Sanierung Im Advent soll St. Gallus wieder strahlen

ALEXANDER THOMYS 04.11.2016
Pfarrer Albrecht Lächele steht Mitten in der St. Gallus-Kirche in Böhringen. Also Mitten in einer Baustelle. Zum ersten Advent soll alles fertig sein, dann kommt Prälat Professor Dr. Christian Rose zur Einweihung.

Pfarrer Albrecht Lächele steht mitten in der St. Gallus-Kirche in Böhringen. Also mitten in einer Baustelle, anstelle der Kirchenbänke sind frisch eingezogene Holzbalken am Boden zu sehen, die Orgel ist hinter schützender Folie verpackt und unter den Treppen zur Empore stapelt sich Baumaterial. Und doch ist Lächele begeistert, sieht die Zukunft der Kirche bereits vor sich: „Sie wird viel heller und fröhlicher.“ Zum ersten Advent soll alles fertig sein, dann kommt Prälat Professor Dr. Christian Rose zur Einweihung.

Und spätestens dann können sich auch die Böhringer ein Bild der frisch renovierten Kirche machen – falls sie nicht schon auf der Baustelle mitgeholfen haben. Was nicht wenige der 1250 Mitglieder starken Kirchengemeinde tun. „Der harte Kern sind 20 Helfer, aber bis jetzt haben insgesamt schon 100 Leute bei der Renovierung mitgewirkt“, sagt Pfarrer Lächele dankbar und stolz zugleich. 2800 Stunden ehrenamtlicher Arbeit kamen bisher zusammen. „Damit haben wir sicher 100 000 Euro eingespart“, sagt Lächele.

Nur „ideelle Unterstützung“

Und doch werden die Arbeiten am Ende fast 600 000 Euro kosten. Ein Drittel der Summe finanziert die Landeskirche, der Kirchenbezirk steuert weitere zehn Prozent bei. Von der weltlichen Gemeinde gibt es dagegen nur „ideelle Unterstützung“, wie es Lächele formuliert. So habe die Gemeinde den Ehrenamtlichen etwa mit Geräten unter die Arme gegriffen, Geld für die große Kirche, die vor der Renovierung 800 Gläubigen Platz bot, gab es dagegen nicht. Künftig soll die Kirche 750 Plätze bieten, dafür aber einen Raum für Begegnungen und für Musikgruppen bereit stellen.

Getan wird in der St. Gallus-Kirche eine ganze Menge: Decken und Holzelemente wurden unter der Aufsicht des Restaurators Rüdiger Widmann neu gestrichen, wobei die tragende Farbgebung in der 1884 bis 1886 gebauten Kirche von sechs auf vier Farbtöne reduziert wurde. Zugleich wird der Holzboden auf dem Fundament erneuert, die Kirchenbänke geschliffen und neu lasiert. Dies geschah hauptsächlich im Ehrenamt – ebenso wie der Abbau und der nun anstehende Einbau der Bänke. Auch die Elektrik wird erneuert und die Kirche an die Nahwärme der „Neuen Energie Römerstein“ angeschlossen. Durch die neue Technik erhofft sich die Gemeinde eine Einsparung von einem Drittel der Energiekosten.

Energieeinsparung erhofft

Auch die Bodenfliesen beschäftigten die Bauarbeiter: Nachdem das Landesdenkmalamt einen Austausch des Bodens untersagt hatte, wurden einzelne abgegriffene Fliesen durch nahezu identische Neue ausgetauscht. Im Chorraum, der zum ältesten Teil der Kirche gehört und wohl Ende des 15. Jahrhunderts gebaut wurde, hat Restaurator Widmann die alte Wandbemalung behutsam gesichert und sichtbarer gemacht. Bei allen Arbeiten stimmte sich Pfarrer Lächele mit dem Gemeinderat, dem Restaurator, der Denkmalbehörde und dem Architekturbüro Keller ab. Zum 1. Advent soll alles fertig sein, die Baustelle aus dem Gotteshaus weichen.

Nachdem 2010 bereits die Außensanierung der Kirche für fast 350 000 Euro abgeschlossen wurde, ist die Kirche dann wieder auf der Höhe der Zeit. „Ich habe die begründete Hoffnung, dass nun die nächsten 50 Jahre nichts mehr kommt“, sagt Lächele. Zuversichtlich stimmt ihn, dass die Bausubstanz in einem sehr guten Zustand sei. „Vor 130 Jahren ist schon ordentlich gebaut worden.“