Bei der Gründung des Deutsch-Griechischen Fördervereins für Kultur und Begegnung zwischen der Region Stuttgart und der Provinz Zentralmakedonien, Griechenland, im Januar waren die Probleme noch nicht so groß. „Aber Anzeichen gab es schon“, so Herbert Krüger, einer der beiden Vorsitzenden des Vereins, und Neckartenzlingens Bürgermeister bei der ersten Jahreshauptversammlung des Vereins im alten Schulhaus.

Schon zu dem Zeitpunkt hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Rainer Arnold seine Teilnahme zugesagt. Und er konnte nun aus aktuellem Anlass etwas zur Griechenlandkrise sagen.„Die aktuelle Krise trifft die kleinen Leute. Die zahlen die Zeche“, so Arnold.

Klientelwirtschaft und eine miserable Daseinsvorsorge nannte er als einige Gründe. „80 Prozent der kleinen Leute zahlen den größten Teil der Steuern“, sagte er im Vergleich zu Deutschland, wo etwa 20 Prozent der Gutverdienenden fast die Hälfte der Steuern zahlen würden, so Arnold. „Die Staatsausgaben sind am höchsten, und viele denken, weil der Staat so schlecht ist, geben sie dem nicht auch noch Steuern“, so Arnold zur dortigen Steuerzahlungsmoral.

„Griechenland steht am Abgrund, Statistiken sind gefälscht, die EU hat auch nicht so genau geschaut und griechische Politiker haben Fehler gemacht, nannte er weitere Gründe für die aktuelle Situation, an der aber auch die internationale Finanzmisere Mitverursacher sei. Es gelte, für Stabilität und Sicherheit zu sorgen und Griechenland zu helfen. Das sei auch im eigenen Interesse, so Arnold. Statt nur zu sparen, müsse zum Beispiel für Wachstum gesorgt werden. „Sparen nützt nichts, es müssen Impulse für Wachstum gegeben, Anreize zum Aufbauen geschaffen werden, Mechanismen, die Griechenland für Investoren attraktiv machen“, betonte er. Der Deutsch-griechische Förderverein werde zwar „nicht die Welt bewegen, aber er kann Kontakte mit Kommunen herstellen und im Kleinen etwas bewirken“, bestärkte er die Mitglieder in ihren Absichten etwas zu tun. Gerade in Neckartenzlingen, wo „zehn Prozent der Bevölkerung griechische Wurzeln haben, sei die deutsch-griechische Freundschaft und Partnerschaft selbstverständlich und spürbar.

Der Verein will besonders gegen die mangelnde handwerkliche Ausbildung in Griechenland etwas tun und sich sich bemühen Betriebe zu finden, die griechische Praktikanten aufnehmen und ihnen vielleicht später auch eine Ausbildung ermöglichen. Entsprechende Vernetzung gehört dazu, ebenso die Abklärung der formalen Voraussetzungen. Praktische Hilfe in kleinen Schritten, Pflege und Kontakt zu beiden Kulturen sind Ziele des Vereins, der sich die Förderung von gegenseitigem Verständnis und Miteinander neben Kulturaustausch auf die Fahnen geschrieben hat und Themen wie Jugendausbildung, erneuerbare Energien und Entwicklung des Rettungswesen nicht nur theoretisch sondern praktisch voranbringen möchte.

Darum wird der Verein auch mit einem Informationsstand auf dem Dorffest in Neckartenzlingen Mitte Juli vertreten sein – und im Ort, in dem viele Griechen leben, vielleicht weitere Unterstützer finden.