Alte Häuser, bäuerliche Gehöfte, Fassaden, die schon bessere Zeiten gesehen haben. Das war einmal in Glems. Heute zeigt sich Metzingens kleinster Stadtteil als modernes Dorf - nahezu rundum saniert und auch energietechnisch auf dem Vormarsch. Oder, um es mit den Worten von Ortsvorsteher Andreas Seiz zu sagen: "Glems hat sich gewandelt. Wir bekommen positive Rückmeldungen, auch über den Ort hinaus."

Klar, dass ein bisschen Stolz mitschwingt, wenn Andreas Seiz Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler, seine Amtsleiter und einige interessierte Bürger durch "sein" Dorf geleitet. Alle paar Jahre kommen zu Rathaus-Vorderen zum Außentermin in die Stadtteile - dann auch, um sich "mit halber Mannschaftsstärke" den Fragen der Bürger zu stellen, wie OB Fiedler sagte. Zunächst aber rückten die Vertreter der Verwaltung die jüngste Entwicklung in Glems in den Fokus. Jüngstes Vorzeige-Projekt im Dorf: Das energetische Quartierskonzept, das Energie sparen, den Kohlendioxid-Ausstoß verringern und so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten soll (wir berichteten bereits). Momentan loten die Verantwortlichen aus, wie groß das Interesse der Glemser ist, ihre Haushalte an ein mögliches Nahwärmenetz anschließen zu lassen, sagte Giancarlo Bragagnolo, der technische Leiter der Stadtwerke. Unlängst ist daher ein Fragebogen unter den Bürgern verteilt worden. "Der Rücklauf ist gut. Er liegt bei rund 45 Prozent", so Bragagnolo, der die Ergebnisse in der zweiten Novemberhälfte vorstellen will.

Auch das schnelle Internet erreicht Ende des Jahres den kleinsten Stadtteil, außerdem Metzingen und Neuhausen. Derzeit zieht die Telekom die Leitungen - Ende des Jahres sollen die Glasfaserkabel in der Erde liegen. "Für Glems eine super Sache", lobt Andreas Seitz, während der OB betont: "Dafür haben wir uns intensiv eingesetzt. Das Netz ist für Neuansiedlungen genauso wichtig wie Wasser und Strom."

Apropos Neubürger: Glems kann auch damit dienen. Der rund 1075 Einwohner zählende Flecken wächst - nicht zuletzt dank der Ortskernsanierung. Die läuft bereits seit 2001 - eine Erfolgsgeschichte, führte Konrad Berger aus, der Leiter des Amts Planen und Bauen bei der Stadt Metzingen.

Schulhaus, Backhaus, Rathaus, Hirschgässle und nicht zuletzt das Seiz-Areal, das sich von einer gewerblichen Brache zum modernen Quartier mit 40 Wohneinheiten gewandelt hat: Die neue Glemser Ortsmitte kann sich sehen lassen. 2,7 Millionen Euro investierte die Stadt in die Ortskernsanierung, an der sich laut Konrad Berger nicht nur Bürger, sondern auch Mieter beteiligt haben. Die Erfolgsquote liegt bei 98 Prozent. Nicht zuletzt sieht Berger die Sanierung auch als identitätsstiftendes Projekt innerhalb der Dorfgemeinschaft.

Für letztere gab's innerhalb des Sanierungsgebietes einen Zuwachs von rund 80 Einwohnern - weitere Neubürger ziehen ins neue Baugebiet namens Entensee, das 2014 erschlossen wurde. Von der großen Nachfrage, was die 13 Bauplätze angeht, sei die Stadt regelrecht überrascht worden, so der Leiter des Bau- und Planungsamtes.

Ende des Jahres sollen die letzten Grundstücke an künftige Häuslesbauer verkauft sein. Wen wundert's, das sonnendurchflutete Wohnareal oberhalb des Ortskerns kokettierte beim Besuch der Stadt-Delegation feste mits einer Lage. Für Glems indes sei das Gebiet Entensee ein Gewinn, nicht nur weil die Bauflächen knapp sind, sagte Berger. Die Stadtvorderen tragen durch den Erwerb der landwirtschaftlichen Flächen auch der Innenentwicklung Rechnung: der Streuobstgürtel bleibt unangetastet.

Investiert hat die Stadt aber nicht nur in Wohngebiete, sondern auch die sportliche und gesellschaftliche Infrastruktur. Etwa in die Otto-Single-Halle. Dort wird nach dem Einbau eines Fluchtwegs und einer neuen Eingangstür (2011) heuer eine neue Küche eingerichtet, die Glasbausteine werden ausgetauscht. Gleich daneben befindet sich der neue Kunstrasenplatz, den der TSV fürs Training nützt - und der auch bei den Jugendlichen beliebt ist, sagte Frank Aichele, Vorsitzender des Glemser Sportvereins.

Schließlich endete die Führung in der Ortsmitte, wo sie begonnen hatte: Für 1,1 Millionen Euro hat die Stadt den rechten Teil des Dorfgemeinschaftshauses im Stil einer Scheune saniert. Die linke Hälfte des Gebäudes renovierte die Kirchengemeinde, die 380 000 Euro investiert hat (wir berichteten). Das kirchlich-kommunale Haus wird am 11. Oktober mitsamt einer Ausstellung eingeweiht.

Bürgerfragen: Busverkehr und Parkplätze

Wenn ein Dorf wächst, stellen sich auch neue Fragen. Etwa die nach den Parkmöglichkeiten im Ort. Eng wird es in Glems da gelegentlich rund um das Mehrfamilienhaus in der Kirchstraße ( Nähe Friedhof.) Stehen dort viele Autos entlang der Straße, gestalte sich die Situation unübersichtlich, vor allem für spielende Kinder, gab der Glemser Ortschaftsrat Christoph Schmauder am Montag zu bedenken. Er regte bei der Stadt deshalb an, dort eventuell über eine Kurzparkzone nachzudenken. Ein Thema war zudem der Ausbau der Busverbindungen nach Glems, vor allem gegen Abend. Die Verwaltung hat das untersucht. Fazit: Weitere Touren lohnen sich mangels Fahrgästen nicht, so der OB.

SWP