Metzingen Kinder können Künstler sein

Die Schüler begrüßen die Gäste im Foyer der Schule.
Die Schüler begrüßen die Gäste im Foyer der Schule.
Metzingen / NATALIE ECKELT 30.01.2012
Im Rahmen einer Projektwoche haben die Schüler der 5a der Schönbein-Realschule im Herbst gemeinsam mit dem Bildhauer HWP Diedenhofen Porträts aus Ton modelliert. Jetzt kann man sie ansehen.

Die 27 Jungs und Mädels aus der 5a der Schönbein-Realschule freuten sich riesig, als sie ihren Lehrern, Eltern und Geschwistern am Donnerstagabend ihre bunten Tonkunstwerke präsentieren durften. Nach einer kurzen Begrüßung in der Aula, eröffneten die Kinder die Ausstellung "Ich und Du", indem sie gemeinsam mit ihren Gästen und einem Glas schwäbischem Apfelsaft auf die Eröffnung ihrer Vernissage anstießen.

Stolz führten sie ihre Besucher daraufhin in die Ausstellung im neuen Gebäudetrakt, wo 27 einfallsreiche Tonporträts auf sie warteten. Wegen der lustigen Gesichtsausdrücke, den vielen Details und der Individualität der einzelnen Köpfe, mussten die großen und kleinen Betrachter lachen und staunen. Da gibt es einen Tonkopf mit braunen Locken, einen mit einer pinkfarbenen Schleife im Haar und wieder einen mit einem Irokesenschnitt und Piercings im Ohr. "Mir war wichtig, dass die Kinder Freude am Gestalten haben, und dass sie merken, dass sie zu etwas fähig sind, was sie sich selbst nie zugetraut hätten", erzählt der Künstler und Bildhauer HWP Diedenhofen, der das viertägige Projekt im Herbst gemeinsam mit der Kunstlehrerin Anja Schurig betreut hat.

So gab der Künstler, der selbst eine Bildhauerschule in Reutlingen leitet, den Kindern Anregungen und machte sie auf Besonderheiten aufmerksam, die sie an sich selbst und an ihren Mitschülern entdecken konnten. "Das Tonen sollte für die Kinder eine Wahrnehmungsschulung sein", erzählt er. "Sie sollten die Gesichtsmerkmale ihres Gegenübers und ihre eigenen ganz genau anschauen und überlegen, wie sieht ein Ohr aus, wie die Nase oder was sind eigentlich Nasenflügel." Entstanden sind dabei Porträts, die den Humor, die Kreativität und auch die Fingerfertigkeit der Kinder zeigen. Die Arbeit mit dem Ton hat der elfjährigen Deborah Spaß gemacht, auch wenn es manchmal gar nicht so einfach war. "Von meinem Kopf sind immer wieder die Ohren abgefallen", erzählt sie. Mit viel Geduld und etwas Wasser hat sie es schließlich hinbekommen. Auch wenn die Kinder beim Modellieren ihre Mitschüler und sich selbst als Anhaltspunkt genommen haben, haben sie im Laufe der Zeit angefangen, zu improvisieren. "Ich wollte meine Nebensitzerin modellieren", erzählt Sofia.

"Aber dann sah der Kopf aus wie ein alter Mann, also habe ich einen Opa draus gemacht." Ihrem eigenen Opa sehe der Tonkopf aber nicht ähnlich, der sei viel hübscher. Bei Liva ist ein Affenporträt entstanden und Kais Tonporträt zeigt einen rot bemalten Zombie. "Er ist blutüberstömt", grinst der ElfJährige. Genannt hat er sein Kunstwerk "Zombie-Friedrich". Anna nannte ihren Kopf "Hannes" und wegen seiner wilden Frisur heißt Katjas Kopf "Sturmi". Am meisten Spaß habe das Anmalen gemacht, so die Kinder, weil die Köpfe dann schön lebendig geworden seien. Nur das Brennen der Tonköpfe hat ihnen nicht gefallen, weil das so lang gedauert habe. Dass sie während ihrer Projektwoche auch noch von einem Kameramann begleitet wurden, fanden die Kinder toll. Den dabei entstandenen Film durften sie und ihre Eltern nun zum ersten Mal im Rahmen der Ausstellung sehen.

Diese außergewöhnliche Projektwoche verdanken die Fünftklässler ihrer Kunstlehrerin Anja Schurig, die sich bei der Stiftung Ravensburger Verlag beworben hat und damit Fördermittel an die Schule geholt hat, mit denen das Projekt finanziert werden konnte. Gelernt haben die Kinder dadurch fürs Leben. "Durch das Modellieren erleben die Kinder, dass sie Dinge gestalten und verändern können", so Diedenhofen. "Das ist auch ein Motto fürs Leben: Ich kann mein Leben gestalten, indem ich ihm eine Form gebe," so der Künstler. Anja Schurig ist mit der Arbeit ihrer Schüler vollauf zufrieden. "Es sind wirklich phantasievolle Unikate entstanden, die man nicht auf Anhieb der Altersstufe der Kinder zuordnen würde", freut sie sich. "Ihr habt das prima gemacht", lobt sie. Auch die Eltern waren von der Ausstellung begeistert. "Es ist toll, wie verschieden die Köpfe alle sind", sagt ein Vater. "Das ist spannend, wenn man sieht, was die Kinder für Potentiale haben", meinte die Mutter einer Schülerin. Die elfjährige Selcan hat Recht, wenn sie sagt: "Kinder können auch Künstler sein."

Info Ausgestellt werden die Tonporträts der 5a noch bis zum 31. Januar 2012 im neuen Gebäudetrakt der Schönbein-Realschule. Wie bei jeder richtigen Vernissage können Besucher auch hier Kalender und Postkarten von den Kunstwerken erwerben.

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