Obwohl Riederich keine Narrenhochburg ist, war doch närrisch was los am Sonntag beim Häsabstauben der Narrenzunft Zigeunerhexen. Fast 400 Zuschauer erlebten das fröhliche Treiben auf dem Rathausplatz mit Showtanz und Narrentaufen.

Die Riedericher Zigeunerhexen haben sich in der Narrenwelt etabliert und am Sonntag noch Verstärkung durch eine neue Figur erhalten. Es sind jetzt nicht nur Hexen, sondern auch die Figur des Zigeuners dabei. Damit hat die Riedericher Narrenzunft Wort gehalten, denn „Oberhexe“ Natalie Kleinfelder hatte 2019 eine Überraschung für dieses Jahr angekündigt. Die ist gelungen, denn aus dem Nebel über den nachgebildeten, örtlichen „Zigeunerbrunnen“, entstieg der Zigeuner und stellte sich dem Publikum vor.

Die Begeisterung steckt an

Somit hat jeder, der auch gerne in der Narrenzunft sein möchte, die Wahl, hinter welcher Maske er sich verbergen möchte. Wer noch kein Narr ist, kann sich übrigens nach Absprache auch ein Häs leihen und probeweise mitmachen. Doch hier sei Vorsicht geboten, denn erfahrungsgemäß scheint die Begeisterung ansteckend zu sein und der Wunsch entsteht, selbst Narr zu werden. So war es jedenfalls bei den beiden Närrinnen Janina Pfeiffer und Corinna Planitz, die einfach mal „mitgelaufen“ sind und nun alles auf sich nahmen, um auf Dauer dabei zu sein. „Weil ich schon immer Fasching mochte und die für mich richtige Zunft jetzt in Riederich gefunden habe“, sagen beide etwa gleichlautend. Sie stammen nicht aus Riederich, haben aber hier Freunde und Bekannte. Das närrische Leben hat ihnen so gut gefallen, dass sie das Spezialitäten-Menü eines närrischen Sternekochs und eine gewöhnungsbedürftige Getränkemischung eines wohl nicht minder närrischen Barmixers tapfer runterschluckten und sich mit Sägespänen berieseln ließen als symbolischem Taufakt, um selbst Hästräger zu werden.

Selbstverständlich geschah das öffentlich auf dem Riedericher Rathausplatz. Neben befreundeten Narrenzünften kamen auch viele „Private“, die „Spaß haben und nicht alles so verbissen sehen“ sollten, wie sie sagten. Ein weiteres Argument aus Zuschauerreihen war, „dass man sowas doch unterstützen muss, wenn sich Leute für Brauchtum einsetzen.“ Genau das ist der Punkt, der für die Zigeunerhexen eine mit entscheidende Motivation ist, sich so für das närrische Treiben einzusetzen. Sie wollen nach eigenen Aussagen das Brauchtum fördern und zum Abbau von Vorurteilen beitragen. Wer so ein Häsabstauben erlebt, merkt schnell, dass es kein ausuferndes Gelage ist, wie manche Menschen denken mögen. Ganz im Gegenteil: Ein Mitglied einer Narrenzunft muss sehr diszipliniert sein und darf keinen groben Unfug treiben. Alle tragen deutlich sichtbar eine Mitgliedsnummer am Häs, sodass sie bei Abweichungen identifiziert werden können.

Fasnet soll Freude machen und die Menschen auf andere Gedanken bringen als solche, die sie in ihrer Alltagswelt gefangen halten. Alkohol darf sein, aber nicht am Steuer des eigenen Autos. Darum fahren die meisten Narrenzünfte auch mit Bussen zu Veranstaltungen oder haben eigene Fahrer dabei, die nüchtern bleiben. Die „fünfte Jahreszeit“ erfordert reichlich Kondition und Ausdauer. Dafür nehmen viele Narren extra Urlaub und sparen auch für das Häs, das je nach Ausführung 800 Euro und mehr kosten kann. Und das wird gepflegt, daher auch der Brauch des „Abstaubens“, denn am Aschermittwoch wird es wieder eingepackt und erst nächstes Jahr wieder hervor geholt.

Nach dem eigenen Häsabstauben waren die Zigeunerhexen tags darauf wieder fit, um Selbiges auch in Tischardt zu erleben bei den „Waddabolla-Weib’r“ und dort in der neuen Ortsmitte ihren Showtanz zu zeigen.