Die Eltern vom Kindergarten Weiherstraße sind unzufrieden und aufgebracht: „Es gibt viele Probleme mit dem Personal, Kündigungen und es geht das Gerücht um, dass ein weiterer Container für 30 bis 40 Kinder aufgestellt werden solle“, sagte Elternbeirätin Kerstin Kunder in der Einwohnerfragestunde der Gemeinderatssitzung. Sie wollte nun endlich Antworten, ob die Gerüchte wahr seien und ob weitere Kündigungen sowie weitere Einschnitte in den Öffnungszeiten zu befürchten seien. In den Gruppen des Regelkindergartens Weiherstraße musste die Nachmittagsbetreuung gestrichen werden, weil Personal fehlt.

Plan wird im Februar vorgestellt

Bürgermeister Tobias Pokrop verwies auf die nächste Gemeinderatssitzung,  in der werde der Kinderbetreuungsplan vorgestellt, zudem müsse er sich an Vorgaben halten. „Zuerst muss die Verwaltung Sachverhalte aufarbeiten, dann den Gemeinderat informieren und mit ihm beraten, dann werden die Elternbeiräte informiert und dann die Eltern.“ Vor allem könne er keine Personalangelegenheiten wie Kündigungen in  öffentlicher Sitzung bekanntgeben.

Doch die Elternvertreterin blieb beharrlich, sie wollte weitere Auskünfte. „Es gibt zu wenig Infos und das sorgt für noch mehr Gerüchte“, sagte Kunder. Was Gerüchte betrifft, sei er „relativ schmerzfrei“, erwiderte Pokrop, „ich bin an Fakten interessiert“. Diese müssen erst geschaffen werden: Was die eventuelle Erweiterung des Kindergartens betreffe, suche man einen gangbaren Weg. Erst wenn der gefunden ist, will man die Eltern informieren. Alles andere sorge für Aufruhr. Auch  über den Weggang der Erzieherinnen habe man erst spät informiert, da man zuerst versucht habe, neues Personal zu finden.

Sabrina Hess, ebenfalls Elternbeirätin, sagte in der Sitzung, dass sich „die Ausgangssituation in der Weiherstraße erheblich verändert hat, es gibt immer mehr Kinder und weniger Personal“.  Zudem gebe es Befürchtungen, dass sich die Personalsituation im Kindergarten Weiherstraße noch weiter verschlechtern könne. „Es sind viele Kinder und darunter viele unter Dreijährige, die Erzieherinnen sind am Limit“, so Kunder. Pokrop sieht keinen Zusammenhang zwischen einer steigenden Kinderzahl und den Kündigungen. Größere Einrichtungen seien notwendig, um wirtschaftlicher arbeiten zu können. Außerdem gibt es seit längerem einen steigenden Bedarf, da die Kinderzahlen in der Gemeinde steigen. Auch sei es in der heutigen Arbeitswelt so, dass die Arbeitnehmer öfter die Stelle wechseln und nicht mehr bis zur Rente bei einem Arbeitgeber bleiben.

Mittags zu wenig Kinder

Die Mittagszeiten können erst wieder eingeführt werden, wenn Personal da ist. Allerdings waren die Belegungszahlen hier auch nicht ausreichend. Es gibt Plätze für 56 Kinder, mittags seien aber konstant weniger als zehn Kinder da gewesen. Für die die Gemeinde Personal gebunden hat, das ohnehin rar ist. Wichtig ist der Verwaltung, dass der Morgenblock steht und die Regelbetreuungszeiten gewährleistet sind. Und das tun sie, auch wenn es ein Kraftakt ist, wie Hauptamtsleiter Marcel Straub auf Nachfrage erklärt.

„Ich bestreite nicht, dass die Personalsituation angespannt ist“, sagte Pokrop zu den Elternvertreterinnen. Er würde dies gerne ändern. „Wir tun unser Möglichstes und haben auch den Willen.“ Es gab etliche Stellenausschreibungen und mehrere Bewerbungsverfahren, die allerdings bislang erfolglos waren. Denn: Viele Gemeinden buhlen um die wenigen vorhandenen Fachkräfte. Schlechte Stimmung herrsche dennoch nicht unter den Erzieherinnen, und sie kommen auch nicht auf den Felgen daher, so Pokrop. Kündigungen kommen immer wieder vor, auch an anderen Orten. Über die Gründe könne man öffentlich natürlich nichts sagen, aber auch Marcel Straub betont, es handle sich um eine normale Fluktuation.

Die derzeitigen Einschnitte seien schmerzhaft, sagt Straub, aber die Verwaltung sei bemüht gewesen, dass so wenig Eltern und Kinder wie möglich davon betroffen seien. Nun kann man nur hoffen, dass auf die erneute Ausschreibung viele  Bewerbungen eingehen. „Bringen Sie mir fünf Erzieherinnen“, sagte  Pokrop zu den Elternbeirätinnen, „ich würde alle fünf sofort einstellen.“