Viel Geld ist nicht nötig, um einem Kind einen Schulbesuch im Diakoniezentrum Tandala zu ermöglichen. Für 240 Euro im Jahr können die Mädchen und Jungen die Grundschule besuchen und sich damit die Chance auf eine Zukunft eröffnen. Entsprechend groß ist die Nachfrage, wie Anne Maute-Koch erklärt. Sie ist Lehrerin an der Metzinger Seyboldschule und seit Langem mit der Arbeit des Diakoniezentrums vertraut. 45 Kinder stehen aktuell auf ihrer Warteliste, sie alle hoffen, einen der begehrten Plätze zu ergattern. Zu ihnen gehört auch Agata Ibarahimu Sanga. Das zwölfjährige Mädchen ist Halbwaise, die Mutter hat die Familie nach dem Tod des Vaters einfach verlassen. Derzeit lebt das Mädchen bei seiner Tante.

Motto: „Dein Tag für Afrika“

Um Agata und vielen anderen zu helfen, packen die Metzinger Seyboldschüler bei der Aktion Tagwerk an. Unter dem Motto „Dein Tag für Afrika“ waren sie am Dienstag unterwegs, um Geld zu verdienen. Die Kinder der Grundstufe drehten im Metzinger Stadion ihre Runden bei einem Sponsorenlauf, die älteren Schüler hatten sich im Vorfeld eine Arbeitsstelle gesucht. Salvatore und Maurice beispielsweise helfen beim Metzinger Bauhof mit und sind wie die Profis mit Schaufel und Handschuhen am Werk. Ihre Kollegen sind mit den beiden zufrieden, auch den Schülern macht die Arbeit Spaß, obwohl sie ganz schön ins Schwitzen kommen, wie sie berichten.

Der Aktionstag für Afrika bietet den Seyboldschülern nicht zuletzt die Chance, Kontakt mit der Arbeitswelt zu knüpfen. Sie können sich und ihre Talente unter Beweis stellen und auf diese Weise Firmen auf sich aufmerksam machen. „Die Jugendlichen kommen in jedem Fall mit einem großen Erfahrungsschatz zurück“, sagt ihre Lehrerin Anne Maute-Koch. „Die Kinder profitieren sehr von diesem Tag.“ Auf immerhin 37 Arbeitsstellen haben sich die Schüler am Dienstag verteilt. Mithelfen konnten sie beispielsweise in der Gastronomie, im Verkauf oder in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Als Lohn erhalten sie mindestens fünf Euro pro Stunde.

Mit dem Erlös Projekte unterstützt

Während die Älteren bei der Arbeit ins Schwitzen kommen, treibt den Kindern der Grundstufe der Dauerlauf die Schweißperlen auf die Stirn. Sie haben sich Sponsoren gesucht, die für jede gedrehte Stadionrunde bares Geld bezahlen. Jedes Kind warb in einem selbst verfassten Brief um Unterstützung, mit nachhaltigem Erfolg. Alle fanden einen Betrieb, der sie bezahlt, von Elring-Klinger aus Dettingen kam sogar eine Spende über 500 Euro für die Aktion Tagwerk.

Wie viel Geld die Seyboldschüler am Dienstag verdient haben, steht noch nicht fest. Anne Maute-Koch geht allerdings davon aus, dass wieder um die 1700 Euro zusammengekommen sind. Diesen Betrag erwirtschafteten die Kinder und Jugendlichen auch schon im vergangenen Jahr. Außer dem Diakoniezentrum im tansanischen Tandala werden mit dem Erlös Projekte in weiteren sieben afrikanischen Ländern unterstützt. Außerdem fließt das Geld in Sprach- und Integrationskurse für junge Geflüchtete in Deutschland.

Die Aktion Tagwerk


Organisiert und veranstaltet wird die Kampagne „Dein Tag für Afrika“ seit 2003 vom gemeinnützigen Verein Aktion Tagwerk. Die Idee, die dahinter steht, ist einfach: Schüler gehen an einem Tag im Schuljahr zur Arbeit, veranstalten einen Spendenlauf oder planen kreative Aktionen im Klassenverband. Ihren Lohn spenden die Teilnehmer für Bildungsprojekte in sieben afrikanischen Ländern. Somit setzen sich die Kinder und Jugendlichen in Deutschland aktiv für Gleichaltrige in den afrikanischen Ländern ein. Unterstützt werden mit dem Erlös der Kampagne Bildungsprojekte des Tagwerk-Projektpartners Human Help Network und des Kooperationspartners Brot für die Welt in Uganda, Ruanda, Burundi, der Elfenbeinküste, Burkina Faso, Guinea und Simbabwe. Außerdem wird ein Schutzprogramm für unbegleitete minderjährige Geflüchtete in Deutschland unterstützt. Die Seyboldschule hat sich zum zwölften Mal an der Aktion beteiligt.