieger verwies in ihrer Urteilsbegründung unter anderem auch auf die Tatsache, dass sich die Angeklagten in den vergangenen beiden Jahren nichts mehr hätten zu Schulden kommen lassen. „Ich nehme ihnen ab, dass das eine einmalige Sache war“, erklärte die Richterin den Angeklagten.