Grabenstetten Kein Mast bedeutet höhere Belastung

Bietet sich wegen seiner erhöhten Lage über dem Ort als möglicher Standort für einen Mobilfunkmasten an: das Sportplatz-Areal von Grabenstetten.
Bietet sich wegen seiner erhöhten Lage über dem Ort als möglicher Standort für einen Mobilfunkmasten an: das Sportplatz-Areal von Grabenstetten. © Foto: Kirsten Oechsner
Grabenstetten / Kirsten Oechsner 21.06.2018

Fakt ist: Die Telekom wird in Grabenstetten einen Mobilfunkmasten aufstellen, um flächendeckend ein LTE-Netz umsetzen zu können. Bietet die Gemeinde keinen geeigneten Standort an, kann der Mobilfunkanbieter mit Privatpersonen in Verhandlungen treten – unter einer Höhe von zehn Metern sind die Mobilfunkmasten genehmigungsfrei. Die Grabenstetter Gemeinderäte informierten sich intensiv, Dr. Thomas Gritsch von TÜV Süd war eigens dafür von München in die Albgemeinde gekommen.

Kaum jemand, der nicht mobil telefoniert und vor allem in seinen eigenen vier Wänden einer enormen Strahlenbelastung durch „Smart home“ ausgesetzt ist: Beim schnurlosen Telefonieren, der Arbeit am PC oder auch durch LED Lampen. Für das individuelle Telefonieren mit dem mobilen Gerät gilt, so der TÜV-Sachverständige: „Je weiter weg der Sendemast ist, desto mehr müssen die Handys aufdrehen um Kommunikation zu ermöglichen und umso höher ist die Belastung.“ Grabenstetten wird derzeit noch vom Sendemasten Hochwang bedient, laut Dr. Gritsch Recherchen garantiere dies dem Ort eine „relativ“ gute Versorgung mit Einschränkungen: Die Schnelligkeit ist nicht in allen Außenbereichen der Gemeinde optimal.

Im Zuge des flächendeckenden Ausbaus des LTE-Netzes wird die Telekom auf jeden Fall einen Sendemasten in Grabenstetten aufstellen, viel Einfluss –­ auch­ ­(bau-) ­­­­­rechtlich – ­­­habe die Gemeinde laut dem Fachmann nicht: „Entweder macht man gar nichts und wirkt bei der Standortfindung nicht mit“, so Dr. Gritsch. Oder man trete in ein Dialogverfahren ein: „Am wirkungsvollsten ist, Alternativ-Standorte vorzuschlagen.“ Seinen Erfahrungen nach sei die Telekom in der Regel gesprächsbereit: „Es kommt durchaus vor, dass sie auf einen Dachstandort verzichtet und einen Masten erstellt.“

Die Variante Sendemast habe zwar wegen der Optik und aus psychischen Gründen eine geringe Akzeptanz, aber Tatsache sei eines: Je höher der Standort, desto niedriger die Strahlenbelastung. Und die Telekom könnte dort Platz schaffen für die beiden anderen derzeit existierenden Netzbetreiber, das vermeide eine erneute Diskussion wenn auch sie einen geeigneten Standort suchen würden – ein Sendemast sei die nachhaltigere Lösung. Ein angedachter, für die Versorgung optimaler Standort wie das Rathaus hätte zwar einen Giebel und die Antennen wären kaum sichtbar, aber Schule und Kindergarten seien zu nah. Ein solcher Standort, so Dr. Gritschs Einschätzung, ließe sich nicht vermitteln, wobei die Gebäude durchaus im Funkschatten liegen könnten: „Die Belastung müsst man genau berechnen.“

Zwei weitere von der Telekom anvisierte Dachstandorte an der Rückseite der Falkensteinhalle und im angrenzenden bebauten Wohngebiet seien aus denselben Gründen nicht unbedingt positiv zu bewerten, ein theoretisch möglicher Standort an der Kläranlage sei ebenfalls problematisch: Ein Großteil der Gemeinde werde nicht abgedeckt.

Was bleibe sei der Standort Sportplatz: Hoch über Grabenstetten und damit über der Bebauung gelegen, belaste er die Gemeinde am wenigsten und sorge für eine gute, wenn auch nicht optimale, aber zum derzeitigen Ist-Zustand deutlich verbesserte, Versorgung der süd-östlichen Bereiche der Ortsgemarkung. „Ich kann mir vorstellen, dass sich die Telekom darauf einlassen könnte“, so der TÜV-Sachverständige. „Es hängt aber auch davon ab, wie die Kundenstruktur dort ist.“

Sportplatz im Blick

Die Erkenntnis nach dem, so die einhellige Ansicht im Gremium, informativen, aufklärenden und verständlichen Vortrag von Dr. Thomas Gritsch lautet: „Der Mast muss auf den Berg“, so fasste Gemeinderat Rolf Mößmer die Fakten zusammen, was bleibe sei der Standort Sportlatz. „Man muss es dann eben akzeptieren, wenn nicht im ganzen Ort die exakt gleiche Abdeckung vorhanden ist.“ Nun liegt es an Bürgermeister Roland Deh, entsprechende Standortverhandlungen mit der Telekom zu führen. Eine Dachlösung mitten im Ort ist jedenfalls nicht erwünscht, Aber nicht zu verhindern, wenn es zu keiner Einigung kommt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel