Michaela Gaiser hat es gewagt und sich juristischen Beistand gesucht. Sie und ihre Familie sind es, die sich gegen das Krähen der Hähne und das Gegacker der Hühner vom Areal der nahegelegenen Kleintierzüchter in Neuhausen wehren (wir haben darüber berichtet). „Zwei Jahre haben wir es im Guten versucht“, sagt die Betreiberin eines Kosmetikstudios, „aber als Antwort bekamen wir vom Verein immer nur zu hören, ‚zieht doch weg’“.Es kam zu einem Ortstermin mit Amtsgerichtsdirektor Albrecht Eißler, der einen Vergleich anregte und nun auf Vorschläge der Kleintierzüchter wartet.

Vorschläge dazu, wie sie gedenken, den Anwohnern entgegen zu kommen. Dafür erhielten sie vier Wochen Zeit, die Frist läuft noch. Michaela Gaiser wäre froh über ein Einlenken des Vereins, „dann könnte man den Anwälten sagen, wir sollten mit dem ganzen Mist aufhören.“ Sie meint das Prozessieren, denn den Streit ums Federvieh findet sie blöd.

Bis es soweit ist, werden sich Gaisers noch einiges anhören müssen. Das mit dem Wegziehen zurück in die Stadt, aus der sie kommen, beispielsweise. Ein reflexartig ausgesprochener Rat, der freilich ins Leere läuft. „Wir sind alles, nur nicht zugezogen“, sagt Michaela Gaiser. Die Familie lebt seit 23 Jahren hier „Im Kies“.

Mutter Michaela kam mit 18 Jahren nach Neuhausen, Vater Wolfgang Gaiser ist in Neuhausen geboren und aufgewachsen, dessen Vater August Gaiser war sogar Gründungsmitglied der Kleintierzüchter: „Ein Urgestein, das jeder in Neuhausen kennt.“ Und Tochter Amelie hat ihre halbe Kindheit bei den Kleintierzüchtern verbracht: „Dass wir etwas gegen den Verein hätten? So ein Quatsch!“

Fuchssichere Ställe für Hühner

Bis vor etwa drei Jahren musste das Federvieh nachts in den Stall. Zu oft drang der Fuchs aufs Gelände und riss immer wieder Tiere. Seit indes der Zaun fuchssicher ist, schließen die Züchter die Klappen der Hühnerställe abends nicht mehr zu.

Seitdem können die Tiere selbstständig raus und rein. Ein Hahn, so Michaela Gaiser, krähe zudem nicht bei Sonnenaufgang, sondern schon vorher. Wenn die anderen Hähne darauf antworten, sei die Nachtruhe vorbei.

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Sichtschutz vor Hähnen

Als Amelie Gaiser noch ein Kind war, musste sie ihr Vater immer hochheben, damit sie die Tiere sehen konnte. Sie erinnert sich an einen grünen Sichtschutz, eine grüne Plane, an den Zäunen. Den gibt es nicht mehr. Gab es nie, sagt der Verein. So aber sehen sich ums Revier streitende Hähne und streiten sich.

Im Ort heißt es, Gaisers hätten eine Unterschriftenaktion gegen den Verein gestartet und wären mit ihrem Anliegen von Haustür zu Haustür gegangen. Michaela Gaiser streitet ab: „Es gibt keine Unterschriftenliste, wir haben bei niemandem geklingelt. Das ist Fakt“, sagt sie.

Die anderen Nachbarn stört es nicht

Welche Nachbarn?, fragt sich Michaela Gaiser. Im Gebäude nebenan wohnt eine betagte Frau um die 90, die ihr zufolge nicht mehr gut höre.  „Die anderen wohnen mit Eingängen zur anderen Seite hin.“

Rumgeschmiere und Geschrei

Inzwischen werden die Familienmitglieder auf offener Straße angeschrien. Neulich habe eine Kundin von Michaela Gaiser einen Termin abgesagt mit der Begründung, sie komme nicht mehr zu ihr wegen dieses Vorfalls. Auf einer Plattform im Internet werde „rumgeschmiert“, klagt Michaela Gaiser und wirft dem Medium Stammtischniveau vor. „Ein Stammtisch lebt davon, dass alle einer Meinung sind und auf den einschlagen, der gerade nicht da ist.“

Hühnergeschrei nicht nur nachts ein Problem

Michaela Gaiser seufzt, wenn sie einige Jahre zurückdenkt. Wenn sie sich bei ihrem Mann oder ihrer Tochter über das ständige Gegackere beklagt hat, haben die sich nur fragend angeschaut: „Ist sie vielleicht überarbeitet? Spinnt sie?“Das hat sich geändert. Im vergangenen Jahr hat Amelie im elterlichen Haus eine Praxis für Physiotherapie eröffnet. Etwa zur selben Zeit musste Wolfgang Gaiser krankheitsbedingt einige Wochen zu Hause bleiben. Seitdem bestätigen beide, dass das Hühnergeschrei nicht nur nachts ein Problem ist.

Hühner würden ersticken

Die Züchter sagen, sie können in heißen Sommern die Tiere nicht in den Stall sperren bei geschlossener Klappe, die Hühner würden sonst ersticken. „Aber wir müssen bei geschlossenen Fenstern schlafen?“, fragen sich Gaisers. „Den Tieren ist es nicht zuzumuten, uns aber schon?“

Jetzt hofft die Familie auf eine gütige Einigung, zumal ihr die Kleintierzüchter am Herzen liegen. „In Neuhausen sind wir doch ohnehin alle miteinander verbandelt.“

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