Metzingen Interkulturelle Infomesse zeigt Zukunftsperspektiven auf

Der junge Syrer Zaher Aldoubl (Mitte) war ein gefragter Gesprächspartner und Vermittler beim ersten interkulturellen Informationstag. Ihm gelang es, einen Ausbildungsplatz bei der Firma Wafios in Reutlingen zu erhalten.
Der junge Syrer Zaher Aldoubl (Mitte) war ein gefragter Gesprächspartner und Vermittler beim ersten interkulturellen Informationstag. Ihm gelang es, einen Ausbildungsplatz bei der Firma Wafios in Reutlingen zu erhalten. © Foto: Kirsten Oechsner
Metzingen / Von Kirsten Oechsner 01.07.2018

Die Notwendigkeit eines Bewerbungsschreibens verdeutlichen oder auch mögliche Wege in eine Ausbildung aufzeigen: Beim ersten interkulturellen Informationstag der Volkshochschule sollten in erster Linie Migranten angesprochen werden. Ein Angebot, das ankam: Die Besucher trauten sich, in der persönlichen und überschaubaren Atmosphäre, gezielt Fragen zu stellen.

Dodou Bojang aus Gambia hat es bereits geschafft: Ein Praktikum bei der Firma Schweizer mündet im September in eine Ausbildung zum Stuckateur. Er freue sich riesig, diese Chance erhalten zu haben, meint der junge Mann und möchte beim interkulturellen Informationstag anderen Migranten Mut machen: Beim Stand der Stuckateur-Innung stellt er sich den Fragen, berichtet von seinen Erfahrungen. Ihm zur Seite steht Frank Huber, der bei der Metzinger Firma Albert Maier arbeitet: Auszubildende seien gerade im Handwerk händeringend gesucht, unterstreicht der Fachmann. Das Interesse an einer Ausbildung gehe gen null, viel zu viele junge Menschen würden nach dem Abitur direkt ins Studium gehen: „Es will sich keiner mehr die Hände dreckig machen.“

Neben den Stuckateuren sind elf weitere Aussteller im Gebäude der Volkshochschule vertreten, sie informieren über die unterschiedlichsten Ausbildungsberufe im Gastgewerbe und auf dem Bau, als Kaufmann oder im Gesundheitsbereich. „Wir hatten heute ziemlich viel zu tun und haben gute Gespräche geführt“, freut sich ein Mitarbeiter der Akademie für Gesundheit und Soziales. „Es wurden sogar Anmeldungen ausgefüllt.“

Das Ziel der Veranstaltung ist damit mehr als erfüllt, wie Patricia Alb-Lohmiller von der gastgebenden Volkshochschule bilanziert: „Wir wollten Personen mit geringen Deutschkenntnissen eine Plattform bieten und die Hemmschwelle gering halten.“ Denn, so ihre Erfahrung: Bei den großen Ausbildungsmessen würden die Migranten regelrecht untergehen, sich nicht trauen ihre Fragen zu stellen.

Anders im kleinen, überschaubaren Rahmen der interkulturellen Informationsveranstaltung: „Viele Migranten waren mit Betreuern hier“, hat die VHS-Mitarbeiterin beobachtet. Die hätten den Frauen und Männern jedoch viel Raum gegeben, sich bei den Ausstellern selbst vorzustellen und Fragen zu stellen: „Die Betreuer haben sich zurückgenommen und sie nicht bemuttert.“ Und zu fragen gibt es vieles, zum Beispiel nach der Notwendigkeit eines Bewerbungsschreiben. „Die Migranten verstehen unsere Abläufe oft nicht“, weiß Patricia Alb-Lohmiller. „In ihren Heimatländern geht man meistens den direkten Weg, fragt bei den Betrieben nach Arbeit.“

Was tun, wenn Dokumente fehlen oder das Abiturzeugnis nur als Foto vorhanden ist? Diese und viele weitere Probleme kann von den Mitarbeitern des Landesnetzwerks Weiterbildungsberatung beantwortet werden, deren Arbeit stellte Andreas Konitzer vor. „Wir nehmen uns die Zeit, die wir für sie brauchen“, macht der den Zuhörern bei seinem Vortrag klar. Nicht jeder ist bereits auf dem Sprachniveau, alles zu verstehen – ins Arabische übersetzt deshalb Zaher Aldoubl.

Seit dreieinhalb Jahren ist der junge Syrer in Deutschland: „Ich habe mit der deutschen Sprache bei null angefangen, habe intensiv gelernt und mich ständig verbessert“, berichtet er in einem Vortrag von seinem Werdegang. Über ein Praktikum hat er bei der Firma Wafios in Reutlingen einen Ausbildungsplatz als Industriemechaniker bekommen: „Es macht sehr viel Spaß“, bilanziert er nach zehn Monaten. Doch er macht auch deutlich, dass der Weg nicht leicht war: „Ich habe aber ganz viel Unterstützung bekommen, vor allem mein Chef hat mir immer sehr geholfen.“

Der Auszubildende Zaher Aldoubl ist ein gefragter Gesprächspartner an diesem Ausstellungstag, oft begleitet er Besucher zu den Ausstellern und fungiert als Vermittler. Klein und fein, aber als äußerst effektiv erwies sich der erste interkulturelle Informationstag: „Eine gelungene Veranstaltung“, fasst denn auch Metzingens Flüchtlings- und Integrationsbeauftragter Steffen Uebele den Tag zusammen.

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