Jahreslosung Kirchenlied mit 15 000 Aufrufen

Hans-Joachim Eißler hat an der Quelle des Lebens mitgewirkt.
Hans-Joachim Eißler hat an der Quelle des Lebens mitgewirkt. © Foto: Peter Kiedaisch
Metzingen / Von Peter Kiedaisch 03.01.2018

Es gibt einfachere Aufgaben im Leben eines Komponisten, als aus der Jahreslosung 2018 ein Lied zu komponieren, das auf die Zuhörer so unwiderstehlich wirkt, dass sie sofort mitsingen möchten. Die Jahreslosung lautet nämlich „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Dieses „umsonst“ ist es, das den Metzinger Hans-Joachim Eißler lange beschäftigt hat. Er ist Musikreferent beim Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (EJW) und hatte zusammen mit Pfarrer Gottfried Heinzmann die Aufgabe, aus diesen Worten der Offenbarung ein Lied zu komponieren und einen passenden Text dazu zu formulieren. Doch so prosaisch sich die Worte zunächst zu wahrhafter Dichtkunst fügen, die dem Durstigen die Quelle des lebendigen Wassers in Aussicht stellt, so abrupt kommt dieser Nachklapp „umsonst“.  Tja, sagt Hans-Joachim Eißler, „die Jahreslosung ist etwas sperrig.“

Also haben er und sein Kollege an dem Satz gefeilt. „Es geht um die Sehnsucht nach Leben, die in uns allen steckt“, sagt Eißler und zitiert aus seinem Lied „Quelle des Lebens“ den Satz, der in abgewandelter Form im Refrain auftaucht: „Ewiger Gott, Quelle des Lebens, auf meinen Wegen suche ich dich.“ Das ist für Musikhörer durchaus kompatibler, wenngleich das Attribut „umsonst“ im Zusammenhang mit lebenspendendem Wasser durchaus von politischer Strahlkraft wäre, so lange es Großkonzerne wie Nestlé gibt, die in den Armenhäusern dieser Welt Trinkwasserrechte erwerben und das Wasser abgefüllt in Flaschen gewinnbringend verkaufen.

Doch darum geht es im „Quell des Lebens“ nicht. Das Stück soll eine Brücke schlagen zwischen dem klassischen Liedgut und modernen Popsongs, die auch junge Kirchgänger ansprechen. „Das kommt mir zugute“, sagt Hans-Joachim Eißler. Er ist studierter Kirchenmusiker, einer seiner Schwerpunkte war Popularmusik. In der regional bekannten Band Ararat war er viele Jahre Keyboarder, bis zur Auflösung der Gruppe im Jahr 2011. In den 90er Jahren hatte die Band pro Jahr bis zu 60 Auftritte. Er erinnert sich gerne an jene Zeit: „Wenn wir an einer neuen CD gearbeitet haben, wussten wir, es gibt so und so viele Leute, die sich auf das neue Material freuen.“

Und wenn das Lied zur Jahreslosung auch so gut ankommt, wenn es leicht singbar und doch nicht vorhersehbar ist, wenn es keine rhythmischen Klippen zu umschiffen gilt und es zwar schlich gehalten, aber doch pfiffig ist, dann ist das Werk gelungen. Wie es scheint, haben Hans-Joachim Eißler und Gottfried Heinzmann alles richtig gemacht.  Von ihrem Lied existiert ein Video, das auf Youtube bereits 15 000 Mal angeklickt wurde. Aufgenommen wurde das stimmungsvolle und professionell gefilmte und geschnittene Filmchen in der Dettinger Stiftskirche. Das war für den Komponisten Eißler ein Heimspiel. Bei dem EJW ist er nur zu 50 Prozent beschäftigt, 35 Prozent seiner Arbeitszeit ist er in Dettingen Kirchenmusiker. Die restlichen 15 Prozent arbeitet er freiberuflich. Als Arrangeur beispielsweise oder als Pianist beim Laki Pop-Chor. All sein berufliches Leben also hat mit Musik zu tun. Und mit Kirche. Das Lied darf übrigens kostenlos heruntergeladen werden mit sämtlichen Begleitmaterialien wie dem Text, je einem Chor-, Klavier-, und Bläsersatz, Gedanken zum Lied und dergleichen mehr.

Das Video zum Lied

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