Nie war das Waschbrett so wertlos wie bei diesem Wettbewerb. Damit meinen wir nicht das Trödel-Utensil, mit dem Urgroßmutter die Unterwäsche schrubbte. Nein, es geht um den guten alten Sixpack – für viele die Krone eines trainierten Körpers. Doch genau den perfekten Body will keiner sehen, wenn am 18. Mai in Leinfelden die Kür der schönsten Kurven ansteht. Die Riedericherin Constanze Weissinger-Zito und weitere Jurymitglieder suchen wieder Frauen von Format und wählen die „Miss Happy Curvy“. Und was heißt hier Miss? Gefragt sind dieses Mal auch Männer mit ein paar Pfunden mehr auf den Rippen. Wohlfühkilos statt Waschbrett. Schon paradox. Je mehr der Körperkult gehypt wird, desto mehr Gegenwind bläst der mageren „Next-Topmodel“-Fraktion ins Gesicht. Füllige Frauen wie Rubenslady Angelina Kirsch sind bestens gebucht und durfen neuerdings sogar Mode-Kollektionen für Discounter entwerfen. Schönheitswettbewerbe für Frauen von Format boomen, und große Modezeitschriften verzichten in ihren Fotostrecken oft ganz auf professionelle Mannequins.

Gardemaß XXL

Klar, dass die Männer da nicht außen vor bleiben. Elfi Ochs, die Inhaberin einer Stuttgarter Modelagentur, und das Plus-Size-Model Constanze Weissinger-Zito vergeben im Frühjahr erstmals den Titel des „Mister Special Size“. Hinter diesem Begriff stecken Kerle, die alles sind nur nicht gewöhnlich: Ob Mann mit Plautze, Mann mit ausladender Hüfte oder Mann mit Gardemaß XXL, einer Körpergröße von zwei Metern und mehr: Wer nicht mithalten will mit optisch Makellosen wie Mario Gomez und Cristiano Ronaldo, der kann im Frühjahr in der Federhalle um den Mister-Titel schaulaufen. Dafür gibt es am Ende nicht nur Modeljobs, sondern auch eine Botschaft von den Machern des etwas anderen Schönheitswettbewerbs: Schön ist nicht nur das Perfekte, lautetet die. „Jeder ist etwas Besonderes und sollte selbstbewusst durchs Leben gehen“, sagt Constanze Weissinger-Zito.

Erfahrungen mit anderen teilen

Doch mit dem Selbstvertrauen ist es so eine Sache. Kaum ein Schwergewichter saugt das schon mit der Muttermilch auf. Auch nicht einer wie Volker Baumann. Der Pfälzer zählt zu den sieben männlichen Finalisten, die es in die Endrunde im Mai geschafft haben. Auf den ersten Blick der klassische Siegertyp: Groß, breite Schultern, Hipster-Vollbart und graumelierte Haare. Baumann führt heute gerne die neueste Mode vor – er steht zu seiner Körperfülle und seinem Gewicht von mehr als 100 Kilogramm. Doch der Techniker weiß aus seiner Kindheit und Jugend, was es heißt, gehänselt und schräg angeschaut zu werden. Irgendwann wollte er seine Erfahrungen mit anderen teilen und gründete mit seiner Frau Katja den Blog namens „Kurvige Liebe“.Im Netz schrieben die beiden über Mode in Übergrößen und schlagen auch immer wieder persönliche Töne an. Ziel des Ehepaares: In der Gesellschaft müsse es normal werden, dass Menschen nun mal unterschiedlich sind, so Baumann in einem Interview. Über seinen Weg hat der Kandidat aus Kaiserslautern neulich sogar in der „Landesschau“ des SWR-Fernsehens berichtet.

Gelitten unter Gängeleien

„Ich will mich nicht mehr verstecken müssen“, sagt auch Isabel Werner überzeugt. Die 29-Jährige aus Genkingen hat sich ebenfalls für das Finale der Misswahlen qualifiziert. Sie muss sich dort gegen 25 weitere Teilnehmerinnen behaupten, darunter mit Claudia Ellguth eine weitere kurvige Schönheit aus dem Landkreis, aus Reutlingen. Dass sie selbst einmal über einen roten Teppich flanieren würde, das hätte sich Isabel Werner früher nie träumen lassen. Auch sie musste mit Spott umgehen können, „weil ich schon „immer etwas fülliger war“, erzählt die Sonnenbühlerin, die Kleidergröße 42/44 trägt. Gelitten hat sie vor allem unter den Gängeleien in der Schule. „Die meisten Mädels waren halt schlank.“ Als Jugendliche verkroch sich Isabel Werner deswegen gerne zuhause, kämpfte gegen jedes Gramm. Erst als Erwachsene lernte die junge Frau, sich zu akzeptieren – ihr heutiger Job im Verkauf einer Textilfirma hat ihr dabei geholfen. Jetzt folgt nochmals ein großer Schritt – vor die Jury einer Misswahl. „Ich freue mich total aufs Finale. Und egal, wie alles ausgeht: „Jede Frau ist schön.“

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In der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen treten am Samstag, 18. Mai, 26 Frauen und sieben Männer um den Titel in einem etwas anderen Schönheitswettbewerb an.