Metzingen Händler suchen gemeinsamen Nenner

Um die Zukunft des Einkaufens ging es bei einem Infoabend in Metzingen. Die Kelternstädter hoffen dabei, auch einen Teil der Outletkunden in ihre Läden locken zu können.
Um die Zukunft des Einkaufens ging es bei einem Infoabend in Metzingen. Die Kelternstädter hoffen dabei, auch einen Teil der Outletkunden in ihre Läden locken zu können. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Norbert Leister 12.04.2018

Es gehe bei dieser Frage um nicht weniger als die „Zukunft des Einkaufens“, betonte Jochen Krohmer als Leiter des städtischen Geschäftsbereichs Wirtschaft und Tourismus am Dienstagabend im Metzinger Rathaussaal. „Sich dem Thema zu verschließen, wäre ein Rückschritt“, betonte Krohmer. Und auch die Gastreferentin der IHK Reutlingen schlug in die gleiche Kerbe: „Der stationäre Handel steht enorm unter Druck.“

Die Fachfrau für Existenzgründungen und den Handel bei der Industrie- und Handelskammer hob hervor, dass trotz der enormen Konkurrenz durch den Online-Handel durchaus Chancen vorhanden seien für jeden Einzelhändler in Metzingen, der nicht zum Outlet zähle. Anschließend präsentierte Goldstein jede Menge Zahlen und Daten, die vor allem eines unterstreichen sollten: Die Digitalisierung und die Möglichkeit zum Einkaufen vom Sofa aus nehmen dem stationären Handel Umsätze weg. Die Einzelhändler sollten aber nicht tatenlos zusehen, sondern ihre Pluspunkte ausspielen, die da heißen Kundennähe, persönlicher Kontakt und gute Beratung. Denn das seien genau jene Vorteile, die Riesenkonzerne nicht bieten könnten. „Der stationäre Handel ist nicht tot und wird es auch nie sein“, so Karin Goldstein.

Einheitliche Öffnungszeiten

Gleichzeitig sei aber auch klar, dass es kein Patentrezept gebe, sondern viele einzelne Themen angepackt werden müssten. Wie etwa eine gemeinsame Online-Plattform, auf der sich die Metzinger Einzelhändler präsentieren sollten. Und kostenloses Wlan.

Zusätzlich müssten die Einzelhändler in der Stadt die Online-Möglichkeiten nutzen. „Das Ziel muss heißen, das Internet als Vorhof des stationären Handels zu entwickeln“, so Goldstein. Ganz besonders wichtig seien zudem einheitliche Öffnungszeiten der Einzelhändler. Die Chancen stehen nach den Worten der IHK-Fachfrau gerade in der Sieben-Keltern-Stadt gut – weil Millionen Outlet-Shopper ja schon vor Ort sind. „Wir dürfen den Anschluss an den Zug der Digitalisierung nicht verpassen“, mahnte jedoch Jochen Krohmer. Am Thema „Wlan im öffentlichen Raum“ sei die Stadt dran ebenso wie an einer neuen Homepage der Kommune. Die war nämlich am Dienstagabend bei der Diskussion heftig kritisiert, als unattraktiv und veraltet bezeichnet worden. Hinzu kam, dass sich die Einzelhändler in der Stadt offensichtlich angesichts der Übermacht der Outlet-Läden benachteiligt fühlen. „Wir sollten auf die Holy-Website mit drauf, dort zumindest verlinkt werden“, war eine andere Forderung.

Eine Stimme betonte: „Es gibt viele Beispiele für misslungene Städteportale. Wenn wir eine Chance haben wollen, müssen wir an die Big Player ran.“ Bemängelt hat ein weiterer Einzelhändler, „dass wir vom Outlet nicht profitieren“. Heftig-deftige Worte wurden auch angebracht: „Das ist doch ein uraltes Thema, dass der Handel in Metzingen nichts Gemeinsames hinkriegt“, sagte einer der rund 20 Interessierten, die am Dienstagabend in den Rathaussaal gekommen waren. „Warum sollte Holy sich mit uns verlinken, wenn wir nicht mal unsere Hausaufgaben gemacht haben und nicht mal gemeinsame Öffnungszeiten hinbekommen?“ Weiterhin sieht der Einzelhändler beim Gewerbe- und Handelsverein (GHV) „Auflösungserscheinungen“. Klar sei, dass der Handel in Metzingen nur etwas erreichen könne, wenn „wir gemeinsam was tun“. Genau das sei wahrlich nicht allein ein Metzinger Problem, betonte Karin Goldstein. „Klar ist, dass da ein ganz dickes Brett gebohrt werden muss.“

Keine Einigkeit

Ein weiteres Treffen soll nun geplant werden, doch nicht einmal bei der Frage, ob der Termin noch vor oder nach den Sommerferien angesetzt werden solle, herrschte Einigkeit. „Das Schlimmste wäre, wenn wir nichts machen“, mahnte Jochen Krohmer als oberster Wirtschaftsförderer der Stadt Metzingen. Schlussendlich gehe es nicht allein um die Existenz der einzelnen Geschäfte und ihrer Inhaber, sondern auch um das Gesamtbild, also das Gesicht der Stadt.

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