Metzingen In der Bücherei gibt es jetzt auch frisches Gemüse

Das Ehepaar Jäger kommt jeden Donnerstag vorbei, um die Pflanzen an der Bücherei zu gießen. Büchereileiter Ulrich Koch (rechts) packte gestern ebenfalls mit an. Seit April sprießt das Grün auf dem Kelternplatz.
Das Ehepaar Jäger kommt jeden Donnerstag vorbei, um die Pflanzen an der Bücherei zu gießen. Büchereileiter Ulrich Koch (rechts) packte gestern ebenfalls mit an. Seit April sprießt das Grün auf dem Kelternplatz. © Foto: Thomas Kiehl
Regine Lotterer 25.08.2017

Aus alten Milchtüten sprießen Erdbeeren, Feuerbohnen hängen pflückfertig an der Fachwerkfassade, in großen Blumenkübeln blühen Zinnien und Kosmeen: Rund um die Metzinger Stadtbücherei entstand in den vergangenen Monaten eine farbenfrohe Oase auf dem ansonsten eher nüchtern anmutenden Kelternplatz. Im April ging die begrünte Bücherei an den Start, im Oktober soll das Projekt enden, das tagtäglich die Blicke zahlreicher einheimischer und auswärtiger Besucher auf sich lenkt. „Wir werden von vielen Passanten angesprochen“, erzählt Büchereileiter Ulrich Koch. Sie fragen beispielsweise nach, welche Pflanzen gerade blühen oder welche Obstbäume rund um das historische Gemäuer zu finden sind: „Das Interesse ist groß.“

Für all das, was am Gebäude reift, gilt das Motto „bitte zugreifen“. An den Beeren, die üppig gedeihen, laben sich vor allem die Kinder, Erwachsene dagegen trauen sich nicht so recht an die fremden Früchte heran, hat Ulrich Koch beobachtet. Allerdings findet sich in der Bücherei ein Korb mit frisch geerntetem Gemüse oder Kräutersträußchen, aus dem sich jeder Besucher bedienen darf. Ein Angebot, das sehr gut ankommt, sagt Koch. Mutwillig zerstört wurde bislang übrigens noch keine einzige Pflanze.

Zu den Stammgästen im kleinen Garten auf dem Kelternplatz gehören Heidi und Kurt Jäger. Das Ehepaar ist erst vor neun Wochen in die Sieben-Keltern-Stadt gezogen, zurück blieb ein großer Garten, den die Jägers immer mit großer Begeisterung bestellt haben. Als sie hörten, dass die Bücherei noch Ehrenamtliche sucht, die die Pflanzen regelmäßig gießen, meldeten sie sich deshalb sofort. Auf diese Weise erhalten sie sich auch in der neuen Heimat ein kleines Stückchen eigenes Grün. „Die Arbeit macht richtig Spaß“, erzählen die beiden lachend. Immer donnerstags kommen sie vorbei, um alle Pflanzen mit Wasser zu versorgen. Eine gute Stunde brauchen sie dafür, im Gegenzug nehmen sie regelmäßig Kräuter für die heimische Küche mit. Auch Salat und Kohlrabi fanden schon den Weg in Kochtopf und Schüssel. Das selbst gezogene Gemüse, sagen die Jägers, schmecke einfach toll, die große Vielfalt der Pflanzen, die rund um die Bücherei gedeihen, begeistert das Ehepaar gleichfalls.

Linsen und Dinkel zum Schluss

Begeistert vom Projekt sind auch Ulrich Koch und seine Mitarbeiter. Die viele Arbeit, die in der Aktion stecke, habe sich gelohnt. Zum einen wuchs die Verbundenheit innerhalb des Teams, neue Potenziale wurden entdeckt. Zum anderen gelang es, die Art und Weise, wie die Bücherei in der Stadt wahrgenommen wird, zu verändern. Das mag auch an den vielen Gemeinsamkeiten liegen, die einen Garten und eine Bibliothek miteinander verbinden: Hier wie dort gibt es immer wieder Neues zu entdecken, ungewohnte Einblicke und anregende Ideen lassen sich gleichfalls an beiden Plätzen finden. Um möglichst viele Metzinger ins Pflanzprojekt einzubeziehen, hat sich das Büchereiteam mit Vereinen und Institutionen vernetzt. Diese Kooperationspartner erlebten in den vergangenen Monaten nicht allein, wie sich der Anblick der Kalebskelter stetig veränderte, sie erhielten auch die Möglichkeit, das Gebäude als eine wichtige Einrichtung für das Miteinander in der Stadt zu erleben. Zumal zahlreiche Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene das Thema Garten aufgegriffen haben: Im Angebot war etwa ein Seminar über die Wirkung von Heilkräutern.

Zum Abschluss der begrünten Bücherei sind die Metzinger im Oktober zu einer Fotoausstellung eingeladen, die das Büchereiteam in Kooperation mit dem Biosphärengebiet organisiert. Es geht um seltene und regionale Kulturpflanzen wie etwa Linsen oder Rotweizen. Zu guter Letzt wird Christof Altmann das Jahr des Gärtners unter kabarettistischen Gesichtspunkten beleuchten. Am Donnerstag, 26. Oktober, gastiert er ab 20 Uhr in der Kalebskelter. Dort können auch Eintrittskarten erworben werden.