Es könnte so schön sein. Ein Grundstück im Neugreuth (wo jetzt noch das evangelische Gemeindehaus steht) mit Kapazität für 43 Wohnungen stünde bereit und müsste nur bebaut werden. Es ist wie geschaffen für die Stiftung „Communia“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, in der Stadt bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Stiftung sammelt dafür Geld, erwirbt Gebäude oder Grundstücke, lässt Wohnungen bauen oder sanieren und überlässt diese privaten Investoren, schließt mit denen aber einen Vertrag nach Erbbaurecht ab.

Für das zweite Grundstück fehlt Geld

Das heißt: Für etwa 100 Jahre bleibt der so geschaffene Wohnraum unterm Dach sozialer Kontrolle und bleibt dem Zugriff von Immobilienmaklern und Spekulationsgewinnlern entzogen. Die Sache hat einen Haken: Um Häuser oder Grundstücke erwerben zu können, benötigt die Stiftung Kapital. Ein erstes Grundstück in der Nürtinger Straße hat Communia bereits erworben. Dass noch nicht gebaut wird, liegt an einer bislang noch nicht geklärten Frage des Wegerechts, auf deren Beantwortung der Eigentümer des Nachbargrundstücks pocht. Eine Lösung sei allerdings in Sicht, sagt Metzingens Erste Bürgermeisterin Jacqueline Lohde. Dem Gemeinderat soll bis zum Jahresende der Bauantrag vorgelegt werden. 14 Wohnungen finden darin Platz, zudem gibt es noch Raum für Gewerbe. Doch um das neue, das zweite Grundstück kaufen zu können, fehlt noch das Geld.

Communia schreibt Unternehmen an

Deswegen hat Communia in den vergangenen Monaten etwa 200 Unternehmen angeschrieben mit der Bitte, die Stiftung finanziell zu unterstützen. „Die Resonanz ist sehr groß“, sagt die Erste Bürgermeisterin. 30 Unternehmen haben bereits zugestiftet und so dazu beigetragen, dass statt der anfangs 100 000 Euro nur noch 90 000 fehlen. Das zeigt aber: Die Firmenchefs sind dem Vorhaben gegenüber zwar aufgeschlossen, sie halten sich aber, was das Zustiften anbelangt, mit ganz großen Summen zurück. Halb so wild, sagen die Communia-Verantwortlichen.

Bezahlbarer Wohnraum ist unabdingbar

Geld mag wichtig sein, ein wachsendes Bewusstsein in der Stadt dafür, dass bezahlbarer Wohnraum nicht vom Himmel fällt und auch nicht allein Sache der Stadtverwaltung ist, könnte auf lange Sicht freilich mindestens so wertvoll werden. „Für die Unternehmen muss es doch von Interesse sein, dass ihre Mitarbeiter nicht immer pendeln müssen“, argumentiert Jacqueline Lohde, die ihr Werben um Zuspendungen demnächst auch auf Privatpersonen ausweiten möchte.

Michael und Martin Wurz (sie führen eine Metzgerei in Metzingen) haben sich überzeugen lassen und kürzlich 1000 Euro zugestiftet. „Bezahlbarer Wohnraum ist unabdingbar für eine belebte Stadt“, sagt Michael Wurz, „die Mietpreisentwicklung spricht eine andere Sprache.“ Communia, sagt er, „ist eine gute Sache“.

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