Metzingen Großalarm für die Feuerwehren

Gestern hat es wieder die Römerstraße erwischt. Aber auch die Mühlwiesenstraße und das gesamte Stadtgebiet.
Gestern hat es wieder die Römerstraße erwischt. Aber auch die Mühlwiesenstraße und das gesamte Stadtgebiet. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Von Peter Kiedaisch 12.06.2018

Allmählich kann man die Uhr danach stellen: Tagsüber ist es angenehm und trocken, und wenn es Abend wird, setzt der Regen ein. Am Sonntag dauerte er eine gute halbe Stunde. Dann war der Spuk vorbei, doch in die Metzinger Öschhalle drang Wasser ein.

Kaum haben sich Verantwortliche der Stadt am Montagnachmittag vor Ort umgesehen, um eine Schwachstelle im System auszumachen, näherte sich die nächste Regenfront. Und sie schüttete sich aus, aber nicht nur über Metzingen, wo es wieder die Öschhalle traf, aber auch die Römerstraße, die stellenweise knietief im Wasser verschwand. „Das gesamte Stadtgebiet ist betroffen“, stöhnte Metzingens Feuerwehrkommandant Hartmut Holder gestern gegen 20.30 Uhr ins Telefon, ehe er das Gespräch abbrach: Er war mitten im Einsatz. Im Vergleich zu anderen Kommunen, sagte er, sei Metzingen noch glimpflich davon gekommen. Aber: Es war lediglich eine erste Bestandsaufnahme. Auch die Mühlwiesenstraße war stark betroffen, vermutlich wurden einige Keller geflutet. Noch auf der Straße forderten Anwohner ein Hochwassermanagement. Die Nerven liegen vielleicht noch nicht blank, aber der Ton wird rauer. Wobei bei der Suche nach den Schuldigen durchaus ein Blick nach oben hilfreich ist. In den vergangenen Tagen sind über Metzingen Wassermengen niedergegangen, die es zum Glück nicht oft gibt.

Wer gestern mit dem Wagen unterwegs war, hat zumindest eine Ahnung davon, was Aquaplaning ist. In Grafenberg bekam ein Jogger, der im Regen entlang der Bundesstraße lief, eine von einem Auto hochgeworfene Wasserfontäne ab, die noch nicht mal nur spritzte, sondern sich über ihn ergoss.

In Reutlingen gab es in nur 45 Minuten 134 Einsätze der Feuerwehr. Der Hauptbahnhof war zeitweise gesperrt. In der Stadtmitte hat die Echaz den Echazweg überspült und sich auf die abschüssige Fahrt in Richtung Betzingen gemacht. Die Feuerwehr verhängte Großalarm, alle verfügbaren Kräfte waren im Einsatz. Wenigstens in Betzingen war der Spuk nach 45 Minuten wieder vorbei. In großen Teilen der Region waren die Feuerwehrsirenen immer wieder zu hören. Für all die, deren Keller gestern vollgelaufen ist, werden die nächsten Tage nicht lustig. Ganz egal, wie das Wetter wird.

Was ist mit der Öschhalle?

Nachdem drei Mal innerhalb weniger Tage, zuletzt gestern Abend, Wasser in die Öschhalle eingedrungen ist, haben sich die Experten auf die Suche nach möglichen Ursachen begeben. Glücklicherweise hat das Gewitter vom Sonntag keine größeren Schäden in der Halle hinterlassen, sagt Ulrich Neubrander vom städtischen Bauamt. Zu gestern Abend gibt es freilich noch keine genauen Erkenntnisse. Neubrander wundert sich freilich, wie es dem Wasser erneut gelingen konnte, ins Gebäude zu schwappen. Schließlich habe es in der Vergangenheit schon deutlich heftiger und länger geregnet, ohne dass es je Probleme mit der Öschhalle gab. Deshalb ließ die Stadt am Montag den Kanal genau unter die Lupe nehmen, vielleicht, sagt Neubrander, seien Wurzeln in die Rohre hineingewachsen, sodass das Wasser nicht mehr richtig abfließen könne. Um das Nass künftig besser von der Halle fernhalten zu können, soll es außerdem bauliche Veränderungen geben. Am Parkplatz vor der Öschhalle beispielsweise werden kleine Bodenwellen das Wasser in Zukunft vom Gebäude weglenken. Auch zusätzliche Entwässerungsrinnen können Entlastung bringen. Für den kurzfristigen Einsatz deponiert die Stadt nun Sandsäcke an der Sporthalle, die im Bedarfsfall schnell aufgestellt sind.

Deutlich mehr Schäden hat das Unwetter vom 1. Juni indessen an der Hallenbad-Turnhalle hinterlassen. Etwa drei bis vier Wochen muss hier ein Trocknungsgerät laufen. Deshalb können Schulen und Tischtennisspieler dort zunächst nur eingeschränkt trainieren. reg

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