Über Arbeitgeber vor Ort freuen sich die Gemeindeoberen ebenso wie Jobsuchende und Familien im Ort. Grafenberg hat knapp 3500 Einwohner – aber für das Gewerbe einiges an Platz zu bieten. Bauwillige Betriebe lockt jetzt ein neues Gewerbegebiet– praktischerweise entsteht es gleich im Anschluss an das alte: Im Areal Hochsträß II sind die Bagger angerückt. Ende das Jahres soll das Gelände erschlossen sein.

Die Vorarbeiten für das neue Gewerbegebiet hat noch die ausgeschiedene Bürgermeisterin Annette Bauer mitsamt Verwaltungsteam und Gemeinderat geleistet. Nun lag es am stellvertretenden Rathauschef Thomas Vorwerk, die Wiesen am Ortsrand auch offiziell ihrer Bestimmung zu übergeben. Er freue sich, dass in Grafenberg wieder Neues geschaffen wird, sagte der FWV-Vorsitzende im Rat.

Vorwerk erinnerte an die Zeit vor dem endgültigen Entscheid für Hochsträß II. „Es bedurfte damals einiger Verhandlungen und Gespräche mit den Eigentümern der Flächen.“ Von den ehemaligen Grundstückbesitzern waren am Donnerstag einige zum Spatenstich gekommen, freute sich indessen Rudolf Hage vom zuständigen Erschließungstränger, der LBBW-Kommunalentwicklung in Stuttgart. „In Zeiten der wirtschaftlichen Hochkonjunktur müssen wir neue Flächen schaffen,“ urteilte er.

Grafenberg stehe nun am Beginn der letzten Etappe auf dem langen Weg zum Gewerbegebiet – und die könnte das Areal  Hochsträß II recht schnell wirklich werden lassen. Denn für das neue Baugebiet gibt es etliche Interessenten. Eine Vorauswahl ist getroffen, einige Gespräche laufen noch“, sagt Susanne Girod, Finanzchefin im Rathaus. Bauen wollen bislang nur Grafenberger Betriebe, was die Verwaltung gerne sieht. „Wir möchten ortansässigen Firmen Raum zur Entwicklung geben.“

Das neue Gewerbegebiet umfasst 4,6 Hektar und bietet 3,7 Hektar Bauland. Im Vorfeld der Erschließung hatten Interessenten immer wieder gefordert, dort auch Wohnungen für Betriebsinhaber bauen zu dürfen. Das ließ sich aber nicht mit dem Lärmschutz in der Nacht vereinbaren. Im Gebiet ist auch produzierendes Gewerbe zu finden, das nicht weiter reglementiert werden soll.

Auch ohne Wohnungen: Der Flächenbedarf für Industrie und Gewerbe ist in Grafenberg in den vergangenen Jahrzehnten stetig gestiegen: 1982, als der Flächennutzungsplan der Verwaltungsgemeinschaft Metzingen, Grafenberg und Riederich wirksam wurde, waren 5,5 Hektar Gewerbeflächen für den Ort ausgewiesen.

In den Folgejahren kamen weitere vier Hektar dazu, vorwiegend im Bereich Brunnäcker/Hochsträß I. Diese Areale sind weitgehend bebaut, die Flächen im Gebiet Hochsträß I alle verkauft, so Susanne Girod. Schnell danach hatten ortsansässige Betriebe weiteren Bedarf angemeldet, um ihre Produktionsstätten im Dorf zu erweitern.

Geplant, aber noch nicht endgültig auf den Weg gebracht, ist daher eine weitere Gewerbefläche im Grafenberger Gewann Trieb.

Diese Möglichkeit ergibt sich nach dem Bau der B-313-Ortsumfahrung am östlichen Ortseingang in Richtung Nürtingen. Trieb könnte sich, wegen der guten Anbindung ans Straßennetz, für stark frequentierte Betriebe eignen, argumentieren die Befürworter.

Ein Discounter hat bereits Interesse angemeldet, doch bekanntlich ist das Projekt nicht unumstritten. Die Grafenbergerin Beate Pittas hat rund 300 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt (wir berichteten).

Sie und die Unterzeichner fürchten, dass die Läden in der Ortsmitte leiden, wenn die Kaufkraft auf die grüne Wiese zieht.

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Rund vier Hektar groß ist da neue Gewerbegebiet Hochsträß II in Grafenberg. Etliche Unternehmen haben Interesse bekundet, eine Vorauswahl steht.