Grafenberg Ja, wir wollen

Barrierefreies Heiraten ist ab sofort in Grafenberg möglich. Das Vereinszimmer in der Rienzbühlhalle wurde entsprechend gewidmet. So steht dem schönsten Tag nichts mehr im Wege.
Barrierefreies Heiraten ist ab sofort in Grafenberg möglich. Das Vereinszimmer in der Rienzbühlhalle wurde entsprechend gewidmet. So steht dem schönsten Tag nichts mehr im Wege. © Foto: dpa/Archiv
Grafenberg / Anne Laaß 11.07.2018

Mit besonderen Momenten kennt sich Grafenbergs Standesbeamtin Stefanie Maisch aus. Sie hat bislang etwa 400 Menschen in den Stand der Ehe geführt. Eine Aufgabe, die der 48-Jährigen immer noch Freude bereitet. Eine Trauung, so Maisch, ist einfach das schönste an dem Beruf. Die vielen bürokratischen Feinheiten dagegen weniger. Bis es letztlich heißt: „Wollen Sie die hier anwesende Marianne Mustermann zu ihrer Frau nehmen?“, sind viele Stunden Arbeit nötig. Die Dokumente müssen überprüft werden und die Zeremonie sollte durchgesprochen werden. „Ich gebe den Paaren immer einen Fragebogen mit“, erzählt Maisch. So könne sie sich besser auf die Menschen einstellen. „Es soll schließlich alles passen“, betont die Standesbeamtin. Neben dem persönlichen Treffen gibt es auch oftmals noch Kontakt per E-Mail und Telefon, bis alle notwendigen Urkunden beisammen sind.

Eigentlich brauchen die Paare lediglich einen gültigen Personalausweis und eventuell eine beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister, damit ist nicht die Geburtsurkunde gemeint. Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn es keine Sonderfälle für beispielsweise Geschiedene, Verwitwete und Menschen mit einem anderen Hauptwohnsitz geben würde. Für alles braucht es da den passenden, beglaubigten Nachweis. Bürokratisch wird es auch, wenn die Paare ihre im Ausland geschlossene Ehe in Deutschland anerkannt haben möchten. „Manche denken, dass es einfacher ist, im Ausland zu heiraten“, sagt Maisch. „Dabei vergessen sie, dass die Unterlagen auch hier beglaubigt und anerkannt werden müssen.“ Der Aufwand ist demnach nicht weniger. Obwohl es schön ist, Menschen zu verheiraten, gibt es auch in diesem Bereich ein Nachwuchsproblem. Stefanie Maisch bezeichnet es als zäh, jemanden zu finden, der bereit ist, die Arbeit zu machen.

Erlebt hat Grafenbergs Standesbeamtin allerdings schon einige emotionale und schöne Momente: „Wenn die Kinder die Ringe vorbringen oder der Vater die Braut hineinführt“, sind nur zwei der Beispiele. Ein filmreifes Drama hat es allerdings noch nicht gegeben. „Nein hat noch niemand gesagt“, fügt die 48-Jährige hinzu. Allerdings stand eine Braut schon ohne Strauß kurz vor der Trauung da. Die Hochzeit wurde kurzerhand verschoben. So etwas ist nicht in jedem Standesamt möglich, denn getraut wurde das Paar noch am selben Tag, nur eben mit einer längeren Wartezeit für die Gäste. In Grafenberg geht es flexibel zu. „Wenn alle Unterlagen und die entsprechenden Personen da sind, und ich Zeit habe, kann es theoretisch sofort losgehen“, sagt Maisch. Allerdings gibt es da noch die Auswahl der Örtlichkeit.

Nach einem Beschluss im Gemeinderat, haben die Grafenberger nun eine Möglichkeit mehr. Aus der Gemeinde kam vor kurzem die Anfrage, nach einer barrierefreien Alternative. Die Idee wurde schnell aufgenommen. Das Vereinszimmer in der Rienzbühlhalle ist nun als Trauzimmer gewidmet worden. Das ist wichtig, denn ohne diesen offiziellen Beschluss des Gemeinderates wäre es nicht möglich gewesen. Das Zimmer kann rund 30 Gäste beherbergen. „Es ist gemütlich“, beschreibt Maisch die neue Traukulisse in der Gemeinde. Die Halle ist ideal, denn alles ist ebenerdig und für Rollstuhlfahrer zu erreichen. Die anderen Varianten sind zum einen im Rathaus. „Der große Sitzungssaal hat etwas“, sagt die 48-Jährige. Die Aussicht sei traumhaft. Paare die sich hier trauen lassen, wandeln nur kurz auf den Pfaden der Gemeinderäte, denn sie blicken nicht in Richtung runder Tisch, sondern auf die umliegenden Wiesen. Wo sonst die Besucher der Sitzungen Platz nehmen, wird umgestellt. Außerdem gibt es noch den kleinen Sitzungssaal, der für 15 Gäste Platz bietet, während ein Aufgebot von maximal 150 im größeren Pendant möglich ist.

Zum anderen gibt es da noch die gerühmte Kelter. Für Stefanie Maisch sind die Trauungen dort ebenso spannend. „Die Kelter hat einfach diese gewisse Atmosphäre“, erklärt die Standesbeamtin. Sie selbst ist auch nach 23 Jahren im Beruf noch nervös. „Wenn ich es nicht mehr bin, dann ist es Zeit, aufzuhören“, sagt Maisch. Etwa 400 Trauungen hat sie bereits vollzogen und die Aufregung bleibt gleich.

Heiratstermine: frei oder belegt?

Zwischen 15 und 20 Trauungen gibt es jährlich in der Gemeinde. Neben dem Rathaus und der Kelter kann nun auch im Vereinszimmer in der Rienzbühlhalle geheiratet werden. Hier ist eine barrierefreie Hochzeit möglich. Ob der gewünschte Termin auch klappt, weiß in Grafenberg Hilde Kittelberger. Sie ist im Bürgerbüro zu erreichen und kann einsehen, ob die Säle, die Kelter oder das Zimmer belegt sind, oder eben nicht.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel