Tafel Konzept hat sich bewährt

© Foto: Thomas Kiehl
EVA FOCHT-RABEL 06.03.2015
In einem historisch interessanten Gebäude wird seit neun Jahren hervorragende soziale Arbeit geleistet: Im Milchhäusle sind Kinderschutzbund, Tafelladen und Kleiderstube untergebracht.

Seit neun Jahren gibt es den Tafelladen und den Kleiderladen unter einem gemeinsamen Dach, nämlich dem Milchhäusle in der Friedrichstraße. Weil im nächsten Jahr der zehnjährige Nutzungsvertrag mit der Stadtverwaltung ausläuft, lud am Donnerstag Susanne Bauer von der Diakonischen Beratungsstelle – dem Träger der beiden Institutionen – den Gemeinderat und die Verwaltung zu einem Vor-Ort-Termin. Sie wollte die Notwendigkeit der Einrichtungen demon-strieren und gleichzeitig zeigen, dass man darauf angewiesen ist, weiterhin mietfrei (Nebenkosten ausgenommen) logieren zu können. „Wir wollen nicht klagen oder jammern, nur zeigen, was hier so läuft“, sagte sie dem Gremium.

Und es läuft viel bei der Metzinger Tafel und dem Kleiderladen, wobei außer Susanne Bauer alle Mitarbeiter ehrenamtlich am Werk sind. Das hatte schon bei der Auswahl und der Renovierung der Räumlichkeiten begonnen, wobei Michael Handel schon vor fast einem Jahrzehnt viel Weitsicht bewiesen hatte. Denn die Räume erwiesen sich als optimal, durch die gekachelten Wände auch von den Hygienevorschriften her. Zudem bieten sie Platz für das Kinderkörble des Kinderschutzbundes.

Insgesamt, so berichtete Hans-Dieter Schwarzmann, sind bei der Tafel 65 Ehrenamtliche im Einsatz – viele schon seit vielen Jahren. Wobei die Fahrer, insgesamt 25 Personen, inzwischen weite Strecken zurücklegen, denn sie sammeln die Spenden nicht nur im Raum Metzingen ein, sondern auch in Heroldstatt, im Aichtal, in Reutlingen oder in Bondorf bei Böblingen. Die weiten Fahrten sind notwendig geworden, weil die Supermärkte so knapp kalkulieren, dass kaum etwas abgegeben werden kann, oder die Ware selbst sehr günstig abgeben. Gefahren zu den Lieferanten wird jeden Tag, zwei Mal die Woche sogar in zwei Teams.

Was eigentlich fehlt, ist eine zweite Kasse. „Aber dafür haben wir keinen Platz, deshalb gibt es schon mal Warteschlangen“, so Schwarzmann.

Natürlich wird nie all das Benötigte gespendet, es fehlen beispielsweise sogenannte Dauerwaren wie Schokolade, Nudeln, Mehl, Hygieneartikel oder Reis. Da ist das gesamte Team begeistert, wenn Firmen oder Vereine spenden und sich natürlich vorher mit dem Tafelladen über die Einzelheiten absprechen.

Im Übrigen kann man im Tafelladen nur einkaufen, wenn man eine Kundenkarte hat, und die wird regelmäßig überprüft. Diese Karte hatten im vergangenen Jahr 225 Menschen, die damit 246 Erwachsene und 241 Kinder versorgten. „Erschreckend“, bezeichnet Susanne Bauer dabei den Umstand, dass 33 Kunden seit der ersten Stunde dabei sind. Im vergangenen Jahr wurden 79 neue Karten ausgegeben, kürzlich sind fast 50 Flüchtlinge dazugekommen.

Im Gegensatz zur Tafel benötigt man für den Kleiderladen keine Kundenkarte, wie Elisabeth Laistner-Töpert – wie Hans-Dieter Schwarzmann von Anfang an dabei – berichtet. 5329 Käufer kamen vergangenes Jahr in den Laden, viele davon sind regelmäßige Kunden. Sie kaufen nicht nur ein, sondern genießen auch das Gespräch mit den Mitarbeitern, sozusagen als „Begegnungstreff“. 3341 Personen haben Ware gespendet, und die stammen nicht nur aus Metzingen, sondern kommen auch von auswärts. Geöffnet war 2014 an 139 Tagen – weil im Sommer nicht so viel los ist, wird da in den Ferien drei Wochen lang geschlossen.

„Über Mundpropaganda finden wir gelegentlich neue Mitarbeiter. Insgesamt hat sich das Konzept bewährt. Vor allem auch, weil Kleider- und Tafelladen getrennte Öffnungszeiten haben“, sagt Elisabeth Laister-Töpert.

Angesprochen wurde auch der Hagelschaden, unter dem vor allem der Tafelladen schwer zu leiden hatte, nachdem Starkregen schon früher die Räume gelegentlich unter Wasser setzte. Sechs Wochen musste geschlossen werden, erzählt das Organisations-Team, und man freute sich sehr, dass alles in so kurzer Zeit wieder in Ordnung gebracht werden konnte.

Info
Der Kleiderladen, bei dem jeder einkaufen kann, hat Montag 9 bis 12 Uhr, Dienstag 14 bis 17 Uhr und Donnerstag 14 bis 18 Uhr im Milchhäusle geöffnet.