"Es wird keinen Königsweg geben. Für den Heidengraben müssen individuelle Lösungen gefunden werden", erklärte Dr. Jörg Bofinger vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart bei der Präsentation eines neuen Buchbandes zum Standortfaktor "Kelten" auf der Schwäbischen Alb. Mit einer Gesamtfläche von knapp 1700 Hektar ist der Heidengraben im Gemeindedreieck Grabenstetten-Hülben-Erkenbrechtsweiler die größte befestigte Siedlungsanlage der vorrömischen Eiszeit in Mitteleuropa. "Er ist Bestandteil des Biosphärengebiets und Spiegelbild einer jahrtausendealten Besiedlungsgeschichte, die bis heute andauert", erklärte Mit-Autor Dr. Gerd Stegmaier im Bürgersaal in Erkenbrechtsweiler. Stegmaier ist wissenschaftlicher Referent am Erlebnisfeld Heidengraben.

Ob und wie solche monumentalen Funde künftig rekonstruiert und touristisch aufbereitet werden können, darüber wurde bereits in einem Kolloquium mit namhaften Wissenschaftlern deutscher und österreichischer Grabungsfelder vor zwei Jahren in Grabenstetten diskutiert. Elf Autoren, die teils langjährige Erfahrungen in Betrieb, Erhalt, Management und Wirtschaftlichkeit archäologischer Anlagen haben, stellen im Band 72 der Schriftenreihe "Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg" ihre Projekte und Expertisen vor: vom Donnersberg in der Nordpfalz über den Keltenpark am Ringwall von Otzenhausen im Saarland, den Archäologiepark im Altmühltal, die Keltenwelt am Glauberg im Wetteraukreis in Hessen oder die spätkeltische Siedlung am Burgberg in Schwarzenbach in Niederösterreich.

Ein Großteil der Dokumentation mit vielen Bildern und verständlichen Erklärungen ist den Gegebenheiten am Heidengraben auf der Schwäbischen Alb gewidmet. Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit den Möglichkeiten zu virtuellen 3D-Darstellungen. Bereits online ist eine 3D-App mit geführter Tour über den Heidengraben hinweg. Die neue Schrift ist dem 2015 verstorbenen Ausgräber des Tors G am Heidengraben, Jörg Biehl, gewidmet. Die geplante Erschließung des Gebiets über drei von den Ortschaften Grabenstetten, Hülben und Erkenbrechtsweiler ausgehende Wanderungen, eine größere GPS- und Tablet-geführte Tour sowie das geplante Besucherzentrum am Burrenhof soll eine leicht verständliche Synthese verschiedener Präsentationsmöglichkeiten und weniger Feldinstallationen werden. "Besucher und Wanderer müssen mit Informationen ausgestattet und gelenkt werden", erklärte Landesdenkmalpfleger Bofinger, "im Gelände erschließt sich die Geschichte und Struktur der zum Teil monumentalen Grab- und Wallanlagen kaum." Dabei, so Gerd Stegmaier, könne man "mehr falsch als richtig machen. Deshalb war es so wichtig, die Erkenntnisse des internationalen Kolloquiums mit einzubinden".

Ein Zwei-Minuten Trailer mit szenischen Rekonstruktionen à la "Terra-X" zeigte eindrucksvoll, was barrierefrei mitten im Albpanorama möglich ist, ohne groß in die Landschaft einzugreifen. Die virtuelle Rekonstruktion ist auch ein Balanceakt zwischen Kosten und touristischem Nutzen. Gerd Stegmaier: "Es sind verschiedene Förderanträge gestellt." Vom Biosphärengebiet Schwäbische Alb gebe es bereits "sehr positive Signale". Wichtig ist den Archäologen im Schulterschluss mit den Kommunen, dass vom gemeinsamen Projekt "ein Schub in die Region" ausgeht. Stegmaier: "Bereits im Sommer wird es von der Böhringer Brauerei ein Keltenbier geben."

Info Bezug der Schrift "Befund - Rekonstruktion - Touristische Nutzung", keltische Denkmale als Standortfaktoren, über die Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern, Berliner Straße 12 in 73728 Esslingen, oder www.Denkmalpflege-bw.de. Die Heidengraben-App gibt es unter cmcnews-d.cmc-engineers.de/?p=72