„Motorräder müssen leiser werden“, fordert Landesverkehrsminister Winfried Hermann. „Das heißt, auf der Straße und nicht nur bei bestimmten Bedingungen auf dem Prüfstand.“ Gemeinsam mit ihm rufen 74 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg sowie sieben Landkreise und der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung, Thomas Marwein, Motorradfahrer zu mehr Rücksicht auf. Sie wollen die Europäische Union, die Bundesregierung, die Hersteller von Motorrädern sowie die Biker selbst dazu bringen, Motorradlärm spürbar zu reduzieren.

Forderungskatalog übergeben

Die „Initiative Motorradlärm“ und den Forderungskatalog haben Hermann, der Lärmschutzbeauftragte Marwein und Sonja Schuchter, Bürgermeisterin von Sasbachwalden und Sprecherin der kommunalen Mitglieder der Initiative, am Donnerstag, 13. Februar, im Rahmen der Landespressekonferenz in Stuttgart vorgestellt.

Deutlicher Weckruf gegen Lärmbelästigung

Im Hinblick auf die Mitgliederzahl sagte der Verkehrsminister: „Mehr als 80 Kommunen und Landkreise sind der Initiative bereits beigetreten, um die Forderungen zur Reduzierung von Motorradlärm mit breiter Stimme zu unterstützen. Das ist ein deutlicher Weckruf für die politischen Entscheidungsträger beim Bund und der Europäischen Union, Maßnahmen zu ergreifen, die Lärmbelastung durch Motorräder wirkungsvoll zu senken.“ Motorradlärm sei ein zunehmendes Problem in vielen Gemeinden Baden-Württembergs, insbesondere in den landschaftlich reizvollen, bergigen und touristischen Gebieten.

Bad Urach, Lenningen, Münsingen, Römerstein und Zwiefalten dabei

Im Juli 2019 hatte sich auf Einladung des Offenburger Abgeordneten und Lärmschutzbeauftragten Marwein und Bürgermeisterin Schuchter eine Initiative von Land und Kommunen gegen Motorradlärm mit anfangs 29 Mitgliedern gegründet. Mittlerweile zählt die „Initiative Motorradlärm“ 81 Mitglieder. Unter den Städten beteiligen sich unter anderem Bad Urach, Lenningen, Münsingen, Römerstein und Zwiefalten.

Ziel der „Initiative Motorradlärm“ ist es, dass Motorräder leiser werden, leiser gefahren werden und rücksichtsloses Fahren deutliche Folgen hat. Dazu gehört auch, dass das Land und die Kommunen mehr rechtliche Möglichkeiten bekommen, den Motorradlärm einzudämmen.

Straßenverkehrsordnung anpassen - höhere Bußgelder

Der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung erklärte: „Die Genehmigungs- und Zulassungsregelungen schützen nicht genug vor Motorradlärm. Auf EU-Ebene müssen niedrigere Lärmgrenzwerte und realitätsnahe Messzyklen geschaffen werden. Auf Bundesebene muss die Straßenverkehrsordnung angepasst werden. In den nächsten Monaten soll die Initiative mit einem entsprechenden Entschließungsantrag in den Bundesrat eingebracht werden.“

Zehn Forderungen hat die Initiative formuliert, die sie nun an Entscheidungsträger auf Bundes- und europäischer Ebene herantragen wird. So sollen Motorräder an sich leiser aber auch rücksichtsvoller gefahren werden. Stärkere polizeiliche Verkehrsüberwachung und Ausweitung der rechtlichen, technischen und personellen Kontrollmöglichkeiten, seien ebenso notwendig wie Geschwindigkeitsbeschränkungen und Verkehrsverbote an Wochenenden und Feiertagen. Auch soll rücksichtsloses Fahren in Form höherer Bußgelder deutlichere Folgen haben. Wichtig sei auch, dass rücksichtsloses Fahren und unzulässiges Manipulieren strenge Konsequenzen nach sich ziehe, sagte der Lärmschutzbeauftragte: „Wer vorsätzlich Lärm erzeugt, muss mit höheren Bußgeldern bestraft werden.“

Und Hermann schloss: „Die Bundesregelungen der Straßenverkehrsordnung und die dazugehörigen Regelwerke verhindern zurzeit, dass Kommunen ihre Anwohner effektiv vor Motorradlärm schützen können.“