Hund und Katze sind eben nicht immer wie die sprichwörtlichen „Hund und Katz“. Das hat Gaby Weber aus Dettingen festgestellt, nachdem zu ihrem Herdenschutzhund Nanuq noch Katze Jeannie gestoßen war. Nanuq, den etwa sechsjährigen Maremmano, hatte die Familie aus dem Auslandstierschutz zu sich geholt. „Die kleine Jeannie haben wir, einsam und ganz auf sich gestellt, in einem Gütle beim Gassi gehen gefunden“, erzählt sie. „Nach zweimaligem Füttern lief sie schon mit uns nach Hause.“

Aus einem mach zwei

So kann es gehen: Aus einem Haustier werden unversehens zwei. Seither sei die kleine schwarz-weiße Katzendame, die nach der Sterilisation eine Zeitlang im blaugrünen „Strampelanzug“ durch die Wohnung zog, total vernarrt in ihren ,großen Bruder’, berichtet Gaby Weber.

Hund als Flokati-Ruhekissen

Jeannie macht ihr Nickerchen gern zusammengerollt am Bauch des weit größeren Hundes, eine Pfote nonchalant auf dessen Vorderlauf abgelegt. Oder die Kätzin nutzt Nanuqs buschigen Schwanz einem Flokati gleich als praktisch-weiches Ruhekissen.

Da gibt es keine Berührungsängste, alles ganz gechillt. Gar nicht gelassen hingegen ist Nanuq, wenn er „seine Jeannie“ gegen „böse“ Nachbarskatzen verteidigt.

„Jeannie möchte überall dabeisein“, sagt Gaby Weber – sogar beim Spaziergang findet man sie stets hinter, neben oder vor dem weißen Hütehund: „Wehe, wenn man ohne sie Gassi gehen möchte, dann protestiert sie lauthals.“ Fotos und Filme zeigen, wie Hund und Katze einmütig einen Feldweg entlangtrotten. „Andere Spaziergänger können es kaum glauben, wenn sie die zwei zusammen sehen.“

Von „Aua!“ zu „Allah!“

Doch wirklich überallhin können Katzen nun mal nicht mit. Der Neuhäuser Kater Gonzo setzt oder legt sich zwar gern in den VW-Bus. Aber mitfahren? Nichts da.

Andere Hausgenossen der Gattung Felidae steigern Hilferufe auf mehr als einstündigen Autofahrten von „Aua-aua-aua“ vermeintlich schon mal zur verzweifelten Anrufung eines Gottes: „Allah!“. Das klingt zum Lachen, das Leiden von Kater Moritz auf Tour ist es aber ganz und gar nicht.

Zeit des Planens

Dieser Tage, da in Stuttgart die CMT beginnt und viele Menschen ihren Jahresurlaub planen, plagt so manche deshalb die Frage: Wohin mit tierischen Mitbewohnern wie Jeannie und Nanuq?

Hunde kommen oft mit auf Reisen. Vor allem, wenn ihre menschlichen Freunde Camper sind, wie Reinhard Wolfer aus Metzingen mit seiner Australian-Shepherd-Königspudel-Misch­lingsdame Lina: „Man muss den Urlaub halt so planen und dort verbringen, wo Haustiere erlaubt sind.“

Ohne Hund kein Urlaub?

Michael Breuer, ebenfalls aus Metzingen und Besitzer der von einer Vernichtungsstation geretteten Mischlings-Hündin Elli, erklärt: „Bei uns und den meisten Hundebesitzern gibt es nur eins: Ohne Hund kein Urlaub. Deshalb fährt unsere Elli wie alle Hunde, die wir vorher hatten, natürlich mit.“

Sylvia Behrndt aus Bad Urach hat sich extra wegen ihrer vier Spitze ein kleines Wohnmobil zugelegt. „Denn welches Hotel, welcher Ferienhausvermieter, will einen Gast mit vier Hunden, auch wenn sie noch so lieb sind?“

Gut genährt zurück

Kleintiere wie Kaninchen oder Hamster bleiben oftmals im Stall zuhause. Das „mutige“ und äußerst bewegungsfreudige Kaninchen James, das in der Wohnung der aus Bad Urach stammenden Nicole Hiessl in Wangen im Allgäu ein eigenes Zimmer bewohnt, darf „auch in Urlaub“, wenn sie selbst länger als einen Tag nicht da ist. „Bei meinen Eltern darf er auch mal entspannen, sehr gut essen und sich vollkommen austoben.“ Er komme da stets „mit 100 Gramm mehr zurück“.

