Der Hugo-Boss-Platz in Metzingen liegt an diesem Freitag eingetaucht im Licht der gleißenden Wintersonne. Ein Schriftzug aus dreidimensionalen Buchstaben ergibt das Wort „Outletcity“. Hier ist die Mode zu Hause, wenn nicht unbedingt die Schönheit, so doch die Eleganz. Es ist wenig los, ein paar Passanten schlendern von einem Store zum nächsten, doch um 13 Uhr betritt die Entourage der „Miss Germany Corporation“ den Platz. Mit ihr die 16 Finalistinnen, von denen eine am 15. Februar im Europapark Rust zur Miss Germany gewählt wird.

Miss Germany mit neuem Konzept

Sie sind anders, als die Schönheitsköniginnen früherer Tage. Das Vorurteil, es handele sich bei ihnen um mit Make-Up zugekleisterte Diven, die keinen geraden Satz formulieren können, den sie zuvor nicht hatten auswendig lernen können, platzt beim ersten Wortwechsel. Die 29-jährige Kim Irmgartz aus Nordrhein-Westfalen überzeugt mit ihrem natürlichen Charme. Mit Modeln hatte sie nie etwas am Hut. Ihr gefällt das neue Konzept dieses Wettbewerbs. Es geht nicht mehr darum, im Bikini geistreiche Antworten auf dumme Fragen zu geben. Es geht um die Persönlichkeit der Kandidatinnen. Sie beispielsweise hat sich beworben mit einem Aufsatz, der nichts geringeres zum Inhalt hat als ihr Leben, ihre Sicht auf die Dinge, ihre Hobbys, ihr Wesen.

Influencer dokumentieren den Einkauf

Am Freitag haben alle 16 Frauen Einkaufsgutscheine im Wert von 400 Euro von der Outletcity erhalten. Damit holen sie sich ihr Outfit fürs Finale, sagt Outletcity-Sprecherin Isidora Muthmann. Sechs von ihnen wurden ausgelost, sie bilden parallel zum eigentlichen Wettbewerb zwei Teams, die von Influencern während des Shopping-Tags begleitet werden. Internet-User werden dann entscheiden, welches Team für sich das beste Outfit ausgesucht hat.

Das Model Jessica

Jessica Bisceglia lebt, wie sie selbst sagt, „im schönen Schwarzwald.“ In Villingen-Schwenningen, wo sie einige Jahre lang kein Heimspiel des Eishockeyteams Wild Wings versäumt hat. Sie vertritt Baden-Württemberg, und wenn sie ihren Nachnamen buchstabiert, schaut sie vorsichtshalber doch noch mal selbst auf den Notizblock. Bisceglia, Berta, Ida, Siegfried und so weiter: „Mein Papa ist Italiener.“ Er kam im Alter von vier Jahren nach Deutschland. Sie sagt, sie sei schüchtern. Und fügt hinzu: „gewesen“. Schon während ihres Studiums aber sei ihr klar geworden, irgendwann mal vor einer größeren Menschenmenge sprechen zu müssen. Man hätte sie fragen sollen, wie sie zu dieser Ansicht kommt, schließlich hat sie staubtrockene molekulare und technische Medizin studiert und ist jetzt Ingenieurin mit Master-Abschluss. Doch solche Pressetermine sind in der Regel kurz, und beeindruckt von so viel attraktiver Eloquenz hinterfragt man nicht immer gleich alles. Es ändert ja auch nichts: Jessica Bisceglia hat sich dieser Herausforderung gestellt und vor etwa einem Jahr beschlossen, sich für den Titel Miss Germany zu bewerben. Jetzt steht sie im Finale. Zurzeit verdient sie ihren Lebensunterhalt als Model und verwaltet mehrere Social-Media-Kanäle verschiedener Modelabels. Nach dem Finale aber möchte sie sich dem widmen, was sie vielleicht für den Rest ihres Berufslebens ernährt, der Medizintechnik.

Wahl zur Miss Germany


Am 15. Februar treten 16 attraktive Frauen mit eigener Geschichte und Haltung zur offiziellen Miss-Germany-Wahl 2020 in der Europa-Park-Arena an.

Das Jahr 2020 definiert eine ganz neue Miss Germany. Die Persönlichkeiten der Kandidatinnen werden durch das neue Konzept in den Fokus gerückt und zeigen, dass Charisma und Ausstrahlung eine wichtigere Rolle spielen als das äußere Erscheinungsbild.