Metzingen Jetzt gibt es auch Trollinger

Jörg Waldner, der Geschäftsführer der Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen, ist stolz auf die Auszeichnung, die es für den Lemberger gab. Verkostet werden kann der gute Tropfen während der ersten Weinmesse am 2. November.
Jörg Waldner, der Geschäftsführer der Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen, ist stolz auf die Auszeichnung, die es für den Lemberger gab. Verkostet werden kann der gute Tropfen während der ersten Weinmesse am 2. November. © Foto: Thomas Kiehl
Regine Lotterer 30.10.2018

Wenn der kalte Herbstwind an den Fensterläden rüttelt und der Himmel bleischwer und unlustig über dem Ermstal hängt, ist es Zeit, die Seele mit kulinarischen Genüssen zu erheitern. Mit einer knusprig gebratenen Gans etwa oder einem sanft geschmorten Stück Rindfleisch, serviert mit dunkler Soße und einem guten Schluck Rotwein. Einem trockenen Lemberger Jahrgang 2016 beispielsweise, gereift im Eichenfass, mit einer Goldmedaille prämiert. Zu haben ist dieser besondere Tropfen in der Vinothek am Kelternplatz, die Goldmedaille für diese Metzinger Spezialität gab es jüngst auf der renommierten Berliner Wein-Trophy, Deutschlands bedeutendster und größter internationaler Weinverkostung. Dort einen Platz unter den Top-Anbietern zu ergattern, ist nicht einfach, weswegen die Kelternstädter ziemlich stolz auf diesen Erfolg sind, wie Jörg Waldner, der Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzende der Weingärtergenossenschaft Metzingen-Neuhausen, betont.

Weitere qualitativ hochwertige Produkte für ihr Sortiment versprechen sich die Wengerter auch vom neuen Jahrgang 2018: „Qualität und Quantität waren überdurchschnittlich“, sagt Jörg Waldner. Die ersten Weine kommen voraussichtlich schon im Januar oder Februar auf den Markt, weil die Lese dieses Mal so früh begonnen hat wie noch nie in der Geschichte des Metzinger Weinbaus. Die letzten 800 Kilo des Jahres haben Martin und Winfried Koch vor etwa zwei Wochen geerntet. Satte 131 Grad Oechsle bringen diese Spätburgundertrauben mit, die nun zu einer Beerenauslese reifen dürfen. Etwa 1000 Flaschen kommen später in den Verkauf. Die für eine Beerenauslese notwendige Qualität erreichten die Metzinger Wengerter zuletzt 2015. Auch deshalb zählt Jörg Waldner diesen Wein zu den Höhepunkten der Lese 2018.

Ein Nischenprodukt

Obwohl die Genossenschaft auf ein breit gefächertes Angebot verweisen kann, fehlte bislang eine Sorte, die als Lieblingswein der Schwaben gilt. Allerdings hatten Trollinger-Trauben an den Hängen von Weinberg und Hofbühl bislang keine Chance, ihr Potenzial zu entfalten. Für die spätreifende Sorte war es im Ermstal schlicht zu kühl. Inzwischen treiben die Reben jedoch früher aus, die Sommer sind trockener und heißer als früher üblich, weswegen sich nun auch die Metzinger an die Trollinger-Traube wagen. Erstmals bringen sie im kommenden Jahr 3000 bis 4000 Flaschen auf den Markt. Damit bleibt der Trollinger made in Metzingen zwar ein Nischenprodukt, die Menge reicht aber aus, um die durchaus vorhandene Nachfrage zu befriedigen. Schließlich schneien regelmäßig Besucher in die Vinothek, die gerne einen Trollinger aus der Sieben-Keltern-Stadt erstehen wollen, wie Jörg Waldner berichtet. Er beobachtet außerdem, dass zunehmend alkoholfreie Getränke im Einkaufskorb landen. Ein Trend, auf den die Wengerter im vergangenen Jahr mit ihrem „Me Perl“ reagierten. Die Mischung aus Trauben- und Kirschsaft verkaufe sich hervorragend, sagt Waldner. „Die erste Auflage war bereits im August verkauft.“

Ergänzt wird dieses Angebot ab dem kommenden Jahr von einem alkoholreduzierten Wein: Spätestens an Ostern steht der Müller-Thurgau im Regal, gedacht ist er als leichter, frischer Sommerwein. Mit diesem Produkt soll insbesondere die jüngere Generation angesprochen werden. „Endlich“, sagt Jörg Waldner, „kommt nun auch unser Bio-Rotwein auf den Markt“. Gekeltert wird der Cuvée aus pilzresistenten Sorten, die allerdings nicht so ertragreich sind wie die konventionellen. Wer sich für eine Flasche dieses Rotweins entscheidet, wird geschmacklich an Spätburgunder und Cabernet Sauvignon erinnert.

All jene, die das Sortiment der Metzinger Weingärtner einmal ganz unverbindlich und begleitet von beschwingter Musik verkosten möchten, sind an diesem Freitag, 2. November, in die Vinothek eingeladen. Dort richtet die Genossenschaft erstmals eine Weinmesse aus, geöffnet ist von 15 bis 20 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht nötig, allerdings kostet der Spaß zehn Euro Eintritt.

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