Metzingen Kalte Füße und heiße Herzen für die Tarifbindung

Lautstark verschafften gestern die Mitarbeiter der Firma Sauter ihrer Forderung nach Tarifbindung Gehör. Am Nachmittag begann eine neue Verhandlungsrunde, die jedoch ohne Ergebnis vertagt worden ist.
Lautstark verschafften gestern die Mitarbeiter der Firma Sauter ihrer Forderung nach Tarifbindung Gehör. Am Nachmittag begann eine neue Verhandlungsrunde, die jedoch ohne Ergebnis vertagt worden ist. © Foto: Michael Koch
Metzingen / Michael Koch 14.02.2018

Sie frieren für die Tarifbindung. Aus den Lautsprechern dröhnt „Hells Bells“ von AC/DC. Eine kleine Zeltstadt ist vor dem Werkstor aufgebaut, mobile Toilettenhäuschen lassen erahnen, dass sich hier jemand auf einen längeren Protest eingestellt hat.

Seit Dienstagmorgen, vier Uhr, wird die Firma Sauter Feinmechanik von großen Teilen der Belegschaft bestreikt. Damit soll der Druck vor der vielleicht entscheidenden Verhandlungsphase zwischen der Geschäftsführung auf der einen Seite und der IG Metall mit dem Betriebsrat der Firma auf der anderen Seite erhöht werden.

Es geht, wie bereits berichtet, darum, dass das Unternehmen Sauter zum Jahresende aus dem Flächentarifvertrag ausgetreten ist. Dagegen wehren sich Belegschaft und Gewerkschaft. Mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln.

„Draußen ist es kalt, die Stimmung aber ist heiß, denn am Verhandlungstisch herrscht noch Kühle“, sagte Michael Bidmon, Verhandlungsführer der IG Metall und deren betrieblicher Verhandlungskommission gestern zu den Streikenden. An seiner Seite hatte er prominente Unterstützung, war doch mit Ralf Kutzner extra ein geschäftsführendes IG Metall-Vorstandmitglied aus Frankfurt angereist. „Dieser Konflikt hier findet bundesweite Beachtung“, versicherte Kutzner. Und er erhält auch die Unterstützung aus der IGM-Bundeszentrale, wo an diesem Montag der „Fall Sauter“ im Bundesvorstand auf der Agenda stand.

Langfristig schlechtere Löhne

Kutzner appellierte an die Solidarität unter den Mitarbeitern und hofft auf deren langen Atem. „Wir kennen die Argumentation der Arbeitgeber, die aus dem Tarifvertrag austreten“, so Kutzner. Zunächst hieße es dann, es ändere sich ja nichts für die Arbeitnehmer. Auf lange Sicht sei dies aber nicht richtig.

Vor allem Neueinstellungen würden nur noch zu schlechteren Konditionen vorgenommen. Langfristig, so die Erfahrung der Gewerkschaft, liege das Lohnniveau bei Firmen außerhalb des Flächentarifvertrages 30 Prozent unter dem der tariflich gebundenen Unternehmen. „Wer aus dem Tarifvertrag aussteigt, der kündigt auch den Sozialstaat auf“, sagte Kutzner. Die Unternehmer bauten dann nämlich auf ein Geschäftsmodell der Billigstrategie, dazu zähle auch günstig eingekaufte Arbeitskraft. Das immer rauer werdende Klima bei Tarifverhandlungen hat Kutzner übrigens nicht nur in der Metallindustrie ausgemacht, sondern auch aus anderen Branchen davon erfahren.

Die Sauter-Betriebsratsvorsitzende Manuela Dankesreiter lobte ihreKollegen für ihr Durchhaltevermögen. Sie habe von der Geschäftsleitung einen neuen Vertrag als Angebot vorliegen. Dieser werde geprüft und dann darüber verhandelt. „Abspeisen lassen wir uns jedenfalls nicht“, sagte Dankesreiter, die ergänzte: „Wir wollen schnell eine Planungssicherheit für die Belegschaft, damit wir endlich wieder schaffen können.“ Denn zur Arbeit erschienen sind am Dienstag, so war am Rande der gestrigen Kundgebung zu erfahren, von den rund 300 Mitarbeitern nur etwa 40. Sie werden sogar von einer privaten Security-Firma beschützt.

Große Solidarität

Ungebrochen ist nach wie vor die Solidarität mit  den Sauter-Beschäftigten. Aus der Branche etwa unterstützt der Bosch-Betriebsrat die Metzinger Kollegen, von Hugo Boss kam gar ein großer Obstkorb zur Erfrischung des Streikpersonals bei den Nachbarn an. Und auch die örtliche Politik informiert sich.

Die Metzinger CDU-Gemeinderatsfraktion habe sich mit Michael Bidmon und Vertretern der Sauter-Belegschaft getroffen und ihre Unterstützung zugesichert. Wie wolle eine Geschäftsführung einen solchen Stil lange durchhalten, war laut Bidmon die Frage der CDU-Räte gewesen.

40

Mitarbeiter von insgesamt 300 gingen an den vergangenen beiden Tagen noch ihrer Tätigkeit nach. Die Produktion bei Sauter stand deswegen teilweise still.

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