Neckartenzlingen Knackpunkte sind die Biotope

Die Mehrheit des Gemeinderats möchte prüfen lassen wie der Bauhof verbessert werden kann.
Die Mehrheit des Gemeinderats möchte prüfen lassen wie der Bauhof verbessert werden kann. © Foto: Thomas Kiehl
Peter Swoboda 24.01.2019

Im vergangenen Jahr hatte der Neckartenzlinger Gemeinderat die Aufstellung eines Bebauungsplans für einen neuen Bauhof bei der Kläranlage an der B 297 beschlossen. In der jüngsten Sitzung des Gremiums am Dienstag hat nun Rainer Metzger vom Nürtinger Ingenieur-Büro Melber & Metzger erläutert, dass das Bauhof-Projekt an diesem Standort nicht so einfach zu verwirklichen sei.

Einer der Knackpunkte ist demnach der gesetzlich einzuhaltende Abstand von 20 Metern zur Bundesstraße. Dies schränke die bauliche Nutzung stark ein. Eine weitere Hürde stellen die Bedenken des Naturschutzes dar. In dem in Frage kommenden Gebiet gibt es wertvolle Biotope. Um zu klären, ob eine Befreiung für einen Eingriff in die Biotope möglich ist, sind laut Metzger vertiefende Untersuchungen zur Beschaffenheit der Biotope und zum Artenschutz erforderlich.

Als Ausgleich

Darüber hinaus muss eine Planung für einen Ausgleich erstellt werden. Üblicherweise muss in einem solchen Fall als Ausgleich ein vergleichbares, gewässerbegleitendes Biotop erstellt werden. All dies treibt selbstredend die Planungskosten in die Höhe. „Wir sehen große Schwierigkeiten“, so Metzger, „an diesem Standort einen Bauhof zu verwirklichen.“ Er schlug deshalb vor zu prüfen, ob man am bestehenden Bauhof-Standort, am Ortseingang von Pliezhausen herkommend, etwas zur Verbesserung tun kann.

Dies könne relativ kurzfristig realisiert werden. In dem Zustand belassen wie er derzeit ist, könne man den Bauhof laut Bürgermeisterin Melanie Braun jedenfalls nicht. „Wir haben schließlich auch eine Verkehrssicherheitspflicht gegenüber den Mitarbeitern dort“, so die Verwaltungschefin.

CDU-Gemeinderat Johannes Wittrock wollte freilich am Standort bei der Kläranlage festhalten. Der jetzige Standort sei zu wertvoll, „den könnte man sinnvoller nutzen“. Man könne auch prüfen, ob man sich in Sachen Bauhof mit anderen Gemeinden zusammenzuschließen kann. Doch für diesen Vorschlag sieht Bürgermeisterin Braun keine Chance auf Verwirklichung. FBL-Gemeinderat Gerd Lohrmann steht ebenfalls auf dem Standpunkt, dass man den bestehenden Standort für etwas anderes nutzen könnte, sieht jedoch bei der Kläranlage „ganz dicke Bretter, die zu bohren“ wären. Und für Walburga Duong von der Grünen Liste würde das Bebauungsplanverfahren am Standort Kläranlage zu lange dauern.

Rainer Metzger wies noch darauf hin, dass man auf dem Areal, wenn es dann so weit wäre, auch eine Baugrunduntersuchung machen müsste, wegen der Gründung des neuen Gebäudes. Dies rief wiederum FBL-Gemeinderat Jürgen Schöllhammer auf den Plan: „Wenn wir dort eine Baugrunduntersuchung machen, werden wir unser blaues Wunder erleben. Dort wurden über Jahrzehnte Grünschnitt und Schotter eingelagert.“

Ganz ohne Veränderungen geht es freilich auch auf dem bestehenden Bauhof-Areal nicht. Um heutige Anforderungen erfüllen zu können, ist eine Überschreitung der Baugrenze in nördlicher Richtung erforderlich. Zudem müsse die Hochwasssergefahr gebannt werden. Bei einem Jahrhunderthochwasser (HQ 100) würde das Grundstück überflutet. Für eine zusätzliche Bebauung ist ein Rückhalteraumausgleich notwendig. Wenn die Maßnahmen zum Hochwasserschutz am Neckar umgesetzt sind, ist der Standort geschützt.

Schließlich stimmte eine deutliche Mehrheit des Gremiums dafür, den Standort bei der Kläranlage vorerst nicht weiter zu untersuchen. Gleichzeitig wurde die Verwaltung damit beauftragt, die notwendigen Schritte für eine planerische Umsetzung am bestehenden Standort zu veranlassen.

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Räte stimmten für den Verwaltungsvorschlag, den Standort des neuen Bauhofs an der Kläranlage vorerst nicht weiter zu verfolgen. Drei votierten mit Nein bei einer Enthaltung.

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