Neuhausen Jeni und die Suche nach einer Herberge

Neuhausen / Regine Lotterer 07.12.2017

Jeni ist ein tapferes Mädchen. Gemeinsam mit ihrer geistig behinderten Mutter stellt sich die 13-Jährige den Herausforderungen des Alltags in einem kleinen Dorf in Tansania. Unterschlupf fanden die beiden bislang in einem armseligen Haus mit undichtem Dach. Wie lange sie dort bleiben können, ist ungewiss. Die primitive Bleibe gehört ihnen nicht, sie sind nur geduldet. Ihre Nächte verbringen Mutter und Tochter gemeinsam auf einer Pritsche, eine Matratze besitzen sie nicht, auch an Bettwäsche fehlt es. Der Hunger gehört ebenso zu ihren treuen Begleitern wie die mühselige Arbeit auf dem Feld.

Bildung für Kinder

Trotz all der Not gibt es für Jeni und ihre Mutter jetzt einen Hoffnungsschimmer am Horizont: Ihr Dorf liegt in der Nähe von Tandala, eine Kleinstadt, in der auch ein Diakoniezentrum beheimatet ist. Mit diesem Diakoniezentrum sind wiederum die Kirchengemeinden Neuhausen und Glems seit vielen Jahren auf verschiedenen Ebenen verbunden. Auf Grundlage dieser Kontakte entstand unter anderem die Initiative „Karibu shuleni – Willkommen in der Schule“, die die Arbeit des Diakoniezentrums in Tandala unterstützt. Dieses ermöglicht Kindern und Jugendlichen, die behindert oder aufgrund ihrer Lebensumstände benachteiligt sind, eine Schul- und Berufsausbildung. Finanziert wird das Projekt unter anderem über Patenschaften, derzeit bestehen etwa 350, wie Anne Maute-Koch berichtet. Sie engagiert sich seit langem für die Schulinitiative in Tansania und ist dabei auch auf Jenis Schicksal aufmerksam geworden.

Zwar fand Jeni bereits einen Paten, indessen reicht dieses Geld nicht aus, um ihre Situation grundlegend zu verbessern. Ein richtiges Zuhause wäre  deshalb ein zentraler Schritt, um dem Mädchen eine Zukunftsperspektive zu öffnen. Diese Chance tut sich nun auf: Jenis Dorfgemeinschaft ist bereit, ein Grundstück für ein Haus bereitzustellen, es zu bauen übersteigt allerdings die finanziellen Möglichkeiten der Einwohner. Deshalb werden Spenden benötigt. Kommt genug Geld zusammen, würde das Diakoniezentrum die für den Hausbau notwendigen Arbeiten vergeben, örtliche Handwerker sollen sie ausführen.

Bei Anne Maute-Koch traf zwischenzeitlich eine detaillierte Liste ein, die das für den Hausbau notwendige Material aufführt: Steine, Fenster, Wellblech, eine Türe und Fenster sind dort vermerkt. Auch der nötige Hausrat, wie Teller, Löffel, Bettwäsche, ein Tisch und vier Stühle, soll aus dem Spendentopf finanziert werden. Kurz gesagt, eine Grundausstattung, da Jenis Habseligkeiten ebenso überschaubar wie armselig sind. Falls das Vorhaben gelingt, können Mutter und Tochter dem Elend in ihrer jetzigen Unterkunft entkommen. Die geordneten Verhältnisse würden es Jeni erleichtern, ihre Schulaufgaben zu erledigen und einen Abschluss zu erreichen. Damit hätte sie als Erwachsene die Chance, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen und zugleich für ihre Mutter zu sorgen.

Anne Maute-Koch hofft, dass genug Geld zusammenkommt, um die Suche von Mutter und Tochter nach einem sicheren Dach über dem Kopf zu einem guten Ende zu bringen. Das Schicksal der beiden weckt bei Maute-Koch auch Assoziationen zu einer Geschichte im Lukasevangelium, die an Heiligabend in allen Kirchen erzählt wird. Sie handelt von einem Paar, das in Bethlehem auf der Suche nach einem Dach über dem Kopf ist. Für Maria und Josef geht die Geschichte gut aus. Die Frage, ob Jeni und ihre Mutter ebenfalls eine Herberge, ein Zuhause, finden, kann vermutlich in einigen Wochen beantwortet werden.

Spendenkonto und Schulprojekt

Für Jeni und ihre Mutter ist ein Spendenkonto eingerichtet bei der Kirchengemeinde Neuhausen, Stichwort Weihnachtsaktion, Volksbank Metzingen-Bad Urach,
IBAN: DE80 6409 1200 0230 8620 20, BIC: Genodes 1 MTZ.

Die Initiative „Karibu Shuleni – Willkommen in der Schule“ unterstützt die Arbeit des Diakoniezentrums von Tandala im Südwesten von Tansania. Die Region verfügt über eine unzureichende Infrastruktur. Es gibt weder asphaltierte Straßen noch eine Eisenbahnverbindung. In Tandala und Umgebung gibt es keine Schulen, die für die Bedürfnisse behinderter Kinder eingerichtet sind. Auch weiterführende Schulen fehlen dort. Deshalb müssen behinderte Kinder eine Sonderschule mit Internat besuchen. Alle Kosten, etwa für Unterkunft, Schulgeld, Schuluniform oder medizinische Versorgung, übernimmt die Diakonie. Patenschaften helfen dabei, diese Arbeit zu finanzieren. Fragen dazu beantwortet Anne Maute-Koch, E-Mail: Anne.Maute-Koch@web.de.