Wer sich als Konzertgänger schon einmal die enge Treppe hinunter in den Gewölbekeller begeben hat, der versteht die Faszination von Jazzmusik. Denn in der Haaggasse 15/2 ist der Tübinger Jazz zuhause.

Während im oberen Bereich ein Barbetrieb untergebracht ist, veranstaltet der Jazzclub ein Stockwerk tiefer seit 30 Jahren regelmäßig Konzerte, Jamsessions und Partys. Doch eigentlich begann die Geschichte dieses Jazzclubs viel früher: Vorstand Martin Trostel und Dizzy Krisch berichten beim Jubiläumsempfang dieser Tage über die Gründerzeiten, als sich 1959 einige junge Jazzmusiker zusammen taten und einen Keller namens "Jazz im Hot-Club" eröffneten, der dann ab Sommer 1960 in "Uptown Jazzclub" umgetauft wurde.

Den heutigen Jazzclub schließlich riefen 1984 Gunilla Weinraub, Armin Keller, Dizzy Krisch und Helmut Müller ins Leben: "Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, in Tübingen ein Forum für lokale Bands und Nachwuchstalente zu schaffen", sagt Mitgründer Dizzy Krisch. Dieser Anspruch besteht bis heute, auch wenn die finanziellen und räumlichen Möglichkeiten an ihre Grenzen stoßen. Dem kleinen Club in der Haaggasse gelang es trotzdem, sich als Institution in der regionalen Musikszene zu etablieren.

Daran hat sowohl die einzigartige Atmosphäre ihren Anteil als auch der Mix aus jungen Talenten sowie profilierten Musikern, der das Lokal regelmäßig bespielt. Rund 50 Veranstaltungen im Jahr organisiert der derzeitige Programmgestalter Anselm Krisch (Sohn des Mitgründers Dizzy) im Kellergewölbe.

Nicht nur die Mittwoch-Jamsessions entwickelten sich zu wahren Kultveranstaltungen, auch der jahrelang ausgetragene Boogie-Klassiker "Bag of Goodies" oder die Soul- und R&B-Parties wurden weithin bekannt. Selbst ein großer Brand im Dezember 1991 bedeutete nicht das Ende. Im instand gesetzten Keller konnte der Konzertbetrieb bald wieder weitergehen.

Inzwischen haben sich auch die Reihen "Meet the students" für Unibands oder "Young Sessions" für Einsteiger etabliert. Und auch die Zusammenarbeit mit anderen Tübinger Institutionen "läuft hervorragend", betont der Erste Vorsitzende Martin Trostel.

Im Sudhaus stieg denn auch das Sonderkonzert zum 30. Keller-Geburtstag. Es spielten auf fünf Musiker, die alle schon mal den Landesjazzpreis gewonnen haben, jeweils eigenen Bands vorstehen und mit dem Jazzclub eng verbunden sind. Der Saxofonist Peter Lehel hat 2011 dieses Jazzensemble Baden-Württemberg gegründet, dem noch Thomas Siffling (Trompete), Daniel Prandl (Piano), Axel Kühn (Bass) und Bodek Janke (Drums) angehören. Mit im Gepäck hat die Formation ihr erstes, Anfang 2014 erschienenes Album "Edition 13".

Und tatsächlich machen die Fünf zwei Stunden lang Jazz sinnlich erlebbar, indem sie wohlklingende Eigenkompositionen wie "Cry for East", "Reflections Baden Song" oder "Bright Nights" mit bewundernswerter Leichtigkeit und Frische interpretieren. Dieses Ensemble macht Appetit auf mehr Jazz - und auf die nächsten 30 Jahre des Tübinger Jazzclubs.