Neuffen / Michael Koch  Uhr

Ministerpräsident Winfried Kretschmann war so richtig in seinem Element. Von Neuffen aus bestieg der passionierte Wanderfreund mit großem Gefolge die Burg Hohenneuffen, um dort der offiziellen Eröffnung einiger neuer Wanderwege, den „Hochgehbergen“, beizuwohnen. Leicht verschwitzt vom Aufstieg, mit entsprechend roten Bäckchen, dafür aber bestens gelaunt, gab der Landesvater Einblick in seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz aus unzähligen Kilometern, die er schon durchs Ländle gegangen ist.

Hochgehbergen: ein ganz neues Konzept

„Ich habe Ihnen hier ein Büschel Waldmeister mitgebracht. Wenn Sie daraus eine Bowle machen wollen, die auch das Waldmeister-Aroma hat, dann müssen Sie die Blätter erst welk werden lassen.“ Sprach’s und veranlasste auch mit weiteren Anekdoten etwa zur Hummel-Ragwurz, der Neuffener Heide oder der Burg Hohenneuffen und der dort abgehaltenen Vereinigungsversammlung von Württemberg und Baden zu anerkennendem Kopfnicken. Es war ganz offensichtlich: Wanderwege einzuweihen gehört zu den Pflichten des Ministerpräsidenten, denen er gerne und freiwillig nachkommt.

Tatsächlich wurde mit den Hochgehbergen ein ganz neues Konzept für die Region erschaffen. Das Land Baden-Württemberg ist im Rahmen seiner Tourismusförderung ebenso mit im Boot wie die Landkreise Esslingen und Reutlingen, das Biosphärengebiet Schwäbische Alb, Mythos Schwäbische Alb, die Albvereine, Tourismusvereine, Natürschützer und der Forst.

Alle zusammen haben sich auf 21 neue Routen in den Kreisen Esslingen und Reutlingen geeinigt, acht davon sind bereits durch das Deutsche Wanderinstitut zertifiziert worden. Sie wurden gestern eingeweiht. Bis zu diesem Herbst sollen die weiteren 13 Rundwege ebenfalls fertiggestellt, geprüft und ausgezeichnet sein.

170 Kilometer qualifizierte Wanderrouten

„Insgesamt sind dann 170 Kilometer qualifizierte Wanderrouten entstanden“, sagte Esslingens Landrat Heinz Eininger. Nimmt man dann noch die Bad Uracher Grafensteigen dazu, dann sind es insgesamt sogar knapp 30 zertifizierte Rundwege, ein Pfund, mit dem die Schwäbische Alb in Sachen Tourismus wuchern kann.

Überhaupt könnte ja der Verdacht aufkommen, Wanderwege gäbe es eigentlich schon genug in der Region. „Die Hochgehberge sind allerdings keine Konkurrenz zu bestehenden Gehstrecken, sie ergänzen und vernetzen das bestehende Angebot“, klärt Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann in seiner Funktion als Vorsitzender von Mythos Schwäbische Alb auf. Kirchturmdenken sei hier fehl am Platze, um eine Wanderregion vermarkten zu können, brauche es ein geschlossenes Netz. Das sei nun entstanden.

In die Bewerbung der Schwäbischen Alb stieg sofort Ministerpräsident Kretschmann ein. Man müsse nur mit offenen Augen durch die herrliche Landschaft laufen, die Streuobstwiesen während der Blütezeit seien ja geradezu paradiesisch. „Vielen hier ist gar nicht bewusst, dass sie dort leben, wo andere gerne Urlaub machen“, so Kretschmann, der noch eines draufsetzte: „Die Schwäbische Alb muss sich in Sachen Attraktivität keinesfalls hinter dem Schwarzwald verstecken.“

Ähnlich sieht das auch Jochen Becker, zweiter Vorsitzender des Deutschen Wanderinstituts. Als Hesse habe er die Alb erst vor wenigen Jahren erstmals wahrgenommen, inzwischen kenne er die Region aber sehr gut und sei ein wahrer Fan von ihr geworden. „In Deutschland einmalig“, fasste es Becker kurz zusammen. Er muss es ja wissen.

Dem hatten die anwesenden Bürgermeister und Kommunalvertreter, die die Urkunden für die Zertifizierungen entgegennehmen durften, freilich nichts mehr hinzuzufügen.

Das könnte dich auch interessieren:

Zahlreiche Besucher kamen am gestrigen Sonntag zur Vernissage der Ausstellung von Hans Fritz in die Innere Kelter.

Die bislang zertifizierten Hochgehberge

hochgehnießen: 6,7 Kilometer langer Rundweg mit 110 Höhenmetern mit Start und Ziel am Freilichtmuseum Beuren.

hochgehfestigt: Auf 9,5 Kilometern führt diese Runde von der Panorama-Therme Beuren hinauf zum Hohenneuffen. Zu bewältigen sind dabei 350 Höhenmeter.

hochgehkeltert: Diese 7,2 Kilometer lange Runde führt vom Grillplatz Schelmenwasen in Neuffen um und zur Burg Hohenneuffen, unter anderem durch die Neuffener Weinberge; 354 Höhenmeter.

hochgehhütet: Ausgehend von der Münsinger Hopfenburg führt dieser Spazierweg über 4,0 Kilometer um das Naturreservat Beutenlay herum; 83 Höhenmeter.

hochgehsprudelt: Diese 8,7 Kilometer lange Runde führt vorbei an mehreren Brunnen um und über den Sternberg auf Gomadinger Gemarkung, 296 Höhenmeter.

hochgehgrenzt: Diese 6,1 Kilometer lange Runde beginnt am Wanderparkplatz Reichartsberg oberhalb des Lautertales bei der Ruine Hohenhundersingen; 161 Höhenmeter.

hochgehbürzelt: Auf der anderen Seite des Lautertals führt diese vier Kilometer lange Runde von Bichishausen nach Gundelfingen und zurück; insgesamt 125 Höhenmeter.

hochgehschätzt: Die längste der bislang zertifizierten Touren führt über 9,2 Kilometer von der Wimsener Höhle aus durch das idyllische Glastal; 195 Höhenmeter.