Hülben Hülben will am Ball bleiben

Das Konzept scheint zuzusagen, die Skepsis herrscht bezüglich der Kosten.
Das Konzept scheint zuzusagen, die Skepsis herrscht bezüglich der Kosten. © Foto: Das Konzept scheint den anwesenden Hülbenern zuzusagen. Skepsis herrscht allerdings bezüglich der Kosten. Foto: Nicole Wieden
Hülben / Nicole Wieden 14.07.2018

Ein Fußball wurde symbolisch zwischen den Rednern weitergereicht, die in der Rietenlauhalle am Donnerstagabend vor geladener Einwohnerschaft über die derzeitigen Bauvorhaben der Gemeinde referierten. Denn in den vergangenen Jahren haben sich in Hülben mit Blick auf die Zukunft Fragen aufgetan, über deren Lösung gemeinsam nachgedacht werden muss. Angesichts einer ungewissen Nachfolge der örtlichen Allgemeinmediziner sowie dem Umstand, dass die Kapazität des evangelischen Kindergartens bald an seine Grenzen stoßen wird, bilden die Themen Gesundheit und Kindergarten die Schwerpunkte der Überlegungen.

Ein umfangreiches Projekt

Im Gemeinderat und der Verwaltung diskutiert man derzeit, ob die anstehenden Projekte in einem Gesamtvorhaben bewältigt werden können. Daraus ergäbe sich eine Vernetzung, die unter dem vorläufigen Arbeitstitel „Familien-Campus“ gerade in Zeiten des Fachkräftemangels einen attraktiven Standort für unterschiedliche Berufsgruppen bilden könnte. Auf diese Weise wäre die medizinische Versorgung Hülbens nicht nur garantiert, sondern könnten in ihrer Qualität – sofern die vorgestellten Konzepte tatsächlich realisiert werden – in Baden-Württemberg einzigartig sein, so Bürgermeister Siegmund Ganser.

In seinen Ausmaßen ungewöhnlich umfangreich, soll das Projekt von der Gemeindeverwaltung, den künftigen Betreibern, der Kommunalen Gesundheitskonferenz des Landkreises Reutlingen sowie durch die Bürgerschaft entwickelt und umgesetzt werden. Mit der Koordination wurde der Stuttgarter Dienstleister im Städtebau STEG beauftragt.

Die Referenten Dr. Gottfried Roller vom Kreisgesundheitsamt und Unternehmensberater Klaus Freund gingen in ihren Präsentationen auf die medizinische Versorgung auf dem geplanten Campus ein: Angedacht ist ein Gesundheitszentrum, das sich um die allgemeinmedizinische Versorgung herum aufbaut. So sollen therapeutische, pflegerische und auch pädagogische Angebote angegliedert werden. Was also das geplante Zentrum von einem regulären Ärztehaus unterscheidet, ist vor allem der Fokus auf Prävention und Nachsorge – beispielsweise durch medizinische Wellness in einer Salzgrotte.

Einen zweiten Block wird das Nachsorgezentrum für Senioren bilden. Zusätzlich zur Kurzzeit- und Tagespflege sollen dort Erholungsmöglichkeiten für die pflegenden Angehörigen bestehen. So könnten sowohl die zu Pflegenden als auch ihre Angehörigen eine Auszeit nehmen, ohne eine Trennung zu erfahren. Eine Vernetzung mit dem Gesundheitszentrum gewährleistet die ärztliche Versorgung und ermöglicht ein barrierefreies Entspannungsangebot.

Als Standort ist das Areal zwischen Haupt- und Schulstraße um den bestehenden Kindergarten herum vorgesehen. Gerade seine Umstrukturierung nämlich ist Ausgangspunkt des Bauvorhabens: Während es noch unklar ist, ob das alte Gebäude saniert oder aber ein Neubau entstehen soll, befürworten der Gemeinde- und Kirchengemeinderat letztere Option. Berücksichtige man den methodischen Wandel in der Pädagogik seit den 80er Jahren, biete das derzeitige Gebäude keine geeignete Raumstruktur.

Im Falle eines Neubaus auf demselben Areal, könnte das alte Gebäude Kulturangebote beherbergen. Auch Kindergarten und Kulturzentrum würden sich dann unter dem metaphorischen Dach des Familien-Campus befinden: „Wo genau sich die Einrichtungen befinden werden, ist noch offen“, erklärt Bürgermeister Ganser, der am Ende der Veranstaltung bei den Einwohnern noch einmal vehement für das Vorhaben warb. Zentral sei vielmehr die strategische und logistische Verbindung zwischen den Einrichtungen.

Bezüglich des Gesundheitszentrums wurden im Vorfeld mit 19 Hülbenern Gespräche geführt. Die Reaktionen seien dabei positiv ausgefallen und auch während der abschließenden Fragerunde am Donnerstagabend schien dies durchaus der Fall zu sein. Allerdings war bezüglich der Durchführung von mehreren Seiten deutliche Skepsis zu vernehmen. So attraktiv das Projekt durch sein umfassendes Angebot wirkt, stellt sich für einige Hülbener die Frage, ob eine Realisierung finanziell überhaupt möglich ist. Abseits von knapp fünf Millionen Euro, die für den Kindergarten sowohl im Falle einer Sanierung als auch bei einem Neubau benötigt werden, wurden trotz erster Kalkulationen noch keine konkreten Zahlen genannt. Die Bürger sind nun an der Reihe, konkrete Gestaltungswünsche zu äußern, sodass zuverlässige Aussagen über das Bauvorhaben und die Kosten gemacht werden können.

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Millionen Euro werden für den Kindergarten etwa benötigt: Eine Sanierung werde mit rund 4,9 Millionen zu Buche schlagen, die Option eines Neubaus wird auf 4,6 Millionen geschätzt.

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