KOMMENTAR: Nicht abdrängen

CAROLA EISSLER 15.06.2013

Um es vorweg zu nehmen: Die Entscheidung, Asylsuchenden nicht am Ortsrand, sondern mitten in der Kommune eine Bleibe zu geben, ist richtig. Bürgermeister und Gemeinderäte haben zwar nicht die Entscheidungshoheit in dieser Sache, denn die Zuweisung der Flüchtlinge wird vom Landkreis angeordnet. Gleichwohl stehen Verwaltung und kommunales Gremium hinter dem Ansinnen, Menschen nicht abzudrängen und sie abseits jeglicher Möglichkeit sozialer Kontakte in Industriegebiete zu verbannen. Es geht um zirka 30 Asylsuchende, und Bürgermeister Michael Hillert hofft darauf, dass möglichst Familien den Dettingern zugewiesen werden. Die Kirche hat sich inzwischen als Kooperationspartner für die Integrationsarbeit angeboten und ihre Hilfe zugesagt.

Eine ganz andere Frage ist, ob sich der Festplatz als Standort für Wohncontainer eignet. In Dettingen kochen die Emotionen hoch, weil Kritiker um die Sicherheit im Ort fürchten und die Nähe zu Kindergarten und Schule als denkbar schlecht betrachten. Dies mag nachvollziehbar sein, jedoch führen Vorurteile nicht weiter. Freilich hätte der Landkreis vorab informieren müssen. Und die Dettinger Verwaltung hätte gut daran getan, die Bevölkerung auf die Ankunft der Asylsuchenden vorzubereiten. Auch wenn man bis Mitte dieser Woche noch keinen offiziellen Zuweisungstermin hatte. Dies mögen Versäumnisse sein, die allerdings eine derartige Aufregung kaum rechtfertigen. Geschweige denn die Horrorszenarien, die von manchen jetzt schon gezeichnet werden, bevor überhaupt ein einziger Asylsuchender in der Gemeinde angekommen ist.

Bürgermeister Michael Hillert gebührt Respekt dafür, dass er eine unbequeme Meinung in der Öffentlichkeit vertritt und sich der harschen Kritik, die ihn jetzt trifft, stellt. Dies tut er aus gutem Grund. Denn er weiß, dass ein gutes Miteinander von Einheimischen und Neuankömmlingen sowie eine gelingende Integration letztlich dem Wohl der gesamten Gemeinde dient.