St. Johann Jugend mischt sich ein

Die Jugendlichen fanden konstruktive Ansätze, wie die Gemeinde für ihre jungen Bewohner attraktiver werden kann – mit Untertstützung der Räte.
Die Jugendlichen fanden konstruktive Ansätze, wie die Gemeinde für ihre jungen Bewohner attraktiver werden kann – mit Untertstützung der Räte. © Foto: Simon Wagner
SIMON WAGNER 15.12.2015
Es war ein Experiment und vielleicht der Beginn einer Institution: Das erste Jugendforum stieß auf große Resonanz. Die junge Generation zeigte ihren Willen, sich konstruktiv am Gemeindeleben zu beteiligen.

Die Welt mit den Augen der Jugend sehen: Gelegenheit zu diesem Perspektivenwechsel hatten am Samstag etliche Vertreter des St. Johanner Gemeinderats. Sie waren, zusammen mit Bürgermeister Florian Bauer zum ersten St. Johanner Jugendforum ins Würtinger Kommohaus gekommen – als Gäste, als Zuhörer, als Adressaten. Denn nicht die Ratsdamen und -herren führten an diesem Nachmittag das Wort, vielmehr Jugendliche aus allen St. Johanner Ortsteilen.

Rund 35, zwischen 13 und 21 Jahre alt, nahmen die Einladung der Gemeinde und des Würtinger Jugendhauses an, sich einzumischen und eigene Vorstellungen zu entwickeln. Sie brachten unter der Leitung von Regina Schaller, sie betreut als Jugendreferentin den Jugendgemeinderat in Reutlingen, ihre Kritik aber auch ihre Ideen zu Papier, ehe sie diese den hinzugekommenen Mandatsträgern an Themenstellwänden präsentierten und zur Diskussion stellten.

Die Stellwände waren dabei keine Klagemauern. Vielmehr fanden sich auf ihnen durchweg konstruktive Ansätze, wie die Gemeinde auch für ihre jungen Bewohner attraktiver werden kann. Das Manko der lückenhaften Busverbindungen etwa, so ein Vorschlag, könne man doch mit einer privaten Fahrerbörse und selbstorganisierten Fahrgemeinschaften lösen, das mangelhafte Kulturangebot mit einer „Kulturbar“ und regelmäßigen Veranstaltungen von Jugendlichen für Jugendliche. Überhaupt scheinen Treffpunkte abseits von Bauwagen ganz oben auf der Wunschliste der Jugendlichen zu stehen. Warum also nicht einmal im Jahr eine Motto-Party in der Gemeindehalle organisieren? In Mehrstetten funktioniert’s ja auch. Für die 17-jährige Katharina Höfner, die zusammen mit Robert Materna den Anstoß zum Jugendforum gab, wäre das auch ein werbewirksames Signal über die Gemeindegrenzen hinaus. Getreu dem Motto: „In St. Johann läuft was.“

Ob es um die Reaktivierung der Upfinger Mountainbike-Strecke ging, um selbstverwaltete Öffnungszeiten des Jugendhauses, um ein Spielplatz in Würtingen oder um die Instandsetzung des Upfinger Bolzplatzes: Die Räte hatten die Qual der Wahl. Sie konnten sich per Unterschrift zu den Anliegen der Jugendlichen bekennen, ihnen Rückhalt ebenso zusichern wie ein offenes Ohr.

Wenngleich Rolf Rist bekannte: „Im Prinzip ist alles unterstützenswert.“ Viele Punkte hält Horst Lamparter überdies für schnell und unkompliziert machbar. Er ermutigte die Jugendlichen aber dazu, immer wieder auf der Matte zu stehen und nachzuhaken. Dass sie nicht nur Forderungen stellen, sondern sich darüber Gedanken machen, was sie selbst beitragen können, nahm Nicla Hercher bewundernd zur Kenntnis. Vor diesem Hintergrund wünschte sich Ottmar Leyrer, dass das gezeigte Engagement keine „Eintagsfliege“ bleibt. „Ihr müsst signalisieren, dass ihr ernsthaft hinter den Ideen steht“ – dann sei der Rat auch bereit, Geld auszugeben.

Wie der jugendliche Esprit über den Tag hinaus in konkrete Bahnen gelenkt werden kann, darum soll es am 9. Januar während der Nachlese des Jugendforums gehen, betonte Jugendhausleiter Michael Schaller. Im Raum steht eine ständige Jugendvertretung. Was Bürgermeister Florian Bauer davon hält, machte er am Samstag deutlich: „Ich bin dabei – aber nur, wenn ihr es wollt.“ Er versicherte: „Eure Ideen sind gefragt.“

Bewusst sei im Übrigen zum ersten Jugendforum eingeladen worden, will heißen: „Es wird nicht das letzte sein.“ Jubel und Applaus brandete auf, bevor es zur Party ins Jugendhaus ging. Grund zu feiern hatten die Jugendlichen genug. Oder wie die 16-jährige Lea Brendle aus Bleichstetten die offene Atmosphäre zufrieden bilanzierte: „Es war mal nötig zusammenzukommen.“