TV Neuhausen GmbH insolvent, doch Ball rollt weiter

Für die bisherigen, aus der 3. Liga abgestiegenen TVN-Handballer (hier rechts der zur HSG Konstanz abgewanderte Tim Keupp) stellt sich die Frage, in wie weit sie ihre Spielergehälter für die Monate Mai und Juni von der TV Neuhausen Handball-Bundesliga GmbH erhalten.
Für die bisherigen, aus der 3. Liga abgestiegenen TVN-Handballer (hier rechts der zur HSG Konstanz abgewanderte Tim Keupp) stellt sich die Frage, in wie weit sie ihre Spielergehälter für die Monate Mai und Juni von der TV Neuhausen Handball-Bundesliga GmbH erhalten. © Foto: Eibner
Neuhausen / Alexander Mareis 25.05.2018

Es war ein schwerer Gang für Volker Fleischmann am Mittwoch nach Tübingen zum Insolvenzgericht im Gebäude des Amtsgerichts am Fuße des Österbergs. Der 23. Mai wird als unrühmliches Datum in die Geschichte des TV Neuhausen eingehen. Denn die TV Neuhausen Handball-Bundesliga GmbH hat eben just in Person ihres bisherigen Geschäftsführers Volker Fleischmann vorgestern die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

Fleischmann, der zusammen mit GmbH-Geschäftsleiter Nico Held schon am 7. Mai von seinem Amt als TVN-Gesamtvorsitzender und GmbH-Geschäftsführer zurückgetreten war, hatte wegen der seit Jahren bekannten, aber nun eskalierenden finanziellen Schieflage der einst wegen der sportlichen Erfolge ins Leben gerufenen TV Neuhausen Handball-Bundesliga GmbH keinen anderen Ausweg mehr gesehen. Die GmbH war 2013 zu Zweitligazeiten, direkt nach dem Abstieg der TVN-Handballer aus der 1. Liga, gegründet worden, um den damaligen Belangen im Spitzensport gerecht zu werden.

„Nach meinem Gang nach Tübingen am Mittwoch habe ich mich am gestrigen Donnerstag in meinen Büroräumen mit den Stuttgarter Rechtsanwälten Dr. Axel Kulas und Stefan Hofherr getroffen. Kulas wurde vom Insolvenzgericht zum Insolvenzverwalter bestimmt. Mit dem Handball in Neuhausen wird es weitergehen. Nur die GmbH ist am Ende“, macht Fleischmann klar.

Ins selbe Horn bläst Insolvenzverwalter Dr. Axel Kulas, der gestern zusammen mit Stefan Hofherr zahlreiche Unterlagen der TVN Handball-GmbH mitnahm und sichtete. „Trotz aller Meinungsverschiedenheiten in Neuhausen ziehen letztlich doch alle an einem Strang, wenn es um den Fortbestand des Handballs beim TVN geht. Jeder will, dass die Neuhäuser Handballer in der viertklassigen Baden-Württemberg-Oberliga antreten können – und das ist auch unser Ziel. Wir wollen es nun ermöglichen“, macht Dr. Kulas klar. Im Raum standen immer neun Verträge, die der damalige GmbH-Geschäftsleiter Nico Held mit neuen Spielern für die Runde 2018/19 abgeschlossen haben soll. Dazu erklärt Dr. Kulas seinen Standpunkt, der dem Verein viele Freiräume gewährt. „Ich habe zwar bisher nur über fünf und nicht über neun Verträge Kenntnis erlangt. Aber durch ein Insolvenzverfahren werden diese Verträge nicht automatisch ungültig. Wenn die TVN-Handballabteilung möchte, dass diese neuen Akteure für die Neuhäuser spielen, haben wir als Insolvenzverwalter nichts dagegen. Natürlich stellt sich die Sinnfrage, aber das müssen die Verantwortlichen der Handballabteilung mit den Akteuren klären und mit ihnen verhandeln.“

Volker Fleischmann gibt seine Prognose ab: „Ich gehe davon aus, dass die Spieler, die durch Verträge mit der GmbH nach Neuhausen kommen sollten, eher nicht zur TVN-Handballabteilung wechseln werden.“

Reusch ist sich sicher

Für Handballabteilungsleiter Thomas Reusch, der derzeit mit seinem neuen Funktionärsteam eine schlagkräftige Truppe für die Saison 2018/19 zusammenstellen möchte, steht zwar auch diese Frage im Vordergrund, noch mehr allerdings kämpft er um einen höherklassigen Fortbestand des TVN und glaubt diesen auch auf der sicheren Seite zu wissen.

„Die Spiellizenz liegt nicht bei der TVN Handball-GmbH, sondern bei uns von der Abteilungsleitung. Daher werden wir nach dem Abstieg aus der 3. Liga in der viertklassigen Baden-Württemberg-Oberliga antreten können. So unsicher die Situation bezüglich unseres künftigen Spielerkaders noch ist, aber durch die Erklärungen des HVW-Justiziars sind wir uns sicher, in der BWOL den Spielbetrieb fortführen zu können.“

Der stellvertretende Handballabteilungsleiter des TV Neuhausen, Ulrich Neubrander, macht klar: „Die BWOL ist gesichert, daran haben wir nach der Beratung beim Verband HVW keine Zweifel mehr. Da wir keine Einsicht in die Unterlagen der TVN Handball-GmbH haben, müssen wir abwarten. Wir wissen nicht, was in den von Nico Held abgeschlossenen Verträgen mit den Neuzugängen wirklich steht. Tendenziell setzen wir auf unsere eigene starke Jugend. Spieler, die Verträge mit Profi- oder Halbprofi-Charakter besitzen, sind für uns nicht zu stemmen.“

In der BWOL ist keine TVN-GmbH notwendig

Insolvenzverwalter Dr. Axel Kulas hat Erfahrung mit Spitzenvereinen der Region Neckar-Alb. Bereits 2010 wickelte er die Insolvenz bei den Fußballern des SSV Reutlingen erfolgreich ab. Der in Stuttgart ansässige Rechtsanwalt geht im Fall des TV Neuhausen davon aus, dass die ausgelagerte TVN Handball-Bundesliga GmbH „drohend zahlungsunfähig“ ist – gerade im Hinblick auf die Löhne für die Spieler in den Monaten Mai und Juni. „Allerdings beginnen wir nun erst damit, die zahlreichen Unterlagen im Detail zu prüfen“, so Dr. Kulas. Er geht davon aus, dass man in Neuhäuser Handballkreisen die GmbH nicht retten möchte, sondern selbige am Ende liquidiert wird. „In der BWOL benötigt man sie nicht. Sie war auf die Bundesligen zugeschnitten.“

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