Montagnacht ist es bei der Firma Sika in der Stuttgarter Straße in Bad Urach zu einem Störfall gekommen. Kurz vor ein Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Bad Urach alarmiert, die in den sozialen Medien von einer „größeren Einsatzlage“ berichtet. Zur Überlandhilfe rückte auch die Freiwillige Feuerwehr Metzingen mit drei Fahrzeugen an und transportierte unter anderem ihren neuen Abrollbehälter-Großlüfter in das Industriegebiet in der Kurstadt.

Das Unternehmen schweigt

Was genau vorgefallen ist, liegt indes im Dunkeln. Von der Firma Sika, die Chemiefabrik unterhält am Standort in Bad Urach seit 1975 auch eine eigene Werkfeuerwehr mit zwei Fahrzeugen und 18 Einsatzkräften, war am Montag kein Statement zu erhalten. Anrufe in Bad Urach führten zu einer Versicherung, dass sich das Unternehmen mit einer Mitteilung an die Presse wenden würde – eine Mitteilung, die allerdings bei der SÜDWEST PRESSE nicht ankam. Anrufe bei der Pressestelle in Stuttgart verliefen ins Leere, auch E-Mails wurden nicht beantwortet.Gesichert ist, dass die Freiwillige Feuerwehr Bad Urach mit drei Abteilungen um 0.47 Uhr alarmiert worden ist. Kurze Zeit später wurde der Rettungsdienst und die Feuerwehr Metzingen nachalarmiert, auch der DRK-Ortsverein Bad Urach wurde zur Absicherung der Einsatzkräfte und zu deren Versorgung alarmiert. Schnell kamen so rund 15 Einsatzfahrzeuge und zahlreiche Einsatzkräfte zusammen. Der Metzinger Feuerwehrkommandant Hartmut Holder berichtete auf Anfrage unserer Zeitung, dass im Untergeschoss des Chemie-Betriebes eine Kohlenstoffdioxid-Löschanlage ausgelöst hatte. Solche Löschanlagen können Brände mit dem ungiftigen Gas ersticken, indem das Kohlenstoffdioxid (CO2) den Sauerstoff aus der Luft verdrängt. Schäden an technischen Anlagen können somit durch die Löschmaßnahmen weitestgehend verhindert werden. Wodurch die automatische Löschanlage ausgelöst wurde, ist nicht bekannt. Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Reutlingen sprach von einer „defekten Pumpe“ in dem Chemiewerk. Die Polizei war mit zwei Streifenwagen vor Ort, überließ die Einsatzstelle aber nach kurzer Zeit den Feuerwehren.

Mehrere hundert Kilogramm Kohlenstoffdioxid

Diese hatten es nun mit einer schwierigen Aufgabe zu tun: Mehrere hundert Kilogramm Kohlenstoffdioxid wurden durch die Löschanlage freigesetzt, berichtete Holder. Das Untergeschoss konnte daraufhin nicht mehr betreten werden: Denn in dieser hohen Konzentration kann das Gas für Menschen durch die Sauerstoffverdrängung tödlich sein. Ausgerüstet mit Atemschutzgeräten und Pressluftflaschen gingen Bad Uracher Feuerwehrleute in die Räumlichkeiten vor und prüften die Lage. Anschließend galt es, die hohe Kohlenstoffdioxidkonzentration in den Räumen des Untergeschosses auf ein normales Niveau zu reduzieren. Hierfür wurden die Großlüfter der Metzinger Feuerwehr gebraucht, die mit diesen Geräten unter anderem große Tiefgaragen entrauchen kann.Über mehrere Stunden waren die Feuerwehrleute so damit beschäftigt, das Gas aus dem Sika-Betriebsgebäude heraus zu saugen. Erst gegen 7 Uhr konnten die Metzinger Wehrleute aus dem Einsatz entlassen werden.

Bleibt die Frage, weshalb sich die Firma Sika ins Schweigen hüllt, den ein Auslösen einer Löschanlage ist an und für sich keine gefährliche Angelegenheit, solange die vor Ort tätigen Mitarbeiter richtig reagieren und die Räumlichkeiten rechtzeitig verlassen. Anfragen bei der Freiwilligen Feuerwehr Bad Urach blieben derweil ebenfalls unbeantwortet, mit dem Verweis auf die Einsatzleitung, welche bei der Sika-Werkfeuerwehr lag.

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