Zum Auftakt seiner Sommerreise durchs Land machte Sozialminister Manfred Lucha auch in der zertifizierten „Gesunden Gemeinde“ Hülben Station und hatte eine finanzielle Überraschung mit dabei: Die Kommune erhält 60 000 Euro aus dem Sonderprogramm „Quartier 2020 – Gemeinsam.Gestalten“ für die Umsetzung des geplanten „Familien-Campus – Jung und Alt gemeinsam“ in der Ortsmitte. Dort soll neben einem Gesundheitszentrum auch der neue Kindergarten entstehen. Im September möchte Bürgermeister Siegmund Ganser eine erste Planung im Gemeinderat vorstellen. Vom Minister gab’s jetzt schon für die Idee ein großes Lob: „Ihr Projekt hat eine große Ausstrahlungskraft.“

Er sei grundsätzlich ein Fan von gemeinwesenorientierten Projekten, so Lucha, und da sei der Landkreis Reutlingen seit langem federführend mit der Einberufung einer kommunalen Gesundheitskonferenz seit 2010 und der Aktion „Gesunde Gemeinde“: „Dieses Selbstverständnis und ein so hohes Aktivitätspotenzial ist nicht selbstverständlich“, führte er aus. „Deshalb komme ich auch immer wieder gerne in den Landkreis Reutlingen.“ In Zeiten des demographischen Wandels und der immer wichtiger werdenden Themen Pflege und Nachsorge sei es wichtig, dass Betroffene Gesundheitsthemen selbst gestalten und Verantwortung übernehmen können. Wer gesundheitsorientierte Projekte umsetzen möchte, müsse die Menschen mitnehmen: „Sie kommen ohne eine Engagement-Gesellschaft nicht aus.“

In der Gesellschaft müsse sich eine Verantwortungskultur etablieren, in Hülben werde dies laut Lucha gepflegt: „Sie senden ein deutliches Zeichen aus.“ Die Gemeinde war 2015 gleich in der ersten Zertifizierungsrunde zur „Gesunden Gemeinde“ mit dabei, seither ist im Ort der Arbeitskreis Gesundheit aktiv. Ihm gehören Gemeinderäte, Bürger und Mitarbeiter des Rathauses und selbstverständlich auch der Bürgermeister an. Gemeinsam hatten sie eines erkannt: Das Thema Gesundheit insgesamt und vor allem die Pflege speziell ist schon längst kein weicher, sondern ein harter Standortfaktor. Deshalb soll in Hülben ein Gesundheitszentrum mit dem Schwerpunkt Nachsorge in unmittelbarer Nähe zum neuen Kindergarten und der Peter-Härtling-Schule entstehen. Geplant ist, so Ganser, im Präventions- und Nachsorgezentrum 25 Tagesplätze, 40 Kurzzeitpflegeplätze und zehn Plätze für pflegende Angehörige einzurichten. „So können sie sich in Ruhe auf den Alltag mit dem Patienten vorbereiten“, erläuterte er den Hülbener Ansatz. „Ich hoffe, dass wir uns im nächsten Jahr zum Spatenstich treffen.“

Landrat Reumann: „Das ist beispielhaft, was Hülben vorhat.“

Im geplanten Zentrum werde, so Landrat Thomas Reumann, das wichtige Ziel der patientenorientierten und sektorenübergreifenden Vernetzung umgesetzt: „Das ist beispielhaft, was Hülben vorhat.“ Hier, wie auch im Gesundheitszentrum Hohenstein, gebe es einen zentralen Gedanken: „Der Patient steht nicht im Weg, sondern im Vordergrund.“

Die Ideen rund ums Thema Gesundheit gehen in Hülben laut Bürgermeister Ganser jedenfalls nicht aus. Dank der finanziellen Unterstützung des Gesundheitszentrums nehme der Arbeitskreis nun einen großen Schub mit für seine künftige Arbeit. Mit dem 3,5 Kilometer langen Mehrgenerationenweg Etzenberg werde schon demnächst, so seine Ankündigung, ein neues Projekt auf der Vorderen Alb eingeweiht.

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