Neuffen In 95 Jahren ist kein Treffen ausgefallen

Kirche statt Bergfest: Wegen des Wetters sind die Gläubigen in das Neuffener Gotteshaus umgezogen.
Kirche statt Bergfest: Wegen des Wetters sind die Gläubigen in das Neuffener Gotteshaus umgezogen. © Foto: Mara Sander
Neuffen / MARA SANDER 05.08.2014
Seit 95 Jahren gibt es das Jusi-Treffen der Altpietisten am ersten Sonntag im August. Ausgefallen ist es nie. Aber ab und zu war wegen des Wetters nicht der Jusi sondern die Martinskirche in Neuffen das Ziel.

Das 95. Jusi-Treffen der Altpietisten, genannt "die Apis" fand am Sonntag wegen des schlechten Wetters nicht auf dem Jusi, sondern in der Neuffener Martinskirche statt. "Ausgefallen ist das Treffen nie, auch nicht im Krieg", erklärt Organisator Fritz Klein. Erst am Samstagmittag fiel die endgültige Entscheidung, den Treffpunkt für mehrere hundert Gläubige in die Martinskirche zu verlegen.

Viele ältere Besucher waren dafür sehr dankbar, "denn auf den Berg hätten wir es nicht geschafft, wie früher", erzählte ein Grafenberger Ehepaar, noch von Zeiten als sie mit dem Fahrrad auf den Jusi fuhren - oder mühelos nach oben wanderten. "Es ist immer etwas Besonders. Anders als der normale Gottesdienst, weil besondere Prediger kommen und man Leute aus anderen Orten trifft", schildern sie das beliebte Gemeinschaftserlebnis.

Entstanden ist das Jusitreffen als der vielleicht älteste "Gottesdienst im Grünen" in der Region und darüber hinaus, um den Menschen nach dem ersten Weltkrieg wieder Halt und Orientierung zu geben. Denn viele plagten Zweifel angesichts der Schicksale. Sie gingen nicht mehr in die Kirche. So entstand die Idee, dass die Kirche zu den Menschen kommen sollte. Dass man gemeinsam "einen Ausflug zu Gott" auf den Jusi machen könne.

Damals gab es noch nicht viele Ausflugsmöglichkeiten. Die Predigten verfehlten ihre Wirkung nicht, so dass viele Menschen schon seit Jahrzehnten zum Jusitreffen kommen.

Evangelist Stefan Lepp erweckte mit einer besonderen Bibel Aufmerksamkeit. Die hatte entweder leere, gezeichnete oder farbige Seiten, je nachdem, ob der Glaube reine Kopfsache ist oder nicht.

Der Schorndorfer Dekan Volker Teich sprach in seiner Predigt am Vormittag über das an die Jahreslosung angelehnte Thema "Gott ist nah - was für ein Glück" und nachmittags in seiner Ansprache über die damit verbundenen Chancen. Für die musikalische Gestaltung war der Posaunenchor mit Bläsern aus den umliegenden Orten unter Leitung von Andreas Kiedaisch aus Neuffen zuständig.