Neuhausen Ideal und Pose des Weiblichen

Freia Fischer: "Man greift, man begreift." Foto: Wieland Lehmann
Freia Fischer: "Man greift, man begreift." Foto: Wieland Lehmann
Neuhausen / WIELAND LEHMANN 24.09.2012
Zwei Künstler in einem spannenden Dialog, die Ausstellung von Konrad Schlipf und Dr. Wilfried Reiff ist eröffnet. Zahlreiche Gäste begegnen beziehungsreicher künstlerischer Aneignung und Umsetzung.

Unter Kunst vermerkt Meyers Großes Konversations-Lexikon von 1905: Entwicklung und Veredelung des menschlichen Lebens und Strebens. Freia Fischer zitierte in ihrer Einführung bei der Vernissage der Ausstellung im Gewölbekeller des Bindhofs den französischen Lyriker, Philosophen und Essayisten Paul Ambroise Valéry: "Spielend verwandelt der Künstler, was wir so lieben." Die Sprecherzieherin, Sprecherin und Logopädin, die selbst in ihrem Turmatelier in Bleichstetten künstlerische Werke der Öffentlichkeit zugänglich macht, erschloss den Gästen in ihrer Einführung zu den Werken von Konrad Schlipf und Dr. Wilfried Reiff eine ganze Bandbreite von Bezügen und Deutungen.

Die Ausstellung vermittle einen Dialog von Ideal und Pose des Weiblichen. Bezogen auf die langen Stoffbahnen mit Drucken von Wilfried Reiff sprach sie von einem "Laufsteg zwischen Tanztheater und Outlet". In seinen Bildern zeigten sich leidenschaftlich und spielerisch Gestik und Körperausdruck. Konrad Schlipfs Torsi strahlten eine große Ruhe aus, gingen auf die Urformen zurück, erinnerten an die ersten Kunstwerke der Menschheit. Reiffs Frauen beeindruckten durch ihr Nichtkommunizieren und erzählten doch Geschichten. Schlipfs Figuren stehen auf Säulen wie Idole und sind doch der Wirklichkeit verbunden. Ein Torso gestatte Bezüge zur Fruchtbarkeitsgöttin, der Engel zur Siegesgöttin Nike. Reiffs Bilder zeigten Anklänge an die afrikanische Kultur und bleiben doch gegenwartsbezogener Aussage verbunden.

In den unterschiedlichen Materialien, bei Schlipf Stein und Holz, bei Reiff Holz bei den Druckstöcken, seien die feinen und rauen Strukturen erkennbar. Und in diesen Materialien gewinne die Zeit gegenwärtigen Bestand, etwa an den erkennbaren Maserungen. "Man greift, man begreift", wertete Freia Fischer das Fühlen des kühlen Steins, des alten Holzes. Man komme der Urform des Lebens nahe. "Die Ausstellung ist ein Gesamtkunstwerk, der Dialog der Werke sei meisterlich", schloss Freia Fischer ihre Ausführungen, und sie beglückwünschte nicht nur die beiden Künstler, sondern auch die Gemeinde für das Erlebnis einer solchen Ausstellung.

"Es passt alles ganz wunderbar zusammen", sagte Ortsvorsteherin Lilli Reusch bei ihrer Begrüßung der zahlreichen Gäste. Und sie meine damit nicht nur die Werke der beiden Künstler, sondern auch das Ambiente des Gewölbekellers, die Klänge, die Kandara Diebate aus Senegal und Ursula Branscheid-Diebate ihren Choren, afrikanischen Lauten, entlockten. Für Hans-Joachim Reglin, Projektleiter der Stadtentwicklung GmbH (STEG), war es eine Premiere: zwei Künstler stellen hier gemeinsam aus und es ist die zehnte Kunstausstellung. Seine Firma prägt nicht nur die Ortskernsanierung, sondern betätigt sich auch als Sponsor für diese Ausstellungen.

Es gab bei der Vernissage genügend Anregungen, sowohl von den Bildern selbst als auch von den Einführungsworten von Freia Fischer und den eigenen ersten Eindrücken.

Die Ausstellung ist Mittwoch und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr und Sonntag, 30. September, von 11 bis 18 Uhr sowie Mittwoch, 3. Oktober, von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Termine sind unter Telefon: (0 71 23) 4 13 31 zu vereinbaren.

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