Metzingen Jubel im Sitzungssaal: Das Kombibad wird gebaut

Die Bürgerinitiative „Pro-Kombibad“ darf sich freuen: Die Metzinger Wähler haben eindeutig für den Neubau auf dem Bongertwasen votiert.
Die Bürgerinitiative „Pro-Kombibad“ darf sich freuen: Die Metzinger Wähler haben eindeutig für den Neubau auf dem Bongertwasen votiert. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Regine Lotterer 19.11.2018

Freude, Erleichterung und Jubelrufe bei den einen, Enttäuschung bei den anderen: Der Bürgerentscheid zur Zukunft der Bäder hat ein eindeutiges Ergebnis gebracht. Mit 71,4 Prozent votierten die Wähler am Sonntag für den Neubau eines kombinierten Sport- und Familienbades auf dem Bongertwasen und sprachen sich damit gegen die Sanierung der bisherigen Bäder aus. Die Wahlbeteiligung lag bei 47,6 Prozent. Der Bürgerentscheid, den die Bürgerinitiative „Erhalt und Ausbau der Metzinger Bäder“ initiiert hatte, ist damit abgeschmettert. Der Beschluss des Gemeinderats vom 17. Mai bleibt bestehen.

Gegen 19 Uhr verkündete Wahlleiter Albrecht Gaiser das Ergebnis der Abstimmung. Die Spannung im Sitzungsaal war zu diesem Zeitpunkt fast mit Händen zu greifen. Als Gaiser verkündete, dass auf das „Ja“-Lager 2449 Stimmen entfallen sind, brandete begeisterter Applaus im Saal auf, weil damit bereits klar war, dass der Bürgerentscheid gescheitert ist. Um erfolgreich zu sein, hätten die Sanierungsbefürworter mindestens 3604 Stimmen gewinnen müssen, um das notwendige Quorum von 20 Prozent aller Abstimmungsberechtigten zu erreichen.

Die Jubelrufe wurden anschließend allerdings noch lauter, als Albrecht Gaiser verkündete,  wie groß der Zuspruch für das Kombibad war: 6119 Metzinger votierten mit „Nein“ und damit für den Neubau auf dem Bongertwasen.

In keinem einzigen Wahllokal konnten die Sanierungsbefürworter eine Mehrheit erzielen. Das beste Ergebnis holten sie im Ösch mit 36,5 Prozent und im Haugenrain mit 36 Prozent. Die Kombibadfans konnten im Kindergarten Neugreuth I mit 80,6 Prozent ihr bestes Ergebnis einfahren. In Glems holten sie 78, 3 Prozent.

Mit einem solch großen Zuspruch hatten vermutlich selbst die größten Optimisten in der Bürgerinitiative „Pro Kombibad Metzingen“ nicht gerechnet. Manchen standen fast die Tränen in den Augen, als sie realisierten, dass sie gewonnen hatten, anderen fehlten zunächst einfach die Worte. „Die Erleichterung“, sagte Peter Flämig, einer der Sprecher der Bürgerinitiative Pro-Kombibad, „ist groß.“

Noch am Samstag hatte die Bürgerinitiative Stimmen auf dem Kelternplatz und vor dem Rathaus gesammelt, die Reaktionen seien ausgesprochen positiv gewesen, berichten die Mitglieder der Bürgerinitiative. Auch aus diesem Grund war die Zuversicht der Kombibad-Befürworter groß, eine Mehrheit zu bekommen. Wiewohl sie sich vor einer geringen Wahlbeteiligung gefürchtet hatten, wie Peter Flämig berichtet. Er und seine Mitstreiter haben in den vergangenen Wochen versucht, die Metzinger auch über zahlreiche Aktionen im Internet und in sozialen Netzwerken zu mobilisieren und zu überzeugen: „Damit haben wir offenbar viele Leute erreichen können.“

Ulrike Sippli, Vorsitzende der SPD-Gemeinderatsfraktion, stand selbst regelmäßig an den Infoständen der Kombibad-Befürworter: „Die Bürgerinitiative hat gekämpft und viel Aufklärungsarbeit geleistet“, betonte sie am Sonntagabend. Das habe dazu beigetragen, viele Fragen der Bürger zum Kombibad zu beantworten.

Eckart Ruopp, CDU-Fraktionsvorsitzender, betonte, er sei erfreut und glücklich über diesen eindeutigen Ausgang. Diese Wahlbeteiligung habe er erwartet. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Bernhard Mohr erklärte, er habe damit gerechnet, dass die Befürworter eines Kombibades in etwa zwei Drittel der Stimmen erhalten.

Der FWV-Fraktionsvorsitzende Peter Rogosch sagte, die Bürgerschaft habe den Gemeinderatsbeschluss vom 17. Mai bestätigt. Erfreulich sei für ihn, dass sich die Mehrheit der Bürger „von der dauernden Wiederholung unhaltbarer Behauptungen und Vorwürfen nicht irritieren ließ“. Eine besondere Herausforderung sei es nun, die tiefen Gräben, welche in die städtische Gesellschaft gerissen worden seien, einigermaßen zuzuschütten.

Das wünscht sich auch Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler, der ausdrücklich alle Metzinger dazu einlud, sich am Bürgerdialog II zu beteiligen.

Dieser befasst sich mit der Ausstattung und Ausgestaltung des künftigen Kombibades. Hierzu kann jeder seine Wünsche und Ansichten äußern. Zu finden ist der Bürgerdialog „Unser Bongert-Bad“ über die Homepage der Stadt Metzingen. Er hoffe, so Fiedler, dass sich die aufgeworfenen Gräben jetzt glätten lassen und die Differenzen ausgeräumt werden.

Auf ein konstruktives Miteinander im Bürgerdialog II hoffen ebenfalls die Sprecher der Bürgerinitiative Pro-Kombibad. Das Ergebnis müsse nun von beiden Seiten akzeptiert werden. Dem scheint auch so zu sein.

Dieter Ernst jedenfalls, einer der Sprecher der Bürgerinitiative „Erhalt und Ausbau der Metzinger Bäder“, kommentierte das Ergebnis gestern kurz und knapp: „Der Souverän hat gesprochen.“

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