Die Jury des Landkreises hat sich zu einem Besuch in Grabenstetten angesagt, um den dort abgesandten Antrag auf Zertifizierung als „Gesunde Gemeinde“ vor Ort unter die Lupe zu nehmen. Auf dem Weg nach Grabenstetten strahlt die Sonne über die Albhochfläche, Natur so weit das Auge reicht, auf Höhe des Segelflugplatzes grasen mehrere hundert Schafe genüsslich unter der Obhut eines Hirten. Ein malerisches Bild, was braucht es noch mehr, um gesund leben zu können?

Gesunde Gemeinde Grabenstetten Zertifizierung zur Gesunden Gemeinde

Nicht viel, trotzdem bietet sich in Grabenstetten für alle Altersgruppen ein gesundheitsbewusstes Programm. Martina Lehmann als Sprecherin des örtlichen Arbeitskreises, der sich in den vergangenen Monaten mit dem Thema auseinander gesetzt hat, begrüßte Landrat Thomas Reumann und seine Jury mit einem selbst geschriebenen schwäbischen Gedicht. „Damit haben Sie die Plakette schon halb gewonnen,“, scherzte der Landrat.

Aktivitäten im Kinderhaus

Aber im Ernst: Erste Station der Jury war der Kindergarten, wo das geförderte Programm „Singen – Bewegen – Sprechen“ (SBS) durchgeführt wird. Alles drei taten die Kinder dann auch sogleich für die Gäste, passend zum Thema in der hauseigenen „Turnhalle“, die zur Weihnachtszeit zur Adventshalle umdekoriert wird, in der dann auch Besucher ihre Ruhe finden können. „Denn auch das gehört zur Gesundheit“, sagte Kindergartenleiterin Eva Klingler.

Volkstanz bei der Trachtengruppe

Vor der Tür hatte unterdessen die Volkstanzgruppe der Trachtengruppe Stellung bezogen. Die fünf Paare legte einen Böhmischen Ländler und einen Square Dance auf die Platte. „Das hält Geist und Körper fit“, erklärte Erwin Kokorsky. Um die 40 Mitglieder beteiligen sich sonst an den Trachtenumzügen, seit 33 Jahren gibt es die Gruppe mittlerweile. Landrat Reumann räumte ein, dass man den Tänzern „den Spaß am Gesicht ablesen“ konnte.

Rüstig mit 90

Ein paar Meter weiter war das Café im „Ladners Ochsen Beck“ die nächste Station. Aber nicht nur, um sich aufzuwärmen und etwas zu stärken. Dort wurde die Jury von einem Kreis rüstiger Seniorinnen erwartet, die dem Landrat sogleich unter die Nase rieben, was sie sich unter einer gesunden Gemeinde vorstellen. Ein vernünftiger Nahverkehr zum Beispiel. „Weil wenn’s irgendwie geht, dann möchte man auch mit über 90 noch raus, nach Urach zur Kultur zum Beispiel“, sagte eine Seniorin. Mit den derzeitigen Anschlüssen zur Busverbindung sei das aber sehr schwierig. Landrat Reumann versprach, dieses Anliegen im neuen Nahverkehrsplan zu berücksichtigen. Auch das Café selbst ist Teil der Gesunden Gemeinde. Als barrierefreier Treffpunkt für Generationen, wie er längst nicht mehr in allen ländlichen Kommunen einer Größe Grabenstettens selbstverständlich ist.

Draußen warteten derweil schon die „Löschis“ auf ihren Einsatz. Die Grabenstetter Kinderfeuerwehr, einst nach Reutlingen und Wannweil die dritte ihrer Art im Landkreis Reutlingen, wird regelmäßig von fast 20 Kindern besucht. Trotz zunehmender Kälte zeigten sie einen simulierten Einsatz, beim „Wasser marsch“ kennt die Begeisterung an der Spritze dann kein Halten mehr.

Preisgekrönte Bücherei

Zurück am Rathaus wurde am inzwischen preisgekrönten Buch Station gemacht. Die offene Bücherei, von Jugendlichen des örtlichen „Karra“ selbst geplant und gebaut, hat schon eine Auszeichnung als Kriminalpräventionsprojekt bekommen. Die Ausleihe, die für die abgebrannte Bücherei als Ersatz geschaffen wurde, erfreut sich in Grabenstetten großer Beliebtheit. „Zwei Tage nach der Einweihung seien die Regale schon voll mit Buchspenden gewesen“, sagte Bürgermeister Roland Deh. An Wochenenden, außerhalb der Öffnungszeiten des Rathauses, kann man sich dort auch mit Info-Broschüren über die Alb und das Biosphärengebiet versorgen.

Sport und Ernährung

Schließlich hatten noch die Kinder der Rulamanschule auf Plakaten festgehalten, was für sie zu einer gesunden Gemeinde gehört. Sport und gesundes Essen war da mehrfach zu hören und zu lesen, keiner aus der Jury konnte da widersprechen.

„Beeindruckend“, resümierte Thomas Reumann nach rund zwei Stunden, „über Generationen hinweg haben wir heute viel gelernt.“ Er prognostizierte, dass die Jury sehr wohlwollend über den Antrags Grabenstettens beraten werde. Und damit könne man dann Werbung machen, denn die Gesundheitsvorsorge zählt ebenso zu den Standortfaktoren wie Schule oder der Straßenunterhalt.