Pliezhausen / NORBERT LEISTER  Uhr
In Pliezhausen brodelt es. Eine Informationsveranstaltung zur Erstunterbringung von Flüchtlingen am kommenden Dienstag soll möglichst Dampf aus dem Kessel nehmen, hofft Bürgermeister Christof Dold.

So richtig zu erklären ist der heftige Protest gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in Pliezhausen wohl nicht. Während in zahlreichen anderen Gemeinden im Landkreis Reutlingen sich vor der Ankunft von Asylbewerbern vor allem eine große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung bemerkbar machte, zahlreiche engagierte Freiwillige sich die Frage stellten, wie Sprachkurse organisiert, die Menschen aus fremden Ländern am bestmöglichen integriert werden können, wie sie in Sportvereinen sinnvolle Freizeitbeschäftigungen finden – so geschieht in Pliezhausen nun genau das Gegenteil. Bei einer Gemeinderatssitzung Ende April äußerten rund 150 Bürger im Rathaussaal vor allem eins: Protest.

Bürgermeister Christof Dold gab gestern bei einem Pressegespräch zu, dass er mit solch massivem Unmut nicht gerechnet hatte. Und er gestand auch den Fehler ein, die Pliezhäuser Bürger nicht in die Standortsuche nach geeigneten Flächen zur Unterbringung der Flüchtlinge mit einbezogen zu haben. Dabei sei diese Suche nach objektiven Kriterien durchgeführt worden, sagte Dold. Ob die Grundstücke jedoch geeignet seien, die Entscheidung fälle das Landratsamt, das für die Erstunterbringung von Flüchtlingen zuständig ist. Aus dem Suchlauf herausgenommen wurde deshalb bereits der Vorschlag des Ortschaftsrats Gniebel, die dortige Ortsverwaltung umzubauen – das Landratsamt sagte „Nein“ dazu, weil das zu teuer und zu aufwendig sei. Ebenso abgelehnt wurde nach den Worten von Dold der Pliezhäuser Festplatz als mögliche Stellfläche für eine Asylbewerberunterkunft: Völlig ungeeignet, weil das Gelände in potenziellem Überschwemmungsgebiet liege. Infrage komme hingegen nach wie vor – auch nach dem heftigen Protest der Anwohner wie auch des benachbarten Sportvereins – ein Grundstück im Furtweg neben dem Sportplatz in Gniebel.

Zurückgezogen habe hingegen ein Privatanbieter aus Rübgarten sein Grundstück. Warum? Der soziale Druck aus der Nachbarschaft auf den Besitzer sei zu groß gewesen, hieß es. Erfreulich sei jedoch, so der Bürgermeister, dass nun zwei angesehene Familien aus Pliezhausen zwei nebeneinander liegende Grundstücke hinter dem Aldi-Markt angeboten haben.

Obwohl diese Fläche auf Grund ihrer Eignung in der Priorisierung der möglichen Standorte auf den ersten Platz rückte, „heißt das aber nicht, dass alle anderen bisherigen Grundstücke außen vor bleiben“, so Bürgermeister Dold. Denn: Der Druck auf das Landratsamt sei enorm groß, für das laufende Jahr würden mit monatlich mehr als 100 Flüchtlingen gerechnet, die allesamt untergebracht werden müssen. In der Pflicht seien dabei alle Kommunen im Landkreis, sagte Pliezhausens Bürgermeister: „Es handelt sich bei der menschenwürdigen Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen um eine drängende gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Bei einer Informationsveranstaltung am kommenden Dienstag, 12. Mai, soll das in der Pliezhäuser Gemeindehalle ab 20 Uhr noch einmal verdeutlicht werden.