Reist Susanne Weiblen – wie jüngst über die Feiertage – von ihrem Wohnort Paris zu ihrer Mutter nach Metzingen, dann versorgt ihr Mann zuhause die Meerschweinchen Yuri und Winch.

Familie urlaubt getrennt

Auch im Sommer gehen deshalb nie alle Familienmitglieder zugleich in Urlaub. „Aber vergangenen Sommer habe ich eine Website gefunden, wo man Tiere austauschen kann. Ich habe das  Meerschwein einer Frau genommen im Juli und sie hat unsere im August genommen. Hat sehr gut geklappt. Mal sehen, ob wir nächstes Jahr auch wieder so eine gute Pflegefamilie finden.“

Stress für die Nager

Jüngst nahm sie die beiden zu einem Wochenendtrip mit: „Das ist sehr umständlich und für so kleine Nager ziemlich viel Stress. Unser Auto war total voll mit Käfig, Streu, Körnerfutter, Salat, Karotten und natürlich unseren Sachen. Hätte man filmen können“, sagt die gebürtige Metzingerin.

Katzenhalter bevorzugen es meist ebenfalls, wenn Verwandte, Nachbarn oder Freunde das Tier in der gewohnten Umgebung versorgen.

Drei Wochen ohne Snuggles und Samson

Hendric Keiter etwa hat „zwei bis drei gute Bekannte, die sich täglich um die Tiger kümmern, wenn wir weg sind. Alle sind Tierfreunde und verbringen dann auch Zeit mit ihnen, spielen und streicheln sie“. So hätten seine beiden Kater Samson und Snuggles schon drei Wochen Urlaub ohne Probleme überstanden. Wobei: „Das ist sicher von Tier zu Tier unterschiedlich – manche sind ja sehr nachtragend, was so etwas angeht.“

Kimba wird krank

Auch Ingeborg Barkholtz hat eine Schwiegermutter, die sich um ihre Katzen kümmert, wenn sie und ihr Mann nicht da sind. Seit ihre beiden Perser jedoch älter sind, und Kater Kimba so sehr unter ihrer Abwesenheit leidet, dass er „dann immer krank wurde“, macht das Paar nur noch Tagesausflüge.

„Urlaub ist kein Thema“

Dasselbe gilt für Renate Reiber aus Dettingen mit ihren Katzen Trixi und Mara. „Urlaub ist bei uns kein Thema. Wir und unsere Tochter sprechen uns ab. Es ist also immer einer zu Hause.“ Eine gute Urlaubsbetreuung ihrer pelzigen Freunde ist Tierhaltern also ebenso wichtig wie der eigene Komfort am Urlaubsdomizil.

Und was machen Webers mit Nanuq und Jeannie? Auch sie nehmen „wenn möglich den Hund mit“, erklärt die Dettingerin. „Die Katze wird von unserer Tochter versorgt.“ Denn eines steht fest: „Ein Leben ohne die beiden wäre nur halb so lustig!“

Expertin rät zu Tiersittern


Tierheilpraktikerin Ingeborg Barkholtz hat auch beruflich mit der Frage nach Urlaubsbetreuung für Haustiere zu tun. „Ich empfehle bei einer Katze einen Tiersitter, der nach Hause kommt, zum Füttern und Kuscheln.“ Von Katzenpensionen rät sie ab, da es viele ansteckende Krankheiten gebe und die Ansteckungsgefahr dort „leider sehr hoch“ sei. Temporäre Betreuer für Hunde und Katzen vermittle etwa das Internet-Portal holidog.com. Sie selbst bietet das im Ermstal ebenfalls an. Das sei in der Regel günstiger und auf jeden Fall besser, als ein Tier herauszureißen aus seiner Umgebung.

Nischenangebot auf der CMT Auf der am Samstag startenden Tourismusmesse stellt sich ein Start-up für Reisen mit Hund vor: Vawidoo. cli