Würtingen Kleinkunst freihand

Würtingen / ANNE LEIPOLD 07.11.2015
Monika Majohr arbeitet ohne Schablone und ohne Lupe. Sie malt kleine feine Bilder nicht auf Leinwand, sondern auf Fingernägel. Ihre Bilder werden jetzt auf der ersten Nailartvernissage in Hanau ausgestellt.

Lang, spitz und gruselig in Szene gesetzt sind die Fingernägel von Monika Majohr. Auf schwarzem Gel heben sich Äste, Hexe, Sarg und Geist gespenstisch ab, passend für die Halloween-Party. Was es dafür braucht? Eine UV-Lampe, Gel, Pinsel, Feile, dazu viel Zeit und Geduld, vor allem aber eine ruhige Hand, Genauigkeit und Kreativität. "Es ist wirklich viel möglich", sagt Majohr. Mal sind ihre Nägel kurz, mal lang, mal gerade, mal spitz. "Bei mir ist manchmal alles kunterbunt drauf." Eine Kostprobe möglicher Motive: ein Sonnenuntergang, ein Weihnachtsmann, ein Segelschiff, ein Dirndl. Das wiederum entlockt so manch zufälligem Betrachter ein "Wow" oder "echt cool", sagt die 27-Jährige mit einem Lachen.

Auf solche Reaktionen kann sie sicherlich auch bei den Betrachtern hoffen, die sich ihre kleinen Kunstwerke in Hanau anschauen werden. Da findet nämlich die erste Nailartvernissage statt, ausgerichtet von "Glööckler by Unguis Arts". "Es ist die erste, und zu sagen, da bin ich dabei, ist genial." Zumal Modeschöpfer Harald Glööckler anwesend sein wird. Ihn persönlich zu treffen und zu sehen, wie er wirklich ist, darauf freut sie sich. Und so hat sie für die Vernissage teils bis in die Nacht gesessen, bis sie mit dem zufrieden war, was sie auf den so genannten Tips für künstliche Fingernägel entworfen hat. Ohne Schablone und ohne Lupe malt sie mit einem speziellen Pinsel und farbigem Gel. "Als Nageldesigner muss man seine eigenen Pinsel zuschneiden, da ist selbst die Stärke null zu dick". Deshalb zückt sie das Messer und bearbeitet den Pinsel, bis nur noch zwei bis drei Härchen übrig sind. So hat sie einen Barockrahmen mit knapp über 100 Tips bestückt. Die Motive aber sind geheim.

Sich im August für die Vernissage anzumelden, war für Majohr derweil nicht selbstverständlich. Dazu ermutigt hat sie die Kursleiterin eines "One Stroke"-Kurses - mit dieser Technik entstehen etwa Blüten. "Sie machte mir Mut und sagte, du schaffst das." Also hat sie es gewagt und sich so intensiv mit den Kunstwerken auf Fingernägeln auseinandergesetzt. "Ich habe es einfach probiert, und es ging eigentlich ganz gut." Nur wenige Tips seien im Müll gelandet. Und trotz der schieren Masse an Tips, sind ihr die Ideen nicht ausgegangen. "Im Gegenteil, mir ist immer noch mehr eingefallen, Ideen hatte ich genug", sagt Majohr. "Ohne Kreativität funktioniert es nicht, klar guckt man auch mal im Internet", sagt sie. Vieles aber sieht sie im Alltag. Gefällt ihr ein Motiv, dann fotografiert sie es und setzt es um. Und wenn ihr Ideen kommen, dann nachts. Diese behält sie dann auch, bis sie sie am nächsten Tag umgesetzt hat. Mitte Oktober hat sie schließlich den Rahmen gut gepolstert mit dem Gedanken "Komm bloß heil an" per Post abgeschickt.

Gemalt habe sie schon immer viel, erzählt Majohr. An Gelnägeln habe sie vor einem Jahrzehnt gefallen gefunden und trägt sie seither. "Ich fand es toll, was man so alles machen kann, was alles auf so einen kleinen Nagel passt." Beides hat sie in Einklang gebracht. "Seit Jahren habe ich die Idee gehabt und irgendwann in Angriff genommen", erzählt sie. Über viele Kurse hat sie sich zur Nageldesignerin qualifiziert. Dabei lernte sie zum Beispiel Nageltypen zu analysieren, wie mit Gel gearbeitet wird, wie sie mit einer Fräse umgeht. Im vergangenen Jahr machte sie sich selbstständig mit ihrem Nagelstudio Nailstar mobiles. Hauptsächlich macht sie die klassische Maniküre im French-Design, neutral oder in Farbe. Im Sommer meist knallig und fröhlich, im Herbst sind es Grau- und Brauntöne. Es kommen aber auch mal Glitzer, Blümchen oder ein kleiner Vogel als Verzierung hinzu. Aufwendigere Bilder werden nicht so häufig nachgefragt, sagt sie. Manchmal aber dann doch: zum Beispiel Kater Tom aus "Tom und Jerry" oder zur Geburt ein Schnuller samt Name. Immerhin ist die Arbeit auch aufwendig. Pro Nagel braucht es zwischen 15 Minuten und einer halben Stunde. Zuerst muss der Nagel mit Gel aufgebaut werden. Und wenn nicht mit Acryl gemalt wird, sondern mit farbigem Gel, muss dieses zwischendrin immer wieder unter der UV-Lampe ausgehärtet werden. Fehler kann sich Majohr da keine erlauben.

Aber sie mag eben die Herausforderung, immer mal wieder was Neues auszuprobieren. Porträts wären zum Beispiel eine solche. Bevor sie sich aber damit befasst, gilt es noch eine Frage zu klären: Was für Kunstwerke zieren ihre Fingernägel während der Vernissage am 29. November? Monika Majohr ist zuversichtlich. "Da fällt mir bestimmt was ein."

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