Hülben Kleine Tiger wecken Emotionen

Der Gemeinderat hat entschieden: Die Tiger-Gruppe zieht unters Dach des Kindergartens. Foto: Archiv/Thomas Kiehl
Der Gemeinderat hat entschieden: Die Tiger-Gruppe zieht unters Dach des Kindergartens. Foto: Archiv/Thomas Kiehl
REGINE LOTTERER 19.12.2013
Emotional und kontrovers wie selten hat der Hülbener Gemeinderat über den Umbau des Kindergartens diskutiert. Am Ende gab es eine knappe Mehrheit für den Vorschlag der Verwaltung.

Nach dem Ende einer denkwürdigen Debatte im Gemeinderat stand am Dienstagabend das Bekenntnis des Bürgermeisters, ihm falle ein Stein vom Herzen. Begleitet wurde seine Aussage vom kräftigen Applaus der Erzieherinnen des Kindergartens, die die Ratsdebatte auf den Zuhörerrängen des Sitzungssaals verfolgt hatten. Was war geschehen? Der Gemeinderat diskutierte und stritt beinahe zwei Stunden lang über die Frage, ob er eine gute halbe Million Euro investieren will, um eine Tiger-Gruppe im Kindergarten einzurichten sowie gleichzeitig einen Teil des 30 Jahre alten Gebäudes zu sanieren. Schließlich votierten sechs Räte für dieses Konzept, vier dagegen, zwei enthielten sich. Damit steht fest: Das Dachgeschoss wird ausgebaut und energetisch saniert, ab September 2014 ist dort eine so genannte Tiger-Gruppe für Kinder ab einem Jahr untergebracht. Mit dieser Neuerung reagiert die Gemeinde auf den Rechtsanspruch, den Eltern seit diesem August besitzen.

Um die Tiger-Gruppe zu schaffen, fallen Kosten von rund 180 000 Euro an, wie Bürgermeister Siegmund Ganser während der Ratssitzung ausführte. Tatsächlich investiert die Gemeinde aber im Zuge der Bauarbeiten 534 000 Euro. In der Summe enthalten ist ein verbesserter Brandschutz, den der Gesetzgeber verlangt, sowie Investitionen, die dem Erhalt beziehungsweise der Sanierung des Gebäudes dienen. Angesichts der hohen Kosten hatte der Gemeinderat im September Architektin Antje Landgraf beauftragt, verschiedene Alternativen zu prüfen. Das Ergebnis präsentierte sie am Dienstag im Rat. Keine der fünf untersuchten Varianten käme nach diesen Berechnungen wesentlich billiger als der Einzug der Tiger ins Dachgeschoss. Die Hoffnung, es genüge, den Kindergartenbetrieb anders als bislang zu organisieren, zerschlug sich schnell, weil der Platz fehlt.

Ein Anbau respektive ein Neubau im Garten brächte zwar räumliche Entspannung, schlüge aber jeweils mit einer halben Million Euro zu Buche. Billiger käme es, für die Tiger-Gruppe Container aufzustellen, für deren Erwerb die Gemeinde 250 000 Euro bezahlen müsste. Die Kleinkinder in der Schule unterzubringen, zöge Kosten von gut 300 000 Euro nach sich. Nachteil aller dieser Varianten: Ins alte Kindergartengebäude wäre noch kein Euro investiert, allerdings müsste die Kommune mindestens weitere 105 000 Euro ins Dach und 80 000 Euro in den Brandschutz stecken.

Aus diesem Grund plädierte Bürgermeister Ganser nachdrücklich dafür, mit den Tigern ins Dachgeschoss des Kindergartens zu ziehen: "Ich warne davor, einen anderen als den vorgeschlagenen Weg zu gehen, wir haben keine Alternative."

Ein erheblicher Teil seiner Gemeinderäte kam allerdings zu einem anderen Schluss, wie die Debatte zeigte, die von Jochen Dümmel eröffnet wurde. Er sprach sich mit Nachdruck gegen die Tiger-Gruppe unterm Dach aus. Einerseits sind ihm die Kosten zu hoch, andererseits hält er es für schwierig, den Alltag in der Kleinkindergruppe zu organisieren, wenn Erzieherinnen und Schützlinge viele Treppen zu überwinden haben, um ins Freie zu gelangen. Stattdessen solle die Gemeinde für eine begrenzte Zeit eine Wohnung für die Tiger anmieten. Dadurch gewinne die Kommune Zeit, um etwa die Entwicklung der Schülerzahlen zu beobachten.

Stefan Kuder stellte den Antrag, die Gemeinde möge die Kosten für einen Neubau ermitteln. Ihn überzeuge keine der vorgelegten Varianten, außerdem sei die Kommune dabei, Geld in ein immerhin 30 Jahre altes Gebäude zu stecken. Und hier bleibe es nicht bei den nun veranschlagten 534 000 Euro, weil zumindest noch Fenster, Türen und Heizung zur Sanierung anstünden. Wenn er diese Gewerke mit einrechne, komme er schon auf rund 700 000 Euro Investitionskosten.

Ein Neubau, gab Bürgermeister Ganser zu bedenken, verschlinge mindestens zwei bis drei Millionen Euro. Außerdem verlöre die Kommune wichtige Zeit, wenn sie die Architektin nun mit einem Kostenermittlungsauftrag nach Hause schicke. Mit der Tiger-Eröffnung im September werde es dann nichts. Sollte sich der Rat gleichwohl für einen Neubau aussprechen, bleibe die Frage, wo die Kindergartenkinder während der Bauzeit unterkämen.

Angesichts der kontroversen Debatte stellte Christine Haible den Antrag, die Abstimmung zu verschieben: "Jede Variante hat einen Haken." Deshalb falle es ihr schwer, sich zu entscheiden und das, obwohl das Gremium seit langem über das Thema berate. Für die Vertagung stimmten fünf Räte, fünf waren dagegen, zwei enthielten sich, womit der Antrag abgelehnt war.

Für die Variante Dachgeschoss machte sich Walter Buck stark: "Das ist nicht die optimale, aber die beste Lösung." In ungewohnter Vehemenz meldete sich auch Gerhard Buck in diesem Sinne zu Wort. "Wir haben doch bereits einen Bauantrag für die Tiger-Gruppe unterm Dach gestellt", betonte er, der zwischenzeitlich genehmigt sei. Jetzt zurück an den Anfang zu gehen, sei aus seiner Sicht überzogen: "Ich rege mich allmählich auf." Auch der Abbruch des alten Kindergartens für einen Neubau komme für ihn keinesfalls in Frage: "Ich lasse mich in Hülben doch nicht steinigen, wenn ich durch den Flecken laufe."

Neuer Außenbereich für den Kindergarten