Hülben Jeden Abend eine Überraschung

Familie Schell machte sich Gedanken um Gastfreundschaft und über die Welt, die im Argen liegt.
Familie Schell machte sich Gedanken um Gastfreundschaft und über die Welt, die im Argen liegt. © Foto: Kirsten Oechsner
Hülben / KIRSTEN OECHSNER 16.12.2015
In sieben Jahren ist eine Aktion zur beliebten Tradition geworden, die es in der Vorweihnachtszeit möglich macht, gemeinsam inne zu halten: Der lebendige Adventskalender ist jeden Abend gut besucht.

Kurz vor 18 Uhr in Hülben an einem Winterabend: Normalerweise ist es um diese Zeit ruhig in der Gemeinde. Die Menschen genießen den Feierabend, ziehen sich in ihre Häuser und Wohnungen zurück. Nicht jedoch in der Adventszeit. Dann kommen viele Menschen an einem Ort zusammen und halten in großer Runde inne. Mal wird gemeinsam gesungen oder einem Anspiel zugeschaut. Das nächste Mal erklingen Posaunen und eine Geschichte wird vorgelesen oder es steht eine Bildbetrachtung an. 24 symbolische Türchen öffnen sich in Hülben, gestaltet von dem jeweiligen Gastgeber, darunter Gruppen wie der Mädchenkreis oder die Betreiber der Schuppenanlage, die Fliegergruppe oder die Künstlerwerkstatt, auch das Altenheim im Ort beteiligt sich. Und selbstverständlich sind auch Privatpersonen mit dabei, bieten den Gästen rund 20 Minuten die Möglichkeit, sich in großer aber stimmungsvoller Runde auf den Heiligen Abend einzustimmen.

Vor sieben Jahren haben Margrit Scherraus und Ruth Feil den lebendigen Adventskalender ins Leben gerufen, der sich von Anfang an großer Beliebtheit erfreute: Weil die Menschen über Generationen hinweg zusammenrücken und jeder Abend eine kleine Überraschung in sich birgt. Selbst die Initiatorinnen, die immer noch für die Organisation verantwortlich sind, wissen nicht was sie jeweils erwartet - mit einer Ausnahme jedenfalls. Denn Frieda und Reinhold Schell in der Heiligenbergstraße, die von Anfang an in ihrem Hof eine kleine Feier veranstalten, laden die Menschen immer am Montag nach dem zweiten Advent ein: Da findet bundesweit das ökumenische Hausgebet statt, an dessen Thema sich die Schells orientieren. Dieses Jahr sprechen drei Generationen der Familie über "Wo Türen geöffnet werden", machen sich Gedanken um Gastfreundschaft und über die Welt, die im Argen liegt. Fast 50 Menschen, Jung und Alt, Nachbarn und am anderen Ende des Ortes wohnende Hülbener, Kirchgänger oder nicht sind gekommen. Das ist es, was Initiatorin Scherraus freut: "Die Menschen genießen es", weiß sie. Manche würden keinen Termin auslassen: "Drei Frauen haben sich verabredet und laufen jeden Abend gemeinsam zum jeweiligen Gastgeber."

Die Gemeinschaft zu stärken war vor sieben Jahren denn auch Ziel des lebendigen Adventskalenders. Das ist erreicht. Die Besucherzahl ist konstant hoch, nicht alle Interessenten können einen Abend ausrichten - es gibt nun einmal nur 24 Tage. Bei allem Zuspruch soll laut Scherraus die Organisation des Abends jedoch nicht in zusätzlichen Stress ausarten: "Das soll kein Wettbewerb sein, es wird wegen der Ausgestaltung und der Bewirtung kein Zwang ausgeübt." Die einen reichen gerne ihre Plätzchen oder andere Köstlichkeiten, und andere lassen es. Bei Schells ist das Büffet aus gutem Grund reichlich bestückt. Seit jeher binden sie die Nachbarn mit ein und die sorgen für die kulinarischen Köstlichkeiten wie auch für die Akkordeonmusik beim gemeinsamen Singen. Über dieser Gemeinschaft im Hof der Schells funkeln an diesem klaren Winterabend die Sterne und sorgen unzählige Lichter für eine unvergleichliche Stimmung: Diesen Moment genießen die Menschen innig. Am nächsten Abend geht's an einen anderen Ort, weiter bis zum Höhepunkt am Heiligen Abend, dem Gottesdienst in der Kirche.

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