Unsere Reise durch Mato Grosso/Brasilien führte uns vergangene Woche ins Pantanal, das mit 230 000 Quadratkilometern das weltweit größte Süßwasser-Sumpfgebiet ist. Das Pantanal bietet Platz für mehr als 1000 verschiedene Tierarten und mehr als 2000 Pflanzenarten. In der Regenzeit sind zwei Drittel des Pantanals komplett überflutet, sodass die Bäume metertief unter Wasser stehen. Die Pflanzen haben sich den Gegebenheiten soweit angepasst, dass der größte Teil überlebt und mit seinen Wurzeln den Boden vor Erosion schützt. Durch das Eingreifen des Menschen in dieses System wird das ökologische Gleichgewicht gestört.

Drei Faktoren, die miteinander verknüpft sind, stellen die größte Gefahr für das Pantanal dar: die Soja-Monokulturen, die Abholzung und die Überfischung. Unsere Pantanal-Exkursion hat uns geholfen zu verstehen, wie die drei Punkte zusammenhängen und was sie mit unserem eigenen Fleisch-Konsum zu tun haben: 80 Prozent des nach Deutschland importierten Sojas wird in Mato Grosso erwirtschaftet. 93 Prozent davon werden als Futtermittel exportiert, zum Beispiel für die 14 Millionen Rinder und 23 Millionen Schweine der deutschen Massentierhaltung.

Um die Sojaproduktion zu vergrößern, werden weite Teile des Pantanals gesetzeswidrig abgeholzt. Die Grafik zeigt, wie rasant sich die brasilianische Sojaproduktion in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat - proportional zum weltweiten Fleischkonsum. Inzwischen exportiert Brasilien jährlich über 70 Millionen Tonnen Soja, Tendenz steigend.

Auf den Sojaplantagen wird intensiv mit Agrarchemie gearbeitet. Flugzeuge fliegen über die Plantagen hinweg und versprühen ohne Rücksicht auf Arbeiter und Tiere Pestizide und Düngemittel. Auf großen Schiffen wird das Soja quer durch das Pantanal nach Montevideo gebracht und gelangt von dort nach Europa, in den Hafen von Rotterdam. Um die Transportkosten zu verringern ist es geplant, den Rio Paraguay zu vertiefen, damit noch größere Containerschiffe ihn passieren können.

Durch diese Vertiefung würde in der Regenzeit nicht mehr das gesamte Gebiet überflutet werden, wodurch ein Großteil der Pflanzen aus ihrem Gleichgewicht gerissen würde. Durch die fehlenden Wurzeln der Pflanzen nähme die Bodenerosion stark zu. Eine Alternative zur Wasserstraße stellt eine Zugstrecke dar, dafür gibt es aber bis jetzt keine starke politische Lobby.

Auch sind immer mehr Wasserkraftwerke im Bau und in Planung, um die wachsende Industrie mit Energie versorgen zu können. Die unnatürliche Stauung hat zur Folge, dass Seitenarme des Flusses komplett austrocknen und die Tier- und Pflanzenwelt gestört wird.

Durch diese Eingriffe in die Natur wird aber nicht nur der Lebensraum von Pflanzen und Tieren zerstört, sondern auch die Existenzgrundlagen der dort lebenden Menschen: Die Ribeirinhos wohnen seit Jahrhunderten in Dörfern am Flussufer. Sie leben vom Fischfang und von dem, was sie der Natur entnehmen können. Diese Bewohner sind zwar vom Gesetz her geschützt, jedoch schützt sie keiner vor der Gefahr der Flussverschmutzung und Flussaustrocknung.

Viele dieser Dörfer lösen sich auf und die Bewohner wandern in die Städte ab. Ohne die nötige Ausbildung ist es für sie dort allerdings sehr schwer, Arbeit zu finden. Da sie traditionell vom Fischfang gelebt hatten, bauen viele von ihnen - um überleben zu können - am Ufer des Rio Paraguay illegale Flöße, unter denen sie Fässer mit Mais platzieren, der langsam heraussickert. So locken sie massenweise Fische an. Dies hat zur Folge, dass der Fluss überfischt wird.

Dazu kommen noch die städtischen Touristen, die sich am Wochenende als Fischer vergnügen. Jedes Wochenende werden Busladungen von ihnen aus ganz Brasilien angefahren. Auf großen Ausflugsbooten vergnügen sie sich beim Fischfang. Eines dieser Boote haben wir für unsere Exkursion gemietet, aber statt zu angeln haben wir uns von der Vielfalt der Tierwelt faszinieren lassen. Wir haben Krokodile, Capivara-Herden (eine Mischung aus Meerschwein und Biber), Tuiuius (große Wasservögel, die es nur im Pantanal gibt) beobachtet und am Strand sogar Spuren von Leoparden gefunden.