Beinahe hätten die Gemeinde Kohlberg, der Sportverein und der CVJM das Kapitel Kunstrasenplatz ganz zuschlagen müssen. Das lässt jedenfalls Rainer Taigel, Bürgermeister in der Jusigemeinde, durchblicken. „Zwischendrin hätte ich nicht mehr darauf gewettet, dass das Projekt noch wahr wird“, urteilte er jetzt – allerdings anlässlich eines guten Tages für alle Sportfans in Kohlberg: Der viel diskutierte Kunstrasen kommt nämlich doch. Kürzlich haben die Verantwortlichen den Spaten in die Erde gestochen. Und so wie es aussieht, könnten die Kohlberger auch die ersten Bauherren in der näheren Umgebung sein, die einen Kunstrasen ohne die umstrittene Mikroplastik schaffen.

Das Gerichtsverfahren läuft noch

„Da haben wir nochmal Glück im Unglück gehabt“, bilanzierte gestern der stellvertretende Bürgermeister und Gemeinderat Stefan Ade. Denn hätte es vor drei Jahren gleich geklappt mit dem Bau des neuen Kohlberger Sportplatzes – dann wäre die verteufelte Plastik sicher schon im Boden. So haben die Gemeindevorderen zwar aktuell ein Gerichtsverfahren am Laufen, Räte und Sportler kräftezehrende Sitzungen hinter sich – aber es reicht noch für eine umweltfreundliche Korrektur: „Derzeit prüfen wir Varianten mit einer leichten Sandfüllung oder Kork als Material auf dem Kunstrasen“, erklärt der Bürgermeister.

Kork statt Mikroplastik

Der Kohlberger Gemeinderat muss dieser Planänderung in seiner nächsten Sitzung zwar noch zustimmen, aber die Zeichen stehen gut, urteilt auch Taigels Vize Stefan Ade. Um einen mit Kork versehenen Platz zu besichtigen, reiste eine Abordnung des TSV kürzlich eigens nach Landau in die Pfalz.

„Die ersten Rückmeldungen der Sportler und anderer Betreiber der korkverfüllten Plätze sind positiv“, erklären die Kommunalpolitiker unisono.

Vergangene Woche sind die Bagger angerückt

Wenn also alles glatt geht, könnte die unendliche Geschichte um den Kohlberger Kunstrasenplatz doch noch zu einem guten Finale finden. Vergangene Woche ist der Bagger angerückt. Die Herstellung eines tragfähigen Unterbaus für den Platz hat begonnen.

Laut Zeitplan kann im Oktober der Kunstrasen verlegt werden, der alte Kohlberger Hartplatz also endlich zum Kunstrasen werden. Vorgehabt hatte die Gemeinde dies ja bereits im Jahr 2015, aber dann machten (vermutlich) Planungsfehler den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung (wir berichteten mehrfach).

Tragfähigkeit des Untergrunds wurde in Frage gestellt

Bei der Feinreinigung des Hartplatzes entstanden Druckstellen und Schäden, so dass die Tragfähigkeit des Untergrundes überhaupt in Frage gestellt werden musste. Wer genau für den Schaden verantwortlich ist, ist bis heute unklar: Die Gerichte sind noch bemüht. Zum laufenden Verfahren gibt die Verwaltung keine Auskunft.

Gleich mehrere gerichtliche Gutachten

Fakt ist: In mehreren gerichtlichen Gutachten wurde schließlich festgestellt, dass der Grund des Platzes nicht stabil genug ist, so Taigel weiter. Doch der Bau eines Sportplatzes nach den geltenden Vorschriften erforderte eine ganz neue Konzeption – und vor allem mehr Geld. Gemeinderat und Planer suchten nach Einsparmöglichkeiten und Zuschussquellen, dennoch schien das Projekt fast unmöglich: Die neue, verkleinerte Ausführung des Platzes kostet die Kohlberger nun rund 670 000 Euro – mehr als das Doppelte als in der alten Planung vorgesehen.

Ursprünglich sollte der Platz 300 000 Euro kosten

Ursprünglich waren die Bauherren von etwa 300 000 Euro ausgegangen, denn der Kunstrasen wäre lediglich auf dem bestehenden Asphaltunterbau des Hartplatzes verlegt worden. Möglich ist das neue Projekt nun unter anderem, weil die Kohlberger zusammenstanden. Eine Spendenaktion des TSV (die Fußballer kicken im Winter behelfsweise in Neuffen) brachte allein 55 000 Euro zusammen. Dazu bieten sämtliche Vereine Eigenleistungen an, unter anderem der CVJM, der den neuen Platz ebenfalls nutzen wird.

Es gibt auch Zuschüsse

Die bereits bewilligten Zuschüsse der Sportstättenbauförderung und die Leistungen aus dem Ausgleichstock in Höhe von zusammen 150 000 Euro wurden verlängert und stehen bereit, weiß Kohlbergs Kämmerin Sylvia Zagst. Dennoch stelle die Investition einen enormen Kraftakt für die Gemeinde dar, betont Bürgermeister Rainer Taigel. Nun hoffen er und die TSV-Vorsitzende Dagmar Euchner, dass der Kunstrasenplatz noch in diesem Jahr eingeweiht werden kann.

Mikroplastik und Kunstrasenplätze: Durch den Wind in die Umwelt 


Als Mikroplastik werden feste und unlösliche synthetische Polymere - also Kunststoffe - bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind.

Teilweise sind die Plastikteilchen so klein, dass sie für Menschen nicht mehr zu sehen sind und unbemerkt eingeatmet werden. Tiere, insbesondere Fische, fressen Mikroplastik häufig, weil sie das Material mit Nahrung verwechseln.

Außerdem verrottet Plastik nicht in der Natur. Experten gehen davon aus, dass es über 500 Jahre bestehen kann.

Das Problem der Kunstrasenplätze liegt nach Analysen der Fachleute weniger in den Plastikgrashalmen, sondern vielmehr im Kunststoffgranulat, mit dem der Rasen aufgefüllt wird.

Diese Füllung hat eine ähnliche Funktion wie Erde auf natürlichen Plätzen, sie dämpft und soll die Spieler vor Verletzungen schützen.Auf jedem Quadratmeter landen im Schnitt fünf Kilo Gummigranulat - auf einem ganzen Fußballplatz liegen umgerechnet etwa 35 Tonnen.

Vom Platz geraten die Körnchen durch Wind und Wetter in die Umwelt. Außerdem bleiben viele der kleinen Plastikstücke an der Kleidung der Spieler haften und gelangen nach dem Waschen ins Grundwasser.